„Und, was willst du dann später damit machen …?“

Das ist eine Frage, die wohl viele Studierende kulturwissenschaftlicher Studiengänge zu genüge kennen und mit der sie sich regelmäßig bei familiären Festivitäten, Geburtstagen, religiösen Feiertagen oder sonstigen Anlässen auseinandersetzen dürfen. So wird es wohl auch dem/der einen oder anderen Studierenden der Zwei-Fach-Bachelor und Zwei-Fach-Master-Studiengängen an unserer Universität ergehen. Eigentlich harmlos und wertschätzend, wenn sie mit Wohlwollen und Neugier gefragt wird, aber manchmal auch stichelnd, wenn da dieser gewisse Unterton mitschwingt.

Nicht, dass die Frage nicht äußerst relevant wäre. Doch erstens kribbelt sie oftmals an wunden Punkten der Selbstexploration, wenn sie für sich selbst im eigenen Findungsprozess (noch) nicht beantwortet werden kann (wenn doch: umso besser!). Und zweitens wird sie auch dem Generalist*innen-Potenzial von Kulturwissenschaftler*innen nicht immer gerecht, da es Fluch und Segen zugleich sein kann, wenn die Wahl eines Studiengangs gegenüber anderen Bereichen (Medizin, Jura, Architektur, …) noch nicht so zielgerichtet Aussage über das zukünftige Tätigkeitsfeld verschaffen kann und muss – d. h. diese Findungsphase kann angesichts der flexiblen Berufsperspektiven ggf. immer wieder neu im Laufe der Berufslaufbahn verhandelt werden. Wenn dann noch bestimmte Fächer, denen mit besonders vielen Vorurteilen begegnet wird, z.B. theologischer Natur („Um Gottes Willen!“, „Das ist doch keine Wissenschaft!“), erziehungswissenschaftlicher Natur („Du willst also Nanny werden?!“) oder philosophischer Natur (der oder die Taxifahrer*in lässt clichéhaft grüßen) ins Spiel kommen, dann wird das Studienvorhaben unter den skeptischer veranlagten Zeitgenoss*innen im familiären Umfeld oftmals nicht gerade als Sicherheitszuschuss verstanden.

Doch wie steht es um die Kulturwissenschaftler*innen auf dem deutschen Arbeitsmarkt? Ein Blick in Statistiken verrät: Insgesamt eigentlich ganz gut und auf jeden Fall besser als meist gedacht! Auch wenn die berufliche Einstiegszeit manchmal herausfordert und sich die Beschäftigungssituationen unterscheiden, gibt es keine höhere Arbeitslosenquote als in anderen Bereichen. In der Wirtschaft arbeiten z.B. in größeren Unternehmen mittlerweile vier von zehn Angestellte mit einem kulturwissenschaftlichen Hintergrund, weil sie für ihre Soft Skills und Vielseitigkeit geschätzt werden.[1]

Hier also ein paar (nicht immer ganz ernst gemeinte) Strategien zum Umgang bei anstehenden unfreiwilligen Berufsfindungsinterviews, die vor Rechtfertigungsschleifen oder eingängigen Gewissensprüfungen helfen können:

  • Wegbleiben 
  • Vom Thema ablenken („Ist die Pizza schon bestellt?“)
  • Einen Katalog mit Statistiken hervorzaubern („ich hab‘ da mal was vorbereitet …“)
  • Versichern, noch auf Lehramt zu wechseln (und es dann doch nicht tun … ^^)
  • Irgendeinen beliebigen „klassischen“ Beruf nennen, den der Onkel oder die Großcousine kennt (PR-Agentin, Lektor, …) und mit dem sich zufriedengegeben wird
  • Ironie („Hundefriseurin oder Taxifahrer!“)
  • Wenn jemand wirklich interessiert ist: die offene und breit aufgestellte Ausrichtung des Studiums erklären und über mögliche oder ganz konkrete Interessengebiete berichten

Die beste (und ernst gemeinte) Strategie sollte allerdings sein, sich nicht entmutigen zu lassen, wenn die Studienwahl selbst gefällt, Freude macht und sich stimmig anfühlt, und stets die Augen offen zu halten nach Orientierungspunkten, Austauschmöglichkeiten und Erfahrungsschätzen: Was für ein Praktikum kann mir weiterhelfen, um zu entscheiden, was (nicht) in Frage kommt? Wo liegen meine Stärken, Schwächen und Interessen? Kann ich mal mit jemanden sprechen, der das schon beruflich macht, was mich interessiert? Wo kann ich z. B. über Nebenjobs hilfreiche Kontakte knüpfen? Was für Stellenanzeigen interessieren mich, was brauche ich für Qualifikationen und Weiterbildungen, um die Einstellungskriterien zu erfüllen? Wie kann ich mit den Ambivalenzen des Studienbereichs Umgang finden lernen und die breiten Orientierungsmöglichkeiten für mich gewinnbringend nutzen? Denn mit mehr Orientierung fühlt sich auch die Frage gleich nicht mehr so zwickend an und die Motivation im Studium wird durch Zielperspektiven gefördert.

Und: Die Frage zwischendurch auch mal bei Seite stellen und einfach Spaß am Studium haben! Egal was für die kommenden Wochen geplant ist: Allen Studierenden eine schöne vorlesungsfreie Zeit!


[1] https://www.iwkoeln.de/presse/pressemitteilungen/christiane-konegen-grenier-bessere-berufschancen-als-gedacht.html

Sarah Lebock ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am ZeKK & am PIIT und gemeinsam mit Dr. Annette Bentler, Dr. Thomas Reuther und Andreas Fröger Teil des Dozierendenteams für den Kurs „Kulturwissenschaftler*innen im Beruf“, der stets zum Wintersemester an der UPB angeboten wird.

#Studium #Orientierung #UniPaderborn ​#KulturwissenschaftenUPB ​#Kulturwissenschaften

Religion unterrichten: Vorsicht, Hochspannung!

SpiritualitätPositionalitätHeterogenität: Solche Schlagworte stehen aktuell hoch im Kurs, wenn es um die Zukunft des Religionsunterrichts geht. Und auch, wenn zur Sprache kommt, was Lehrkräfte können und leisten sollen, um landauf landab Religionsunterricht zu erteilen. Damit sind an (angehende) Religionslehrerinnen und Religionslehrer keine geringen Herausforderungen gestellt. Denn nicht zuletzt aus Sicht der beteiligten Institutionen bzw. Religionsgemeinschaften, die den schulischen Religionsunterricht inhaltlich mitverantworten und Lehrkräfte offiziell beauftragen, werden nicht selten (zu) hohe Erwartungen aufgerufen. Insbesondere in kooperativen Modellen mit konfessionell oder religiös gemischten Lerngruppen wird oftmals von den Religionslehrkräften gefordert, ihr religiöses bzw. konfessionelles Bewusstsein zu schärfen, um dem erteilten Unterricht ein entsprechendes Profil geben zu können. Aber: Um welches Profil soll es dabei eigentlich gehen?

Religionslehrerinnen und Religionslehrer agieren in einer Spannung zwischen individueller Religiosität und institutioneller Identität. Zudem steht diese Spannung inmitten der Herausforderung der religiös-weltanschaulichen Heterogenität von Lerngruppen. Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen religiösen bzw. konfessionellen Bindungen und immer mehr auch mit konfessionslosen oder nichtreligiösen Hintergründen fordern Lehrkräfte in ihrer Unterrichtsgestaltung heraus – auch in einem formal bekenntnisgebundenen katholischen, evangelischen oder islamischen Religionsunterricht. Dieses komplexe Bedingungsgefüge produziert mitunter Konflikte, Überforderungen und Enttäuschungen in der Praxis – nicht zuletzt auch angesichts der sich immer wieder in den Vordergrund drängenden Glaubwürdigkeitskrisen der Religionen, Religionsgemeinschaften und der Kirchen, die als Systeme oftmals weit hinter dem zurückbleiben, was sie selbst bezeugen. 

Aus Sicht der Professionstheorie befinden sich Lehrkräfte mit ihrem schulischen Handeln in einer strukturellen Antinomie, einer nicht auflösbaren Widersprüchlichkeit. Beispielsweise dann, wenn sie Kinder und Jugendliche zu mündigen Menschen bilden wollen, sie zugleich aber einem System der Disziplinierung und Zensierung unterwerfen müssen. Im Religionsunterricht treten Lehrkräfte einerseits als von den Religionsgemeinschaften offiziell Beauftragte auf, sollen eine professionelle Rolle als Mitglied ‚ihrer‘ Religionsgemeinschaft einnehmen. Andererseits wird von ihnen verlangt, ihre individuelle Spiritualität und Positionalität sichtbar zu machen, mit der sie sich mitunter in großer Distanz zu der sie beauftragenden Religionsgemeinschaft befinden. Aus diesem Dilemma der Selbstpositionierung zwischen institutioneller Bindung einerseits und individueller religiös-spiritueller Freiheit andererseits gibt es keinen Ausweg. Das heißt, in und mit dieser Spannung ist religiöse Bildung zu realisieren, die diese Spannung nicht verschweigt oder zu entladen versucht, sondern vielmehr zum bildenden Antrieb werden lässt. Denn religiöse Identität wird nicht in der bloßen Übernahme bestehender religiöser Formen oder Formeln gebildet, sondern in ihrer kritischen Anverwandlung. Das können Schülerinnen und Schüler von einer transparenten Positionalität ihrer Lehrerinnen und Lehrer lernen und genau darin scheint das dynamische Profil eines konfessionellen bzw. konfessionell- oder religionskooperativen Religionsunterrichts auf. 

Das ist herausfordernd, aber auch fördernd, denn es lässt sich etwas gewinnen (sofern man sich auf dieses persönliche Unterfangen einlässt): Klarheit über den eigenen Standpunkt und die eigene Perspektive des Unterrichtens, Souveränität für das überkonfessionelle und interreligiöse Gespräch, neue Impulse für die eigene Spiritualität und nicht zuletzt eine an der Mehrperspektivität dieses Unterrichts erprobte Freiheit zu einer kritischenIdentifikation mit religiösen Traditionen und Institutionen. Religionslehrende sehen sich damit vor der spannenden und spannungsgeladenen Aufgabe, die eigene Religiosität und spirituelle Praxis ständig neu herauszufordern und herausfordern zu lassen. Sie können und sollen sich dabei ermutigt fühlen von einer größeren Gemeinschaft Gleichgesinnter, ihrer eigenen, aber auch im Dialog mit anderen. Sich hier und da mit den persönlichen, auch sperrigen existenziellen Wahrheiten sichtbar zu machen, ist eine der wertvollsten und zugleich notwendigen Aufgaben religiöser Bildung.

Made with Sodipodi by Duesentrieb, CC BY-SA 2.5 https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.5, via Wikimedia Commons

Prof. Dr. Jan Woppowa ist Professor für Religionsdidaktik am Institut für Katholische Theologie an der Universität Paderborn.

#Bildung #Religion #Unterricht #Spiritualität #Heterogenität #Positionierung #Identifikation #Reflexion #Kritik 

Muslim sein!   

Vor einigen Tagen habe ich eine merkwürdige Situation erlebt. Ich saß auf einem Stuhl an der Haltestelle und wartete auf den Bus. Ein alter Mann kam zu mir und hat mich freundlicherweise gefragt: „Gibt es einen freien Platz für einen alten Mann, der 70 Jahre alt ist?“ Ich habe bejaht und habe ihm gesagt: „Sehr gerne.“ Dann saß er neben mir und wir haben über unterschiedlichen Themen gesprochen. Die Atmosphäre der Diskussion war sehr gut, bis er herausgefunden hat, dass ich islamische Studien an der Al-Azhar Universität in Kairo studiert habe. 

Er fragte mich: Was studierst du?

Ich: Ich habe islamische Studien und Kulturwissenschaften studiert.

Er: Bist du Islam, hmm gläubig?

Ich: Ich bin Muslim.

Er: Betest du und beugst du so … das ist eine Art der Unterdrückung und Unterwerfung, genauso wie die Kirche im Mittelalter.

Ich: Nach meinem Verständnis gibt es im Islam keine Kirche und keinen Vermittler zwischen mir und meinem Gott.

Er: Aber es gibt Moscheen und Leute wie Priester.

Ich: Du hast recht, es gibt Imamen, die die Menschen nutzen, aber das ist falsch nach meiner Einstellung.

Seine Laune hat sich verändert und er sah mich wütend an.

Dann sagte er: Ich will dich nicht beleidigen, aber dein Prophet hat Kriege geführt und Menschen im Namen des Islams getötet.

Ich: Wir können darüber bestreiten und diskutieren, wenn Sie wollen.

Danach stand er auf, nahm seinen Rucksack und sagte: Wir können streiten, aber du wirst deine Meinung nicht ändern. 

Danach habe ich ihm gesagt: Hier geht es nicht um die Meinungsveränderung. Ich habe eine andere Sichtweise und wir können darüber diskutieren. 

Er machte sich auf den Weg und nach einigen Schritten drehte er sich um, schaute mich an und sagte zu mir mit einer lauten Stimme: Du solltest mit deinen christlichen Freunden darüber reden und sie werden deine Meinung verändern.

Tatsächlich war ich geschockt, weil die Stimmung des Gesprächs wunderbar war, bis er wusste, dass ich Muslim bin. Nun frage ich mich, ob ich meinen Glauben und meine Gedanken verstecken sollte, damit ich in Ruhe und Frieden leben kann?

Von meinem Tagebuch am 15.07.2019.

Ahmed Elshahawy ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Paderborner Institut für Islamische Theologie.

#Muslimsein #IslamischeStudien #Gedankenaustausch #Vorurteile #Gespräch #Islam #Mittelalter

In Stein gemeißelter Antisemitismus

Die „Judensau“ darf bleiben: Der Bundesgerichtshof hat im vergangenen Monat entschieden, dass die antijüdische Schmähskulptur an der Stadtkirche Wittenberg nicht entfernt werden muss. In dem Urteil heißt es, sie sei „zwar beleidigend, doch die Gemeinde habe sich ausreichend distanziert.“

Aber geht das überhaupt? Ausreichende Distanzierung von einem in Stein gemeißelten Relief aus dem 13. Jahrhundert, das bis heute Menschen jüdischen Glaubens beleidigt, sie als „Saujuden“ darstellt und bisher nur mit einer leicht zu übersehenden, theologisch überholten Gedenkplatte aus den 1980er Jahren sowie einer nebenstehenden Infotafel versehen ist? Und das ausgerechnet an der Kirche, die als Wiege der Reformation gilt, wo auch Martin Luther predigte? Im Jahr 2022 kommt hier noch immer der Antisemitismus zum Ausdruck, den auch Luther in Schriften wie „Von den Juden und ihren Lügen“ oder „Vom Schem Hamphoras und vom Geschlecht Christi“, die direkt Bezug auf die Skulptur nimmt, verbreitete. Der Judenhass war jahrhundertelang Teil der lutherischen Verkündigung, sodass sich auch die evangelische Kirche „an der physischen Auslöschung des jüdischen Volkes schuldig gemacht“ (Rheinischer Synodalbeschluss von 1980) hat, weshalb etwa Andreas Pangritz in Luther einen „Kronzeugen des Antisemitismus“ sieht.

Hochrangige Protestant*innen hatten sich schon länger für eine Abnahme der „Judensau“ ausgesprochen, darunter die ehemalige Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Irmgard Schwaetzer, und Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, der feststellte: „Eine Beleidigung bleibt eine Beleidigung, ob man sie kommentiert oder nicht.“ In Wittenberg, wo die dunkle Seite des Reformators nicht unbedingt das Lieblingsthema darstellt, ist auch die Diskussion um das Relief vielen ein Dorn im Auge. Die evangelische Stadtkirchengemeinde in Wittenberg argumentiert, die „Judensau“ müsse bleiben, denn sie sei „ein Stachel im Fleisch der christlichen Geschichte. Sie halte die Erinnerung an den mittelalterlichen Antijudaismus aufrecht. […] Man sei kein Freund der Cancel Culture.“

Auch der Rechtspopulismus hat das Thema längst für sich vereinnahmt. Die AfD Wittenberg erreicht viele Einheimische mit dem Vorwurf, „Weltversteher“ würden von außen in die Lutherstadt kommen, um ihnen zu sagen, was sie zu tun hätten; dabei sei das Relief gar nicht mehr das Problem, da der heutige Antisemitismus doch von den Muslimen ausgehe – eine Behauptung, die angesichts der Tatsache, dass 9 von 10 antisemitischen Straftaten in Deutschland einen rechten bzw. rechtsextremistischen Hintergrund haben, natürlich wenig haltbar ist.

Niklas Ottenbach vom Deutschlandfunk hat die Art und Weise, wie die Debatte geführt wird und vor allem die Gemeinde argumentiert, scharf kritisiert: „Das kann man so sehen, wenn es einem nur um sich selbst geht. Im Grunde genommen ist das Belassen der „Judensau“ an der Wittenberger Stadtkirchenfassade eine sehr selbstbezogene Geschichtsbetrachtung, die zwar die eigenen Untaten thematisiert wissen will, aber die Wirkung auf die, die damit beleidigten werden, ausblendet.“ Nach derselben Argumentation hätte man, so Ottenbach weiter, ja auch Adolf-Hitler-Plätze nach dem Krieg nicht umbenennen müssen – aber so funktioniere es nicht: „Geschichte entwickelt sich weiter, deshalb darf sich auch das Stadtbild weiterentwickeln.“

Und tatsächlich: Geschichte und Erinnerung sind lebendig und entwickeln sich stets weiter. Erinnerung an das Vergangene ist somit notwendig, um die Zukunft zu einem besseren und gerechteren Ort für alle zu gestalten. Das erinnerungspolitische Erinnern und Gedenken würdigt die Perspektive der Personen, die diskriminiert, ausgegrenzt, verfolgt und ermordet wurden – kurzum: derer, die es konkret beleidigend betrifft. Ausgerechnet diese Perspektive ist jedoch in der Diskussion in Wittenberg nur unzureichend berücksichtigt worden.

Stephanie Lerke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Evangelische Theologie der Technischen Universität Dortmund und Lehrbeauftragte am Institut für Evangelische Theologie der Universität Paderborn, Jan Christian Pinsch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Evangelische Theologie der Universität Paderborn und Lehrbeauftragter am Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.

#Antisemitismus #Erinnerungskultur #Jüdisch-christlicher Dialog #Kunst #Wittenberg

Unsere Zeit in Gedanken fassen

Den Anlass meines Beitrags bildet ein Leserbrief, der unmittelbar nach Brexit und der Wahl Donald Trumps zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika von einem Leser der britischen Tageszeitung The Guardian geschrieben wurde (vgl. https://www.theguardian.com/education/2016/nov/18/existential-angst-and-homers-philosophy). Über Leserbriefe als Quelle von Fehlschlüssen schrieb Susan Stebbing in Thinking to Some Purpose (1939): Sie gab zu, eine leidenschaftliche Leserin von Leserbriefen zu sein und diese als Grundlage für ihre Analyse von Argumenten und Fehlschlüssen im Alltagsdenken zu benutzen. Ich schlage jetzt vor, unsere Aufmerksamkeit dem Brief von Jim McCluskey in The Guardian nicht als Quelle von Fehlschlüssen zu schenken, sondern weil er ein philosophisch zentrales Thema auf eine sehr einfache Art und Weise anspricht. Herr McCluskey schreibt: 

I have been a disciple of the philosopher Homer (D’oh-levels; the wisdom of the Simpsons, 16 November) even before I heard his response to Bart’s request to switch on the TV: “Well, please turn something on, I am beginning to think.” The prospect of thinking is now more terrifying than ever. It is a courageous person who is prepared to think of the implications of having a narcissistic sociopath as commander-in-chief of the most potentially destructive armed forces the world has ever seen. A few of the other matters which do not bear thinking about include Brexit, the rapid loss of species diversity, and the population explosion. D’oh.

Herr McCluskey weist also darauf hin, dass zu denken (insbesondere in den Trump- und Brexit-Zeiten – und wir könnten hinzufügen: in Corona- und Kriegszeiten) erschreckend ist (es ist besser, einfach Netflix oder Videos auf Tik-Tok/Instagram/Youtube zu schauen). Zu denken erfordert den Mut, alle Aspekte vor Augen zu haben, die die Wirklichkeit ausmachen und ihre Konsequenzen und Implikationen für die verschiedenen Bereiche unseres Lebens explizit zu machen. So wird in diesem Brief eine Konzeption von Denken ersichtlich, die spezifisch philosophisch ist und insbesondere auf die Tradition der Hegelschen Dialektik zurückgeht. Es geht um das Denken als das Fassen der eigenen Zeit, und somit als die Anerkennung der eigenen Grenzen – es geht um eine Selbstreflexion, die das zur Geltung bringt, was alles in unserem Leben negativ ist und nicht stimmt; es geht um eine Reflexion, durch die wir erkennen, wie die Realität ist und wie sie sein sollte – wir erkennen somit die Spannung und Zerrissenheit zwischen Sein und Sein-Sollen. Man hat die Diskrepanz zwischen Idee und Realität klar vor Augen und man leidet, man ist erschreckt. Eine an dem „Philosophen“ Homer angelegte Reaktion dazu würde daher darin bestehen, dass wir einfach Netflix schauen. Eine eher Hegelsche Reaktion wäre leicht anders, das ist aber eine andere Geschichte.

PD Dr. Elena Ficara ist Akademische Oberrätin a. Z. am Institut für Humanwissenschaften im Fach Philosophie.

#Leserbrief #Simpsons #Trump #Philosophie #Dialektik

Endlich Sommer!

Beschäftigungsempfehlungen mit theologischer Note

Wochenendfrühstück draußen, Schwimmen im See, anregende Lektüre in der Sonne? – Der Sommer ist da und damit auch das Genre der Beschäftigungsempfehlungen für den Urlaub oder wenigstens einen freien Nachmittag in der Sonne. Hier kommen drei (nicht unbedingt neue) Hinweise für die freie Zeit mit theologischem Tiefgang:

  1. Lektüreempfehlung: Der Sommerurlaub ist ein guter Zeitpunkt, um mit Karl Ove Knausgårds monumentalem autobiografischem Romanprojekt (Norweg. Min Kamp) zu beginnen. Einerseits, weil man einiges an Zeit benötigt, um sich durch alle sechs Bände zu wühlen. Andererseits, weil die schonungslose Darstellung des Menschen in der Spätmoderne bei Sonnenschein besser zu ertragen ist. In unvergleichlicher Dichte schildert Knausgård die alltägliche Erfahrung persönlicher, familiärer und öffentlicher Zerrissenheit und zerrt die Leser:in förmlich in einen Mahlstrom der Selbstreflexion. Das geht natürlich nicht ohne die Berührung der wirklich letzten Fragen des Daseins, die in herrlich unverstellt akademischen Exkursen über Ästhetik, Philosophie, Geschichte und Theologie das ganze Werk durchziehen.
  2. Filmempfehlung: 3 Billboards Outside Ebbing, Missouri ist ein Meisterwerk von Martin McDonagh aus dem Jahre 2017, das sich mit Verlust und Trauer, Schuld und Vergebung auseinandersetzt – und dabei faszinierenderweise ständig wirklich lustig ist. Frances McDormand, ausgezeichnet mit dem Oscar für die beste Hauptdarstellerin, sucht als Mildred Hayes nach Vergeltung für die fehlende Aufklärung des Verschwindens ihrer Tochter. Es entwickelt sich ein packendes Drama mit überraschenden turns um ihr Verhältnis zu den Polizisten Bill Willoughby und Jason Dixon (exzellent gespielt von Woody Harrelson und Sam Rockwell). Wirklich großes Kino, das mehr oder weniger offen mit theologischen Grundfragen spielt.
  3.  Serienempfehlung: Wenn es doch ein Binge sein soll, lohnt sich die hierzulande noch wenig bemerkte Serie One Day at a Time. Sie belebt das klassische Genre der Sitcom wieder, wehrt sich aber gegen die politische und gesellschaftliche Belanglosigkeit der 90er-Jahre-Shows und thematisiert alle relevanten Gegenwartsfragen von der Klimakrise bis zur psychischen Erkrankung, vom Drama wachsender sozialer Ungleichheit bis zum Generationenkonflikt in Sachen Religion. Wer wissen will, wie die Themen der Zeit im Horizont eingespielter Lacher aussehen, und gelegentlich mangelnde Tiefe gegen gute Unterhaltung zu tauschen bereit ist, ist hier an der richtigen Adresse. Und leichte Kost ist im Sommer sowieso eine gute Wahl.

Prof. Dr. Aaron Langenfeld ist Lehrstuhlinhaber für Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft an der Theologischen Fakultät Paderborn.

#Lesen #Bücher #Filme #Serien #Theologie #Sommer

Psychohygiene

Üblicherweise erkennt man erst dann, was Gesund-Sein bedeutet, wenn man es nicht mehr ist. Diese Binsenweisheit ist so unspektakulär wie existentiell bedeutsam, wie es uns die letzten zwei Jahre immer wieder bisweilen dramatisch vor Augen geführt haben. Plötzlich wurde im politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und auch im persönlichen Leben der Takt von einem Virus vorgegeben, mit dem man sich mittlerweile mehr oder weniger arrangiert hat, der allerdings nach wie vor seine Spuren im Alltag hinterlassen hat – angesichts von omnipräsenten Desinfektionsspendern, fallengelassenen Masken auf dem Bürgersteig und unbeholfenen Tanz-ähnlichen Bewegungen beim Begrüßen, da noch nicht ganz klar ist, ob der Handschlag rehabilitiert ist oder nicht. So wie Politik, Wirtschaft und Gesellschaft neue Regeln aufstellen mussten und nun abwägen, welche dieser Regeln archiviert werden können, bevor sie im Herbst ihr Revival feiern, mussten wir für uns persönlich ebenfalls neue Abläufe und Gewohnheiten etablieren, unsere Art des Lebens anpassen und damit umgehen lernen, dass Krankheit und Tod traurige Must-haves in unser aller Leben sind. 

Die Allgegenwart von Krankheit führt dazu, dass die eigene körperliche Verletzlichkeit, die faktischen Einschränkungen, Verluste und Einschnitte, die man erlebt hat, irgendwie eingeordnet, verarbeitet und eventuell sogar sinnvoll in das eigene Leben integriert werden müssen. Resilienz als die Fähigkeit, das innere Gleichgewicht gegen Störungen und Angriffe von außen beizubehalten, hat hierdurch eine ganz neue Bedeutung erhalten. Auch wenn vieles jetzt gerade zurück zu „normal“ pendelt, können die psychosozialen Auswirkungen der Pandemie nicht geleugnet werden. Entsprechend rückt in den Vordergrund, dass Gesundheit nicht nur eine Sache des Körpers, sondern eben auch der Psyche – oder etwas spiritueller ausgedrückt – der Seele ist. 

Wo aber die Seele im Spiel ist, da ist auch die Religion nicht weit. Zu der Frage, was Gott bzw. sein Handeln in der Welt mit Ursprung und Verlauf der Pandemie zu tun hat, ist schon viel aus theologischer Sicht geschrieben worden. Auf der ganz praktischen Ebene stellt sich für mich allerdings nach wie vor die Frage, ob man nicht noch mehr Lehren aus der Pandemie ziehen kann als die Einsicht, dass Weihwasserbecken in hygienischer Hinsicht dubios sind. Müsste man nicht gelernt haben, dass Krank-Sein immer nicht nur etwas mit dem Körper macht, sondern den ganzen Menschen mit Leib und Seele in Beschlag nimmt und wir deswegen nicht nur eine Körper- sondern auch eine Psychohygiene brauchen? 

Im Rahmen der in Kooperation von ZeKK, CTSI und der Theologischen Fakultät Paderborn stattgefundenen internationalen Tagung vom 16.-18.06. zum Thema „Health and Religion“ wurden aus interreligiöser Perspektive vielfältige Fragen zum Zusammenhang von Krankheit, Gesundheit, Religiosität und Gottes heilendem Wirken in der Welt (bspw. das islamische Konzept des shifa oder Christus als Arzt und Heiler) thematisiert. Den Hauptvortrag am Abend hielt der Professor für Global Health des Universitätsklinikums Bonn Walter Bruchhausen, der die Bedeutung des Zusammenwirkens von Religion und Medizin in einer funktional ausdifferenzierten Gesellschaft betont hat. Dabei gehe es eben nicht darum, dass Religion die Aufgaben der Medizin übernehme, sondern darum, dass die große Bedeutung der persönlichen Spiritualität nicht nur derjenigen, die von Krankheit betroffen sind, sondern auch derjenigen, die im Gesundheitssektor arbeiten, stärkere Beachtung finden sollte. Hier kommt die Fähigkeit zur Resilienz wieder ins Spiel. Wer – auf welcher Seite auch immer stehend – tagtäglich mit Krankheit und Tod konfrontiert ist, braucht funktionierende coping-Strategien und eine Sinngebung für das eigene Tun, die über die Logiken des Marktes hinausgeht. Diese Sinngebung muss nicht zwingend religiös fundiert sein, allerdings zeigt sich Religion doch bleibend als wichtiger Player auf dem Spielfeld der Suche nach Motivation und Zielsetzung des eigenen Handelns. 

Die Tagung hat die Möglichkeiten eines Zusammenspiels von Spiritualität bzw. Religiosität und Health Care eindrucksvoll vor Augen geführt und damit noch einmal deutlich gemacht, inwieweit Religionen durchaus systemrelevant sein können. 

Dr. Cornelia Dockter ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Katholisch-theologischen Fakultät Bonn.

#Krankheit #Religion #Mental Health #Resilienz

Islam through the lens of Drama 

 “Faten Amal Harbi” represents my Egyptian dramatic discovery of this year. The events of the work revolve in a dramatic social setting, around the tragedy of „Faten“, with her husband and her marital problems with him, so she decides to separate from him, thinking she has managed to eliminate her problems, but she faces other crises with certain provisions of the Personal Status Law, which decides under the name of law derived from Sharia to deprive her of her two daughters if she remarries another person.

Faten’s struggle continues in the court of Judge David, who has always been a supporter of one side (Sharia), and who always insists on telling her that his job is to apply the laws and not to make justice.  Faten, after making sure that the source of this law is human, resorts to the Qur’anic text, proves the illegitimacy of this law, and even succeeds in sending it back for revision and modification. 

In general, both Drama and cinema are faced with rejection and hostility from many jurists, who keep on making fatwas regarding the forms and contents of works. However, both Arts continue to stimulate the Muslim realities and many works moved on from treating the topic of the Muslim history and victories and tried to break the silence on other topics that touch on the details of the sensitive reality within Muslim societies. The Drama embraced thorny issues, overlapping and clashing with the hottest of these topics; such as differences in religions, the relationship between Muslims and Christians, issues of religious extremism, violence, terrorism, and other propositions that used to be the preserve of news bulletins.

“Faten Amal Harbi” is a work that sparked a lot of debates not only in Egypt but also in many other Muslim countries, not only because it succeeded in reviewing a law that is derived from Sharia, but also because it succeeded to trigger the Muslim awareness to reconsider the divine laws which are set in the Qur’anic text and the human laws which are based on al-‚ijma’, al-ijtihad, al-iastihsan, or al-qiyas and to differentiate between what is variable and what is invariable. And how many Davids, who apply the rules and not justice, still exist in our courts?

Nadia Saad ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Paderborner Institut für Islamische Theologie.

#Drama #Islam #Justice

Wenn Kinder Theologie betreiben

Meine Kinder haben sich neulich gestritten. Das an sich ist kein Novum. Aber das Thema ihres Streitgesprächs fand ich diesmal hochinteressant. Es enthielt viele Reminiszenzen theologischer Debatten der Frühphase islamischer Theologie. Zum Kontext: An dem Tag war die Mama gesundheitlich angeschlagen und lag flach im Bett. Meine Tochter (7,5 Jahre), Erstklässlerin, besucht den Moscheeunterricht in unserer Gemeinde, und der Hodscha, der zugleich auch deren Opa ist, erklärt ihr so manchmal „die Welt“. Der Sohn ist sechs und geht in den Kindergarten. Ich skizziere kurz deren Streitgespräch, das ich am liebsten aufgenommen hätte:

Sie: „Weißt du, Mama ist krank, weil Gott es so will. Dedo (Opa) hat gesagt, dass alles was passiert, dass es so Gott will.“

Er: „Nein!“

Sie: „Doch! Dedo hat das so in der Moschee gesagt. Gott will alles und er weiß alles.“

Er: „Nein! Gott will nicht, dass Mama krank ist!“

Sie: „Aber Dedo hat das so gesaaaagt!“

Das wiederholte Autoritätsargument brachte den Kleinen zum Weinen. Ihm fehlten die Argumente, die Liebe und Barmherzigkeit Gottes bekräftigen, und in seinem lauten Aufschrei erklang der Protest gegen die Vorstellung eines Gottes, der auch das Üble in der Welt will und erschafft. Zu dem Zeitpunkt war ja die Tatsache, dass Mama krank ist, das größte Übel seiner kleinen Welt. Meine Tochter fing dann auch gleich an zu weinen: entweder weil er ihr nicht glaubt oder weil sie selbst diese Erklärung der ewigen Frage „unde malum?“ nicht mag.

Ich musste mich dann in das Gespräch einmischen, als es nicht mehr um die geäußerten Argumente ging, sondern nur darum, wer lauter schreien und besser weinen kann, um somit das Streitgespräch zu gewinnen. (Ich frage mich jetzt aber, ob es auch nicht so ähnlich – mit vielleicht etwas sophistizierteren Methoden – in den theologischen Debatten der Frühzeit gewesen ist?!)

Das Theodizeeproblem musste ich also derart aufklären, dass beide Seiten zufrieden sind. Einerseits muss weiterhin gelten, was der Hodscha in der Moschee erzählt, denn eine der sechs Glaubenssäulen im Islam ist ja der Glaube an qadar, dass nämlich „alles was passiert, mit dem Willen Gottes passiert.“ Außerdem hat das doch der Hodscha gesagt, und „er weiß ja alles über Gott und Islam.“ Andererseits müsste ich die Vorstellung eines liebenden, barmherzigen Gottes, der ja nur das Beste für alle Menschen will – so auch für die momentan kranke Mama – untermauern.

Ich bin auf eine klassische versöhnende Erklärung ausgewichen, während sie beide ihre Tränen weggewischt haben: „Es stimmt, dass Gott alles will. Er will aber Mama durch die temporäre Krankheit nichts Böses antun, sondern nur prüfen, ob Mama mit Allem, was so von Gott kommt, zufrieden und dankbar ist, oder ob sie bei jeder Kleinigkeit jammert. Also, ihr beide habt recht: Gott liebt uns alle, und will nicht, dass es uns schlecht geht. Und für alles was uns an Bösem trifft, solange wir zufrieden, geduldig und dankbar sind, werden wir von Gott belohnt.“ Meine Tochter schien mit dem Schiedsspruch zufrieden zu sein, da ihre Weltvorstellung noch standhielt: der Hodscha/Opa hatte doch recht und sie hat es gut im Moscheeunterricht verstanden und dem Bruder übermittelt. Meinem Sohn schien noch ein abschließendes Argument für die „Verteidigung“ seiner Position zu fehlen. Nicht etwa ein Koranvers, denn er kennt diese noch nicht. Als Argument fiel mir dann ein Kinderlied aus seinem evangelischen Kindergarten ein. Ich fragte: „Singt ihr denn auch etwa nicht beim Essen im Kindergarten: 

Alle guten Gaben, 

alles, was wir haben, 

kommt, o Gott, von Dir, 

wir danken Dir dafür.

Jedes Tierlein hat sein Essen, 

jedes Blümlein trinkt von Dir. 

Hast auch Du uns nicht vergessen 

Lieber Gott, wir danken Dir.

Damit hat er sich begnügt und beendete das ihm sehr bekannte Lied: „Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben – Guten Appetit ihr Lieben!“. Und dieser Ohrwurm, der sich mir – gesungen von 20 Kleinkindern vor dem Essen in einer sehr stressigen Eingewöhnungsphase im Kindergarten – tief ins Gedächtnis eingeprägt hat, hat sich endlich auch gelohnt!

Ahmed Husic ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Paderborner Institut für Islamische Theologie.

#kinder #theologie #Gott #Wille

Dust to Dust

Some stories about our lives we live to tell. But many we do not, for these may only be told after we are no longer alive to tell them.   

Walking through a cemetery provides ample opportunity to reflect on how the dead speak, or are spoken for, by the graves that contain them. For some, nothing less than a mini mausoleum will do. What shape this takes will depend on one’s faith, tastes and graveyard by-laws (death might liberate us from suffering and mortality but the coils of administrative rules endure into the great abyss!). I must admit I usually walk quickly past these graves. The elaborate carvings of angels, the miniature domes and elaborate calligraphic laments appear to me to be an unceasing howl from the big beyond. Do the dead get bored seeing the same engraving over themselves until they are resurrected out of their graves? I am always drawn to the graves that narrate in silence the lives extinguished beneath them. Muslims will often leave instructions that their graves are to be a mound of earth and dust with nothing solid to record their existence. What I hear when I see these graves are the words of the Qurʾān: “All that is upon it perishes: and there remains only the face of your Lord of majesty and honor” (Q. Al-Raḥmān 55:27). 

On a recent walk through a Muslim cemetery, I was struck by the irony and profundity of a marbled tombstone etched with words from the Sufī poet Bābā Farīd, reflecting on our most enduring memorial:

“Behold Farīd, blowing dust

Dust piling upon more dust.

Laughing dust, weepy dust

Dust ending into dust.

Say not, servant, “me” and “mine”

For it is not yours, nor mine.

Our world is a four day bustle

Then a pile of dust.“

Abdul Rahman Mustafa ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Paderborner Institut für Islamische Theologie an der Universität Paderborn.

#dust #graves #cemetry