Lust und Frust liegen im Wissenschaftstransfer oft dicht beieinander. Die Lust entsteht dort, wo wissenschaftliche Erkenntnisse nicht im Elfenbeinturm verbleiben, sondern ihren Weg in die Gesellschaft, die Politik oder konkrete Praxisfelder finden und damit auf Resonanz stoßen. Diese Momente vermitteln Sinn und das Gefühl, mit der eigenen Expertise – oder der Expertise einer Forschungscommunity oder eines Teams – einen kleinen Beitrag zur Begegnung gesellschaftlicher Herausforderungen zu leisten. Wissenschaftstransfer kann inspirierend sein, weil er Dialog ermöglicht, neue Perspektiven eröffnet und die eigene Forschung durch Rückmeldungen aus der Praxis herausfordert und bereichert. Gerade in diesen bewegten Zeiten ist zum Beispiel der Wissenschaftstransfer zu Komparativer Theologie und ihre Aufbereitung für Handlungsfelder wie KiTAs, Schulen, Universitäten und andere Trägerschaften der Erwachsenenbildung nicht in ihrem Wert zu unterschätzen, um gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern und Unterschiede als Lernchancen zu betrachten – zumindest dort, wo ihre Potenziale auf fruchtbaren Boden und Nachfrage stoßen. Umso besser, wenn ein solches Projekt landespolitische Unterstützung findet und gefördert wird.
Demgegenüber steht jedoch häufig Frust. Transferarbeit ist zeitintensiv, steht oft unter Zeitdruck und wird im wissenschaftlichen Alltag noch immer unzureichend honoriert. Publikationen und Drittmittel zählen mehr als verständliche Kommunikation oder langfristige Kooperationen mit Praxispartner*innen. Diese Anforderungen führen in befristeten wissenschaftlichen Qualifikationsphasen umso mehr zu einem Spagat. Hinzu kommen strukturelle Hürden: unterschiedliche Erwartungshaltungen, bürokratische Herausforderungen, Sprachbarrieren zwischen Wissenschaft, verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen und Praxis sowie politische oder wirtschaftliche Interessen, die Projekte und Diskursschwerpunkte überlagern können. Nicht selten erleben Forschende auch, dass ihre differenzierten Ergebnisse verkürzt dargestellt, missverstanden oder instrumentalisiert werden. Insofern ist hier der Wert des universitätsinternen Wissenschaftsmanagements, einer gelungenen Presse- und Kommunikationsarbeit sowie ausbalancierter Social-Media-Strategien für die Öffentlichkeitsarbeit nicht zu unterschätzen, um erfolgreich Impulse zu setzen.
Zwischen Lust und Frust bewegt sich der Wissenschaftstransfer somit in einem Spannungsfeld. Gerade diese Ambivalenz macht ihn jedoch zu einem zentralen Lernraum: Er zwingt dazu, Forschung neu zu reflektieren, Verantwortung zu übernehmen und Kommunikation als integralen Bestandteil wissenschaftlicher Arbeit zu begreifen. Er motiviert dazu, ständig neue Formate des Gesprächs, des Austauschs und des Dialogs zu entwickeln. Und er regt dazu an, die eigene Forschung immer wieder neu an gesellschaftlichen Desideraten und Herausforderungen zu verorten und zu messen.
Langfristig kann Wissenschaftstransfer nur dann gelingen, wenn Lust nicht durch strukturellen Frust erstickt wird, sondern beides produktiv miteinander in Beziehung gesetzt wird. Wünschenswert sind dafür nicht nur eine hochschulpolitische Unterstützung, die die Transferarbeit sichtbar macht und wertschätzt, sondern auch Austauschforen, um kritisch-konstruktiv neue Wege in der Wissenschaftstransferarbeit zu gestalten und dieser auch in der akademischen Lebenswelt Raum zu schaffen.
Für beides sind bereits Initiativen an der Universität Paderborn zu finden – und dennoch bleibt das Spannungsfeld des Wissenschaftstransfers eine Aufgabe für die Zukunft in der Hochschullandschaft, wenn es im Rahmen der akademischen Welt von engagierten Wissenschaftler*innen forciert und als lohnend erachtet werden soll.
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Sarah Lebock ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Geschäftsführung des Zentrums für Komparative Theologie und Kulturwissenschaften.








