Verhindert der Föderalismus ein Vorankommen der Inklusion? 

Die Inklusion ist seit nunmehr 14 Jahren das politisch gewollte Konzept zur gemeinsamen Beschulung von Kindern und Jugendlichen. In der Theorie sollte sich in den letzten Jahren viel bewegen, allerdings sieht dies in der Praxis oft anders aus. Bei der Inklusion gebe es nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Menschenrechte (DIMR) „keine substanziellen Fortschritte – trotz weitreichender nationaler und internationaler Kritik“ (Menschenrechtsinstitut: Inklusion an Schulen wegen Föderalismus mangelhaft – Bund soll übernehmen – DER SPIEGEL).

In den meisten Bundesländern fehlt der politische Wille für eine schnelle und befriedigende Umsetzung der Inklusion, so kritisiert das DIMR und fordert nun den Bund auf stärker durchzugreifen.

Jan Conrad Sosna (Von Studierenden für Studierende) „Verhindert der Föderalismus ein Vorankommen der Inklusion? “ weiterlesen

Immer mehr Schüler:innen in NRW haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf

Das Land NRW ist auf einem guten Weg hin zu einem inklusiven Schulsystem. Mittlerweile liegt der Anteil an Schüler:innen, die mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf eine allgemeine Schule besuchen bei 44,7%. Damit ist die Inklusionsquote im Vergleich zum Schuljahr 2020/2021 um 1% angestiegen. Doch ebenso steigt der Anteil an Schüler:innen, die einen sonderpädagogischen Förderbedarf diagnostiziert bekommen. Im Schuljahr 2020/2021 lag der Anteil bei 7,7%. Aktuell steigt der Anteil erneut um 2,4%. Somit ist jede:r 13. Schüler:in in NRW mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf diagnostiziert.

Es steigt aber nicht nur die Inklusionsquote, sondern auch die Zahl der Schüler:innen an Förderschulen.

Johanna Hesse (Von Studierenden für Studierende) „Immer mehr Schüler:innen in NRW haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf“ weiterlesen

Kinder mit besonderem Förderbedarf: Inklusion oder separate Klassen – welche Vorteile gibt es?

Im Jahr 2008 trat der Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention in Kraft. In diesem heißt es, dass Menschen mit Behinderung aufgrund ihrer Einschränkung nicht vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden dürfen. Durch den Artikel hat sich in Bezug auf die Inklusion von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf schon viel im Bereich der Schulbildung getan. Trotzdem wird sich noch immer wieder die Frage gestellt, ob Kinder mit Behinderungen in einer inklusiven oder einer Förderschule besser lernen können.

Da es viele Argumente für und gegen den Besuch einer Förderschule gibt und auch die Wissenschaft noch keine eindeutige Antwort auf die Fragestellung gefunden hat, hat sich eine Gruppe von Forscher:innen rund um Erstautorin Nina T. Dalgaard genauer mit der Frage beschäftigt und dabei 15 Studien aus neun verschiedenen Ländern verglichen (vgl. https://www.mdr.de/wissen/inklusion-oder-spezielle-klassen-fuer-kinder-mit-sonderpaedagogischen-foerderbedarf-100.html).

Die Studie beschäftigt sich damit, wie sich Inklusion auf die schulische Leistung, die sozio-emotionale Entwicklung und das Wohlbefinden von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf in inklusiven Schulen im Vergleich zu Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf an Förderschulen auswirkt. Dabei hatte die Studie Daten vorliegen, die Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen, wie Lernstörungen/intellektuelle Behinderungen, Autismus-Spektrum-Störungen, ADHS, körperliche Behinderungen, Sehbehinderungen oder auch Down-Syndrom berücksichtigen (vgl. https://www.mdr.de/wissen/inklusion-oder-spezielle-klassen-fuer-kinder-mit-sonderpaedagogischen-foerderbedarf-100.html).

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass es in Bezug auf die schulischen Leistungen und die allgemeine psychosoziale Anpassung der Kinder positive aber auch negative Auswirkungen gibt. Dies bedeutet, dass es immer noch keine eindeutige Aussage gibt, ob Inklusion mit positiven oder negativen Auswirkungen auf die Leistung und Entwicklung der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf verbunden ist. Bei jedem Kind sollte individuell geschaut werden, welche Bildungsform für ihn/sie zielführender ist (vgl. https://www.mdr.de/wissen/inklusion-oder-spezielle-klassen-fuer-kinder-mit-sonderpaedagogischen-foerderbedarf-100.html).

Hier findet Ihr die Studie: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/cl2.1291

Mona Theiner (Von Studierenden für Studierende)

Fortbestand der Förderschulen? – Allgemeiner Behindertenverband (ABiD) regt Debatte an 

Ob eine exkludierende Bildung im 21. Jahrhundert noch Platz hat, muss offen diskutiert werden!“

Inwieweit das deutsche Förderschulwesen dem Verständnis von Handicap und Inklusion des 21. Jahrhunderts noch gerecht wird, fragt sich der Allgemeine Behindertenverband in Deutschland, ABiD (https://www.abid-ev.de/). Eltern von körperlich, seelisch und geistig beeinträchtigten Kindern hätten ein wachsendes Bedürfnis nach gemeinsamer Beschulung ihrer Sprösslinge mit Gleichaltrigen ohne Behinderung. ABiD-Sozialberater Dennis Riehle betont die Notwendigkeit einer offenen Diskussion darüber, ob eine exkludierende Bildung noch zeitgemäß sei. Es müsse ergebnisoffen erörtert werden, auf welchem Weg der beste Lernerfolg und die erfolgversprechendste Persönlichkeitsentwicklung von Kindern mit Behinderung gelingen könne. Dass eine Inklusion von Schüler:innen mit Beeinträchtigung zu teuer und zu aufwändig wäre und im Zweifel das Lernniveau der nicht-behinderten Kinder zwangsläufig sinken würde, sei mit dem Stand von Wissenschaft und Forschung über die Auswirkungen von Integration nicht mehr vertretbar und diskriminierend. Genaueres über die Ermutigung zur Debatte dieses viel diskutierten Themas ist nachzulesen unter https://www.guetsel.de/content/53048/2022-11-10-05-39-39-allgemeiner-behindertenverband-ermutigt-zur-debatte-ueber-fortbestand-der-foerderschulen.html und https://kobinet-nachrichten.org/2022/10/30/abid-regt-debatte-ueber-den-fortbestand-der-foerderschulen-an/.

Julia Rotthoff (Von Studierenden für Studierende)

Wie Deutschland Menschen mit Behinderung die Arbeit verwehrt – Inklusion im ersten Arbeitsmarkt

In Deutschland gibt es eine sogenannte Beschäftigungspflicht, die besagt, dass ein Unternehmen mit mehr als 20 zu vergebenden Arbeitsplätzen fünf Prozent der Arbeitsplätze an schwerbehinderte Menschen vergeben muss. Dies kann jedoch durch eine Ausgleichszahlung außer Kraft gesetzt werden. Laut Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, nehmen mehr als ein Viertel der Unternehmen dabei die Ausgleichszahlung lieber in Kauf, als einen Menschen mit schwerer Behinderung einzustellen (vgl. https://www.deutschlandfunkkultur.de/inklusion-und-arbeitsmarkt-deutschland-behindert-sich-selbst-100.html).

Anna-Lena Buhse (Von Studierenden für Studierende) „Wie Deutschland Menschen mit Behinderung die Arbeit verwehrt – Inklusion im ersten Arbeitsmarkt“ weiterlesen

Alle Menschen haben ein Recht auf Arbeit – oder doch nicht? Wie Menschen aufgrund ihrer Behinderung systematisch vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden und wie man dagegen ein Zeichen setzen kann 

Am 03.12.2022 war es wieder soweit und der „Internationale Tag der Behinderungen“ fand statt. Ein Tag, der die Aufmerksamkeit auf die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen richten sowie dem Ergreifen von Maßnahmen und Förderungen dienen soll. Überall im Leben begegnet man Menschen mit Behinderungen, sei es im Alltag, auf der Straße, an Schulen oder in öffentlichen Einrichtungen. Es gibt jedoch Plätze, die für einige dieser Menschen kaum erreichbar sind, wie ein fester Arbeitsplatz außerhalb einer Behinderteneinrichtung. Obwohl jeder Mensch, ohne Ausnahme, in Deutschland das Recht hat arbeiten zu gehen, werden Menschen mit Behinderung oftmals vergessen. Woran das liegt und wie es auch anders gehen kann, zeigt uns ein Beispiel aus Bielefeld.

Hannah-Maria Langer (Von Studierenden für Studierende) „Alle Menschen haben ein Recht auf Arbeit – oder doch nicht? Wie Menschen aufgrund ihrer Behinderung systematisch vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen werden und wie man dagegen ein Zeichen setzen kann “ weiterlesen

„Niemand möchte doch seine Muttersprache vergessen“ – wie der Einbezug der Erstsprachen von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte das Lernen aller Schüler:innen verbessern kann

Mit der immer stärker zunehmenden Anzahl an Schüler:innen mit Deutsch als Zweitsprache (DaZ) stellt sich die Frage, wie dieses Thema in den Unterricht integriert werden kann und wie die Lehrer:innen am besten damit umgehen sollten. Diesbezüglich gibt es verschiedene Meinungen, einerseits werden die Erstsprachen der betroffenen Schüler:innen nicht berücksichtigt, andererseits gibt es eine Vielzahl an Ideen, diese in den Unterricht mit einfließen zu lassen. Durch die Aufnahme verschiedener Sprachen ist es den Lehrkräften möglich, die Sprachenbewusstheit ihrer Schüler:innen zu fördern, in dem beispielsweise Sprachvergleiche durchgeführt werden. Es gibt diesbezüglich keinen Erfolgsunterschied zwischen DaZ-Kindern und Kindern mit Deutsch als Muttersprache. Alle Kinder profitieren von der Berücksichtigung mehrerer Sprachen im Unterricht und können voneinander lernen.

Lenia Tamara Krenz (Von Studierenden für Studierende) „„Niemand möchte doch seine Muttersprache vergessen“ – wie der Einbezug der Erstsprachen von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte das Lernen aller Schüler:innen verbessern kann“ weiterlesen

Vom Systemsprenger zum Sozialarbeiter

Jugendliche mit dem Förderschwerpunkt Lernen finden nur schwer den Weg ins Berufsleben. Eine gemeinsame Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Bildungsforschung und des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung belegt, dass 23% der ehemaligen Förderschüler:innen sechs Jahre nach dem Abschluss der 9. Klasse keinen Ausbildungsplatz gefunden haben. Diese Zahl mag einige Lehrkräfte frustrieren, aber zu betonen ist, dass der (Förder-)Schulbesuch nicht schuldtragend ist, sondern die fehlende Integration im Ausbildungssystem (vgl. https://www.news4teachers.de/2021/10/abgaenger-von-foerderschulen-finden-schwer-in-ausbildung-und-arbeitsmarkt/ ). Allerdings gibt es auch einige positive Beispiele, wie Bilal Eter, die Lehrkräften Hoffnung geben.

Sophia Wolff (Von Studierenden für Studierende) „Vom Systemsprenger zum Sozialarbeiter“ weiterlesen

Inklusion und Föderalismus: Zusammenhang oder Widerspruch? Wie auf Bildungsebene der Eingliederungsprozess ins Stocken geriet

Seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2009 ist in Deutschland Inklusion als Ziel ausgegeben. Ein Umdenken in der Auffassung und Handhabung von personenbezogenen Differenzmerkmalen war die Folge. Zuvor noch als Trigger für Ausschlussprozesse angesehen, sollten sie fortan als Gelegenheiten wahrgenommen werden, denen mit Unterstützungsbedarf die nötigen Hilfen bereitzustellen, die sie für ein selbstbestimmtes Leben, frei von jeglichen Restriktionen, benötigen. Teil dieser sich verändernden Gesellschaft war und ist die Institution Schule, welche als Ort der Sozialisation Normen und Werte vermittelt und somit eine Grundlage schafft für jene neue Normalität, die geprägt sein soll durch kollektives Leben und Lernen. Und so kommt es, dass der Bildungssektor mit der Ausbildung junger Menschen einen wesentlichen Beitrag zu leisten hatte bei der Erfüllung dieser ganzheitlichen Aufgabe. Die Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 2010 sah dementsprechend vor, im Sinne eines inklusionsdidaktisch angedachten Unterrichts „gemeinsame[s] zielgleiche[s] oder zieldifferente[s] Lernen von Schülerinnen und Schülern mit und ohne Behinderungen in […] allgemeinen Schule[n]“ (KMK 2010, S. 3, https://www.kmk.org/fileadmin/Dateien/veroeffentlichungen_beschluesse/2010/2010_11_18-Behindertenrechtkonvention.pdf) zu praktizieren.

Raphael Schuler (Von Studierenden für Studierende) „Inklusion und Föderalismus: Zusammenhang oder Widerspruch? Wie auf Bildungsebene der Eingliederungsprozess ins Stocken geriet“ weiterlesen

Inflation und das Recht auf Bildung!

Eltern und Erziehungsberechtigte befinden sich aktuell in einer schwierigen Zeit. Die Lebensunterhaltungskosten und die Heizpreise steigen. Familien mit geringen Einkommen müssen immer mehr auf das Geld achten und drehen jeden Euro dreimal um. Und nun müssen noch Schulmaterialien bezahlt werden. Diese sind im Preis deutlich teurer geworden. Zum Beispiel wurden die Preise von Schulheften und Zeichenblöcken durch die aktuelle Papierknappheit um 14% gehoben. Der Preis für Schulmaterialien stieg damit deutlich stärker an als zum Beispiel die Lebenserhaltungskosten mit einem Preisanstieg von ca. 8% (vgl. https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/entlastungen-eltern-inflation-schule-1.5640183).

Maike Nießing (Von Studierenden für Studierende) „Inflation und das Recht auf Bildung!“ weiterlesen