Wer kennt sie nicht, die traditionellen Neujahrsvorsätze, die sich oft um Gesundheit (mehr Sport, gesunde Ernährung, weniger Alkohol/Rauchen), Finanzen (sparen), soziale Beziehungen (mehr Zeit für Familie/Freunde), Selbstoptimierung (neue Hobbys) und Stressreduktion drehen? Im neuen Jahr, so lautet bei vielen Menschen die Devise, soll alles besser werden. Umso deprimierender erscheinen da die vielen negativen Schlagzeilen, die bereits zu Beginn dieses noch jungen Jahres die Nachrichten dominiert haben – seien es tragische Unfälle mit illegaler Pyrotechnik, die zwei 18-Jährige in Bielefeld aus dem Leben rissen, der Brand in einer Schweizer Bar mit Dutzenden Todesopfern, der undurchsichtige Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin oder der völkerrechtlich umstrittene Angriff der USA auf Venezuela. Was gibt angesichts dessen Zuversicht, dass dieses Jahr wirklich besser wird?
Ein christliches Hoffnungsangebot kann die Jahreslosung sein, die die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen (ÖAB) als Leitvers für das Jahr 2026 ausgewählt hat. Sie stammt aus der Offenbarung des Johannes und lautet: „Gott spricht: Siehe, ich mach alles neu!“ (Offb 21,5). Nun ist „neu“ nicht unbedingt automatisch besser. Ohne damit in einem Konservativismus und rechten Populismus zu verfallen und alle Veränderungen der Moderne verächtlich zu machen, kann es einzelne Bereiche in unserem Alltag geben, in denen man gegenüber etwas Neuem erst einmal skeptisch sein kann. Im Kleinen zeigen das etwa die 2017 neu eingeführte Rezeptur einer beliebten Nuss-Nougat-Creme oder die vielen neuen minimalistischen Logos, die sich Unternehmen oder Institutionen teilweise für teures Geld und dem hohen Preis eines damit einhergehenden Identitätsverlusts gegeben haben. Das kann aber auch bei Wechseln von Regierungen der Fall sein, wenn politische Systeme sich verändern und sogar, wie jüngst in New York, wenn ein demokratischer Bürgermeister neu ins Amt kommt: Stellt das grundsätzlich eine positive Nachricht dar, sorgt es jedoch zugleich für Unbehagen, wenn er als eine der ersten Amtshandlungen in einer Stadt, die die Heimat der größten jüdischen Gemeinschaft außerhalb Israels ist, die Antisemitismusdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) und das Boykottverbot gegen Israel widerruft.
Das „neu“ in der Jahreslosung hingegen verheißt gerade in unsicheren Zeiten wie diesen in einem guten Sinne Veränderungen. Im direkten Vers vor der Jahreslosung heißt es: „Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein“ (Offb 21,4). Gleichzeitig beginnt dieses Neue schon im Hier und Jetzt. Wir alle sind dazu eingeladen, gar aufgerufen, selbst daran mitzuwirken, dass sich die Welt zum Positiven wandelt und das Gute gewinnt. Das Gute in dieser Welt, wie etwa Mitmenschlichkeit, Hilfsbereitschaft und Liebe, ist nicht verschwunden.
Mit den Worten der Jahreslosung gilt es daher, „dem guten Ende eine Chance geben“, wie die die EKD-Ratsvorsitzende Kirsten Fehrs in ihrer Neujahrsbotschaft betont. Den Christ*innen vor knapp 2000 Jahren, die bedroht und grausam verfolgt wurden und jeden Tag mit dem Ende gerechnet hätten, habe es Hoffnung gegeben, dass sie zurück an den Anfang der Bibel blätterten und sich erinnerten, dass Gott die Welt als einen friedlichen Ort mit liebesfähigen und klugen Menschen geschaffen habe, erklärt Kirsten Fehrs weiter: „Eine Schöpfung, voller Schalom. Und siehe, das war sehr gut, sagte Gott. Im letzten Buch der Bibel nun wiederholt er diese Verheißung, ungebrochen: Weil es diesen guten Anfang gibt, wird es ein gutes Ende geben. Eine neue Schöpfung voll der guten Hoffnung. Trotz all der Angst und Gewalt sollen wir uns zu Herzen nehmen, dass unser Leben eingebettet ist zwischen diesem guten Anfang und einem guten Ende.“ Wenn also Gott spricht: „Siehe, ich mache alles neu!“, dann können wir darauf vertrauen: Er wird es nicht nur neu, sondern auch gut machen.
Dr. Stephanie Lerke ist Studienrätin im Hochschuldienst an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Dr. Jan Christian Pinsch ist Lehrkraft für besondere Aufgaben an der Universität Bielefeld, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Evangelische Theologie der Universität Paderborn und Lehrbeauftragter am Institut für Evangelische Theologie und Religionspädagogik der Julius-Maximilians-Universität Würzburg.










