Schir Haschirim – Canticum canticorum – Hoheslied der Liebe

Dieses biblische Buch gibt Rätsel auf und verzückt zugleich.

8 Kapitel lang bietet es zig Liebeslieder, romantisch, leidenschaftlich, gewaltig, spöttisch, verliebt, frivol – alles dabei.

Und immer wieder taucht wie ein Refrain die Mahnung auf: Stört die Liebe nicht!

Doch warum steht eine solche von Liebesliedern, in denen JHWH nicht erwähnt wird, überhaupt in der Bibel?

Weil diejenigen, die dafür gesorgt haben, dass das Hohelied in den Bibelkanon kam, Gott in diesem Buch am Werk gesehen haben.

Im Judentum ist das Hohelied die Schriftrolle für das Passah-Fest,

also das Fest, das den Auszug aus Ägypten, aus der Knechtschaft erinnert.

Das Hohelied-Buch wird im Judentum verstanden als Beschreibung der Liebesgeschichte Gottes mit seinem Volk –

mit all den Höhen und Tiefen, mit all der Leidenschaft und Sehnsucht und all den Verletzungen auf beiden Seiten.

Im Christentum hat das Hohelied im Mittelalter eine große Rolle gespielt.

Es gibt Tausende von überlieferten Predigten über dieses Buch.

Hier wurde diese Liebesliedersammlung als Buch der Liebe des Bräutigams Christi zu seiner Braut, der Kirche, gelesen.

Die Exegese der letzten 200 Jahre hat deutlich gemacht:

Diese Liebeslieder sind Liebeslieder von Menschen.

Hier kommen Sexualität, Erotik, Liebe zur Sprache,

und sie werden wertgeschätzt und nicht etwa verteufelt.

Das ist eine gute, wichtige und notwendige Korrektur gegenüber einer Kirche, die viel von Liebe gesprochen hat,

aber in ihrer Sexualmoral und Sexualpraxis immer sehr rigide und menschen- und insbesondere frauenfeindlich agiert hat.

Und die Aufarbeitung der sexuellen Übergriffe in unserer Kirche zeigen:

Das Thema sind wir noch lange nicht los!

Aber sind diejenigen, die dieses Buch mehr als 2000 Jahre lang anders ausgelegt haben, deshalb im Unrecht?

Klar ist: Wer von Gottes Liebe redet und dabei menschliche Liebe in ihrer Vielfalt und Erotik schlecht macht, der verrät Gottes Liebe.

Wer aber von Gottes Liebe redet und dabei die Vielfalt und Erotik menschlicher Liebe für eine sehr gute Schöpfungsgabe hält, von der gilt: Stört die Liebe nicht! der bzw. die hat das Hohelied auf seiner Seite.

Und so kommt es, dass sich Gott in diesem Buch kurz vor Ende doch noch versteckt zeigt – mit einem Augenzwinkern gewissermaßen.

Gott steckt in einer kleinen Silbe, die man entweder als Verstärkung des vorangehenden Wortes lesen kann – oder aber als Gottesname:

Und diese Silbe heißt: JA!

Sie ist die Kurzform des hebräischen Gottesnamen, der Kosename Gottes quasi –

was wiederum gut zur Gattung Liebeslied passt!

Wir kennen diese Silbe, wenn wir Gott loben:

Lobt Gott: Hallelu-Jah! Hallelu: Lasst uns loben – Jah: Gott – Halleluja

Und dieses Jah begegnet auch kurz vorm Ende des Hohelied,

wo alles noch einmal zusammengefasst wird:

Stark wie der Tod ist die Liebe: Hld 8,6-7:

6 Leg mich
wie ein Siegel
an dein Herz
wie ein Siegel
an deinen Arm.
Denn stark wie der Tod
ist die Liebe.
Hart wie das Grab
ist meine Leidenschaft.
Ihre Flammen
Feuerflammen
Flammen Jahs
7 Wassermassen
können die Liebe nicht löschen
und Fluten
sie nicht überschwemmen.
Würde ein Mann
allen Reichtum seines Hauses
hergeben
für solche Liebe
verachten, ja verachten
würde man ihn.

Der Kirchentag 2027 in Düsseldorf mit der Losung „Du bist kostbar“ hat diese beiden Verse für eine Bibelarbeit ausgewählt.

Der „Liebesmonat“ Februar 2026 mit Mariä Lichtmess (2.2.), Karneval (12.-17.2.), Valentinstag (14.2.) und Ramadan (17.2.-20.3.) erinnert uns daran:

Du bist kostbar. Vertraue der Liebe, die dem Tod und aller Todesverachtung widersteht!

Visit Düsseldorf – Foto: Eugen Shkolnikov