Und kein Blatt fällt ohne SEINE Erlaubnis!

Bei einem Herbstspaziergang im Wald fielen die bunten Blätter von den Bäumen. In diesen Momenten fällt mir immer der Vers aus dem Koran ein: „Und kein Blatt fällt herab, ohne daß Er es weiß.“(Sure 6:59). Dieser Vers thematisiert das Wissen und die Allmacht Allahs, zur Beschreibung seiner uneingeschränkten Herrschaft über die Schöpfung bzw. als Ausdruck eines umfassenden Verständnisses von der immerwährenden Präsenz und stetigen Schöpfungsdynamik Allahs, des Ursprung allen Seins. Über die islamische Denkgeschichte hinweg ist aus dem Vers eine theologische Paraphrase entwickelt worden, die auch heute noch Popularität genießt: „Kein Blatt fällt ohne Gottes Erlaubnis.“, heißt es und verdeutlicht, dass das Wissen im koranischen Denken niemals passiv, sondern immer schöpferisch und tragend ist.

Doch jenseits einer rein dogmatischen Lesart eröffnet dieser Vers einen kontemplativen Raum. Er lädt dazu ein, Gottes Wirken nicht nur im Außergewöhnlichen, sondern im Alltäglichen, im scheinbar Nebensächlichen wahrzunehmen. Gerade in der Natur wird sichtbar, wie sich Gottes Wissen und Wille in Ordnung, Schönheit und Zweckmäßigkeit ausdrücken. Die Schöpfung erscheint als ein fein austariertes System von Harmonie und Balance. Der Koran versteht die Natur nicht neutral, sondern zeichenhaft. Jahreszeiten, Blätter, Bäume, Regen, Wachstum und Vergehen sind āyāt – Zeichen, also Hinweise auf Gott. Wer sie wahrnimmt, ist eingeladen zur tafakkur, zur tiefen nachdenklichen Betrachtung. Der Herbst, das Verfärben und Fallen der Blätter, wird so zu einer stillen Predigt über Vergänglichkeit (fanāʾ) und Gottvertrauen (tawakkul).

Der Mensch ist Teil der natürlichen Ordnung und lebt mit diesen Gesetzmäßigkeiten und nutzt sie für sich. Sie werden als selbstverständlich hingenommen. Alles entwickelt sich in seiner Ordnung, zuverlässig und zielgerichtet. Wie schön ist es doch, dass der Mensch darauf vertrauen kann, dass morgen die Sonne aufgeht, der Regen auf die Erde fällt oder die Schwerkraft wirkt. Wenn die Blätter auf den Waldboden fallen, werden sie zersetzt, aber im nächsten Frühling, da werden neue entstehen – das ist sicher! Im koranischen Verständnis werden diese Gesetzmäßigkeiten von Gott geschaffen und deshalb als „Sunnatullah“ bezeichnet. Ein System bzw. eine Ordnung in dem alles seinen Platz und seinen Sinn/seine Aufgabe hat. Im Vertrauen darauf kann der Mensch sein Leben führen und sein Handeln planen. Sie bilden die Basis unserer existenziellen Sicherheit. Der moderne Mensch weiß um viele Prozesse und Abläufe und die Natur scheint kein großes Mysterium mehr zu sein.

Ein Blatt entwickelt sich im Frühling aus der Knospe, sie entfaltet sich zu einem Blatt und betreibt den ganzen Sommer über Photosynthese. Es versorgt Menschen und andere Lebewesen mit dem Sauerstoff, den Baum, an dem es hängt mit Glykose. Es arbeitet still in einem komplexen ökologischen Gefüge, das Leben ermöglicht. Dieses scheinbar unscheinbare Blatt ist Teil eines Systems, das täglich zum Segen für die Menschheit wird. Seine Aufgabe ist klar, sein Platz eindeutig. Ein häufig den Cree zugeschriebenes, modern formuliertes indigene Weisheitswort bringt eine Einsicht prägnant zum Ausdruck:

„Erst wenn der letzte Baum gerodet,

der letzte Fluss vergiftet,

der letzte Fisch gefangen ist,

werdet ihr merken,

dass man Geld nicht essen kann.“

Doch scheint es dem Menschen eigen, dass er sich den Wert einer Sache erst dann bewusst wird, wenn er ihn verliert. Es ist oft nur der Verlust, der daran erinnert, was wirklich Wert hat.

In leuchtenden Farben verabschiedet sich jedes Blatt von dem Ast, an dem es hing. Alles Seiende ist vergänglich. Ob Galaxien, menschliches Leben oder das Blatt einer Eiche – alles hat seine Zeit. Doch im religiösen Horizont geschieht dieses Vergehen nicht bedeutungslos oder unbeachtet. Das Blatt fällt nicht achtlos, sondern steht in der Aufmerksamkeit seines Schöpfers. Gerade hier gewinnt der Gedanke der Allmacht eine neue Tiefe: als liebevolle Zuwendung, nicht als distanzierte Kontrolle. Allmacht zeigt sich nicht in Willkür, sondern in fürsorglicher Nähe. So zu lieben vermag nur Gott.

In allen Phasen des Seins können seine Geschöpfe sich seiner Nähe sicher sein. Weiter durch die raschelnden Blätterberge gehend, finde ich Trost in dem Gedanken. Doch mit dem Menschen ist wohl nicht so einfach, wie mit einem Blatt.

Er ist ein Wesen mit Freiheit. Er handelt nicht einfach gemäß einer vorgegebenen Bestimmung, sondern reflektiert sein eigenes Sein, trifft Entscheidungen, überschreitet Grenzen – zum Guten wie zum Zerstörerischen. Tragisch ist, dass er dabei oft vergisst, dass Freiheit untrennbar mit Verantwortung verbunden ist. Der Mensch neigt dazu, sich die Welt anzueignen, als gehöre sie ihm, und richtet mit Gedankenlosigkeit und Gier großen Schaden an.

Zugleich ist der Mensch das einzige Wesen, das um seine eigene Endlichkeit weiß. Dieses Wissen um den Tod prägt – oder sollte prägen – die Qualität seines Lebens. Doch viele leben, als beträfe das Sterben stets nur die anderen. Sie fliehen vor der Endlichkeit in Illusionen von Erfolg, Konsum, Sichtbarkeit und sozialer Anerkennung. Ein Leben nach außen, das häufig mehr Schein als Sein ist. Die existenziellen Fragen bleiben unbeantwortet: Wo bin ich selbst? Worin liegt meine Freiheit, wo meine Verantwortung? Was ist der Sinn meines Lebens – und meines Sterbens? Ohne eine Auseinandersetzung mit diesen Fragen bleibt auch der Umgang mit Gewalt, Unrecht und Tod defizitär. Es ist letztlich der Mensch selbst, der der Welt ihre Würde raubt – und es ist ebenso der Mensch, der berufen ist, ihr diese Würde zurückzugeben.

Buddha soll gesagt haben: „Von allen Fußspuren, ist die des Elefanten die größte. Von allen Achtsamkeits-Meditationen ist die über Vergänglichkeit die größte“. In säkularer Sprache ließe sich hinzufügen: Niemand kommt hier lebend raus. Gerade deshalb gilt es, die Zeit, die uns gegeben ist, im Einklang mit uns selbst und unserer Mitschöpfung zu verbringen. Was uns die fallenden Blätter im Herbst über uns erzählen kann?

Die Blätter erinnern uns an die Gegenwart Gottes. Sie fallen nicht, weil sie müssen, sondern – religiös gesprochen – weil sie dürfen. Ihre Aufgabe/ ihr Lebenssinn ist erfüllt. Eine tiefe theologische Wahrheit offenbart sich hier: Werden und Vergehen vollziehen sich im Wissen und in der Zuwendung des Schöpfers. Gottesbewusst (taqwā) zu leben heißt zeitlebens eine Beziehung zu seinem Schöpfer gestalten und seine Nähe zu suchen. Gottesbewusstsein ist der Kern islamischer Frömmigkeit. Sie kann den Gläubigen vielleicht nicht alle Angst vor dem Tod nehmen, aber in jedem Fall gibt sie ihnen Vertrauen in die Widrigkeiten dieses Lebens, aber auch über das Ende hinaus.

Auch der Satz „Und dein Wille geschehe“ lässt sich in diesem Licht lesen – nicht als Ausdruck eines autoritären Willens, sondern als Hingabe und Vertrauen an eine unendliche Barmherzigkeit. Wir sind in Gottes Hand geborgen. Als seine Geschöpfe leben wir in dem Raum, den er uns in Liebe eröffnet. Wenn Gott entscheidet, dann als Segen, in Fürsorge, aus einer Weisheit heraus, die menschliches Verstehen übersteigt.

Der Herbst verwandelt das einst so produktive Blatt in eine Erinnerung – und für die Achtsamen in eine Mahnung. Ein Leben im Gottesbewusstsein heißt, Verantwortung zu übernehmen: für sich selbst, für andere und für die Welt. Am Ende fallen wir alle wie Blätter. Die Erde nimmt uns auf, doch unser Wirken bleibt.

Was wollen wir hinterlassen?

Vielleicht beginnt es im Kleinen: in mehr Achtsamkeit, mehr Mitgefühl, mehr Demut und mehr Natur. Und in der Bereitschaft, die unscheinbaren Wunder dieser Welt wieder als das zu erkennen, was sie sind – Zeichen einer Liebe, die alles trägt.

Den kritischen Blick schulen: Differenzsensible Fallarbeit zum Religionsunterricht

Im schulischen Religionsunterricht (RU) stellt die religiös-weltanschauliche Heterogenität der Lerngruppen eine zunehmend größere Herausforderung für Lehrkräfte dar. Ihre Bearbeitung ist alles andere als trivial und führt unweigerlich zu Anfragen nach neuen didaktischen Konzepten sowie nach neuen Ausbildungs- und Fortbildungsformaten für Studierende und Lehrkräfte.

So begehen wir in der Paderborner Religionsdidaktik seit einigen Semestern den Weg, mit Praxissemesterstudierenden an konkreten Erfahrungen in Form von „Fallvignetten“ zu arbeiten. Mithilfe von kasuistischen Verfahrensweisen praxistheoretischer und praxisreflexiver Fallarbeit können ethnografische Beobachtungen von Studierenden aus dem RU rekonstruktiv erfasst, fachwissenschaftlich und fachdidaktisch untersucht und im Hinblick auf die eigene Professionalisierung ergründet werden. Ein besonderes Interesse der Studierenden und ein besonderes religionsdidaktisches Potenzial zeigt sich bei Fällen, in denen ein unterrichtliches (Problem-)Szenerio im Umgang mit religiöser bzw. weltanschaulicher Differenz geschildert wird. Hieran lassen sich sowohl didaktische Grundfragen im Hinblick auf konfessionelle Kooperation oder interreligiöses Lernen diskutieren, als auch kritische Diskurse, wie religiöse Differenzkonstruktion und Othering sowie Antisemitismus und Antimuslimischen Rassismus im Religionsunterricht, reflektieren. Als exemplarisches Beispiel soll im Folgenden eine Unterrichtssituation aus dem Kontext einer Berufsschule skizziert werden, die kürzlich in einer Sitzung des Begleitseminars unter Facetten gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Islamophobie thematisiert wurde:

Während einer Weihnachtsfeier in einem weltanschaulich gemischten Religionskurs kommt es zu verbalen Übergriffen eines Schülers gegenüber einem Mitschüler mit muslimischem Hintergrund. Es fallen Sätze wie „Was hat er als Moslem mit unserem Weihnachten zu tun?“, „Warum nimmt er überhaupt an unserem RU teil?“, „Er soll zu seinen anderen muslimischen Freunden gehen“ und „Du musst arbeiten und deine Frau steht mit Kopftuch zu Hause am Herd“. Die Formulierungen des Schülers weisen gruppenbezogene Ausgrenzungspraktiken auf, bei denen entlang religiöser Zugehörigkeiten eine Trennlinie gezogen wird, die schließlich in eine Gegenüberstellung eines christlich-kulturellen „Wir“ und eines als fremd konstruierten „Ihr“ mündet. Der Mitschüler wird als religiös und kulturell „Anderer“ (Othering) gekennzeichnet und wegen seiner muslimischen Abstammung sowohl von der Teilhabe am christlichen Brauch (Weihnachten) als auch am vermeintlich „christlichen“ RU ausgeschlossen. Insgesamt werden in den Aussagen islamfeindliche und antimuslimische Denkmuster sichtbar, die einer rassistischen Logik folgen: Ein bestimmtes Differenzmerkmal – hier die religiöse Zugehörigkeit – wird essentialisiert und zur Abwertung eines Menschen bzw. einer Menschengruppe genutzt. Besonders auffällig ist die spezifische islambezogene Feindbildkonstruktion des Schülers, welche den Mitschüler als einen patriachalen „Moslem“ mit kopftuchtragender (d.h. „unterdrückter“) Frau markiert.

Ebenfalls auffällig ist das Verhalten der Religionslehrkraft im Fallbeispiel, denn sie übergeht die Diskriminierungen mehrfach als „Ruhestörung“ des Unterrichts bis sie schließlich aus Schock über die Heftigkeit der letzten Aussage in ein Stillschweigen verfällt. Bedauerlicherweise endet die Unterrichtsstunde abrupt durch das Einsetzen der Schulklingel, sodass eine Reaktion der Lehrkraft ausbleibt. Auch im Nachgang der Konfliktsituation findet keine umfassende Klärung des islamfeindlichen Übergriffs statt. Alles in allem bleibt das rassistische Moment von der Religionslehrkraft unangesprochen und unaufgedeckt, sodass sie ungewollt zur Reproduktion diskriminierender Wirkmechanismen und Strukturen beigetragen hat. Gerade unter diesem Gesichtspunkt ist das Verhalten der Lehrkraft als problematisch einzuschätzen. Warum sie das hegemoniale Verhalten des Schülers mehrfach übergeht und nicht einschreitet, bleibt offen. Deutlich ist jedoch, dass sie sich in diesem Fall, sei es aus Unwissenheit oder Unsicherheit, nicht kritisch positioniert und damit ihre demokratiebildende Aufgabe als Religionslehrkraft vernachlässigt. Sicherlich ließe sich zur Unterrichtssituation, den beteiligten Personen und sozialen Dynamiken noch mehr sagen, doch belassen wir es zunächst bei dieser knappen Einordnung.

Der vorliegende Fall verdeutlicht, als ein Fallbeispiel unter vielen, die Wichtigkeit einer professionellen Auseinandersetzung mit religiös-weltanschaulicher Differenz(ziehung) im RU. Das Konzept von religionspädagogischer Fallarbeit bietet hierfür großes Potenzial und ein neues Format zur Bearbeitung dieser Herausforderung: Es ermöglicht, das Bewusstsein für heterogenitäts- und differenzsensible Ansätze und Theorien zu schärfen und im Rahmen einer gemeinsamen sozialen Praxis der Fallerörterung eine eigene reflexive Haltung (Habitus) zu entwickeln. Auch im Hinblick auf kritische Diskurse erweist sich die Zugangsweise „am Fall“ als vielversprechend, da (angehende) Lehrkräfte in wechselseitiger Erschließung von Theorie und Praxis lernen können, Praktiken der Differenzkonstruktion, Machtförmigkeit und hegemoniale Abwertung aufzudecken und zu durchbrechen.

Zum Weiterlesen:

Religionspädagogische Beiträge. (2024). Bd. 47, Nr. 2: Special Issue: „Othering in interreligiösen Lern- und Bildungsprozessen“. Bamberg: University of Bamberg Press. https://doi.org/10.20377/rpb-2024-47-2.

narrt – Netzwerk antisemitismus- und rassismuskritische Religionspädagogik und Theologie (www.narrt.de).  

Wie Dinge uns finden

Im Sommer 2006 habe ich als 17-jähriger Schüler ein paar Wochen bei einem Freund in Aleppo in Syrien verbracht. Eines Nachmittags besuchte ich eine Moschee im alten Stadtteil. Nach dem Gebet sprach mich der Imam an, fragte nach meinem Weg und drückte mir zum Abschied einen Koran in die Hand als Geschenk. Dieser Koran war anders als die Ausgaben, die ich kannte: der Einband war schwarz, die Seiten auf Hochglanzpapier. Seitdem habe ich immer diesen Koran zum Rezitieren benutzt. Das glänzende Papier spiegelte manchmal das Licht, wenn ich ihn unter der Lampe gelesen hatte, was mich beim Lesen leicht störte.

Dieser Koran blieb trotzdem mein ständiger Begleiter, vor allem im Ramadan. Und über die Jahre meldete sich bei mir immer wieder ein stiller, nie ausgesprochener Gedanke: Es wäre ideal, wenn ich dieselbe Ausgabe auf normalem Papier hätte, damit es nicht glänzt. Und wäre er noch einen Ticken größer… Das war kein Bittgebet, oder ein ausdrücklicher Wunsch, aber ein gedanklicher Seitenkommentar, der sich immer wieder meldete und dann in den Alltag verschwand. Es war nie so bedeutsam, dass ich deswegen nach einer anderen Ausgabe gesucht hätte.

Auch in Deutschland blieb der Aleppo-Koran Teil meiner Bibliothek und meiner Rituale. Die Jahre vergingen, weltpolitisch veränderte sich vieles, unter anderem kamen 2015 viele Geflüchtete aus Syrien nach Europa. Mein Sohn spielte inzwischen Fußball in einer Jugendmannschaft. Dort lernte ich einen Jungen kennen, dessen Familie aus Syrien geflohen war. Ich nahm ihn an vielen Wochenenden zu Spielen und Turnieren mit. Irgendwann erwähnte er, dass seine Familie aus derselben Stadt komme, in der ich damals den Koran erhalten hatte.

Einige Wochen später, bei einem Heimspiel, kam sein Vater auf mich zu. Wir unterhielten uns kurz. Mein Arabisch war längst eingerostet, sein Deutsch noch stark vom Arabischen gefärbt, doch wir verstanden einander erstaunlich gut. Er überreichte mir eine Plastiktüte und sagte, es sei ein kleines Geschenk als Dank dafür, dass ich seinen Sohn zu den Spielen mitnahm. Ich bedankte mich, stellte die Tüte ins Auto und öffnete sie erst zu Hause.

Darin lag ein Koran.

Nicht irgendeiner.

Eine syrische Ausgabe, derselbe Schriftsatz wie mein Aleppo-Exemplar.

Einen Ticken größer.

Auf normalem Papier, das nicht glänzte.

Ich saß da und wusste nicht, worüber ich mehr staunen sollte: dass ein Gedanke, den ich nie ausgesprochen hatte, zu mir zurückkam, oder dass er den halben Kontinent brauchte, um mich zu finden. Zwölf Jahre lang hatte ich aus meinem „alten“ Exemplar rezitiert und diesen kleinen nörgelnden Gedanken mitgetragen. Und doch fand dieses Buch seinen Weg zu mir: aus Aleppo, über die schwere Fluchtroute einer Familie, quer durch Europa. Es fand mich mitten in Deutschland, am Rand eines Fußballplatzes, zu dem ich schließlich auch selbst kommen musste. Und wie der erste war auch der zweite ein Geschenk.

Wie fein sind die Wege unseres Lebens miteinander verwoben? War das Fügung, Zufall, Zeichen oder Erfüllung eines unausgesprochenen Wunsches? Es gibt Momente im Leben, in denen man einen kurzen Blick auf die verborgenen Linien hinter dem Sichtbaren erkennt und spürt, dass die Welt mehr Zusammenhänge trägt, als wir im Alltag vermuten.