Literaturreviews

Da man nicht immer weiß, welche Literatur sinnvoll ist oder ob sich ein umfangreiches Buch mit den gesuchten Themen beschäftigt, erscheinen hier kurze Reviews, um einen ausgewählten Überblick über vorhandene Literatur zu geben. Sie stammen vorwiegend aus den Bereichen Kunstdidaktik, Inklusion und Medien im Kunstunterricht.

⇒ Aktuelle Lieblingsbücher

⇒ Bewährtes

Achermann, Bruno; Amirpur, Donja, Braunsteiner Maria-Luise; Demo, Heidrun; Plate, Elisabeth; Platte, Andrea (Hrsg.) (2017):
Index für Inklusion – Ein Leitfaden für Schulentwicklung

Jana Welzel

Die vorliegende Publikation ist eine deutschsprachige Adaption des „Index for inclusion“ von Tony Booth und Mel Ainscow (2016).
Der Index für Inklusion möchte Schulen auf ihren Weg zur Inklusion unterstützen. Es handelt sich um einen Leitfaden für Schulen, die sich nach inklusiven Werten ausrichten möchten. Der Index beginnt daher zunächst mit einem generellen Überblick. Anschließend regen Möglichkeiten zur Selbstreflexion zu einer ganzheitlichen Entwicklung der Schulen an. Für die weitere Arbeit mit dem Index werden dann verschiedene Phasen dargelegt, die den Weg zur inklusiven Schule kennzeichnen. Jede Schule soll so befähigt werden für sich selbst einen Plan für die eigene Weiterentwicklung hin zur Inklusion zu entwickeln. Hierbei werden vor allem inklusive Werte in den Mittelpunkt gerückt und drei verschiedene Dimensionen, die den Planungsrahmen bilden, fokussiert:
Dimension A – Inklusive Kulturen schaffen,
Dimension B – Inklusive Strukturen etablieren,
Dimension C – Inklusive Praktiken entwickeln.
Jede dieser Dimensionen wird in dem folgenden Kapitel mit Hilfe von Indikatoren und konkretisierenden Fragen verdeutlicht. Sie geben Hinweise darauf, wie Vielfalt an Schulen organisiert und gelebt werden kann. Die Publikation unterstützt so die Bedeutung und Umsetzung der zuvor aufgestellten inklusiven Werte.
Des Weiteren sind Fragebögen für Lehrende, Lernende und deren Eltern beigefügt, die dazu beitragen können, dass alle Beteiligten am Entwicklungsprozess ihrer Schule teilhaben und diesen mitbestimmen können. Bedeutsam sind außerdem die Auflistungen von Schlüsselbegriffen und international ratifizierter Menschenrechtsdokumente im Anhang.
Insgesamt ist der Index für Inklusion ein gutes Instrument, um sich als Schule auf den Weg zur Inklusion vorzubereiten, da er einen Ansatzpunkt bietet, um die inklusive Entwicklung voranzubringen. Außerdem kann er beim Erkennen und Abbauen von Barrieren unterstützen und regt in jedem Fall dazu an, in einen Dialog zu treten und sich über die Umsetzung von Inklusion in der Schule konkrete Gedanken zu machen.
Bad Langensalza: Beltz, ISBN 978-3-407-63006-3, 24,95€

Peez, Georg (2018)
Einführung in die Kunstpädagogik

Dr. Rebekka Schmidt

Die „Einführung in die Kunstpädagogik“, die nun bereits in der fünften überarbeiteten Neuauflage vorliegt, stellt die Grundlagen und aktuellen Entwicklungslinien des Faches in komprimierter Form dar.
Ausgehend von der Fragestellung um die Beziehung zwischen Kunst und Pädagogik (Kap. 1) werden hier sowohl die prägendsten Konzepte und die Entwicklung des Faches bis heute (Kap. 2) seine wichtigsten Grundlagen (Kap. 3, 4) sowie Arbeitsformen (Kap. 6) und Forschungsfelder (Kap. 7) erläutert. Damit vermittelt diese Einführung einen kompakten Einblick in die wichtigsten Themenbereiche der Kunstpädagogik.
Darüber hinaus finden sich auch Informationen über das Studium (Kap. 8) und berufliche Arbeitsfelder (Kap. 5), die v. a. zu Beginn oder auch als Entscheidungshilfe vor dem Studium von besonderem Interesse sein können.
Den Abschluss bilden Hinweise auf weitere Informationsquellen, die bis ins Referendariat von großem Nutzen sein können.
Dabei ist ein selektiver Einstieg mit jedem Kapitel möglich. Ein umfangreiches Verweissystem ermöglicht es dann, von dem gewählten Anfang aus, eigene Wege und Anknüpfungen zu finden.
Insgesamt ist die Einführung sehr empfehlenswert. Sie gibt einen begründeten und verlässlichen Einblick in die wichtigsten Themenbereiche der Kunstpädagogik und eignet sich daher besonders sowohl als Informationsquelle zu Beginn des Studiums als auch für das vertiefende Studium gegen Ende sowie im Referendariat.

Rat für Kulturelle Bildung (Hrsg.) (2019): Alles immer smart. Kulturelle Bildung, Digitalisierung, Schule
Annika Waffner

„Die Digitalisierung wartet mit Versprechungen, aber auch Widersprüchen auf, die es zu durchschauen, zu vermitteln und gelegentlich auch auszuhalten gilt.“ (Liebau, S. 4)
Wenn über den Begriff der Digitalisierung diskutiert wird, steht oft noch die technische Seite im Fokus – Welche Geräte werden angeschafft? Wie kann das WLAN flächendeckend ausgebaut werden? …
Dass daneben ebenfalls eine kulturelle Perspektive auf das Thema existiert, sollte in der Diskussion jedoch nicht aus dem Blick geraten.
Die neuste Veröffentlichung des Rates für Kulturelle Bildung beschäftigt sich im Rahmen einer Denkschrift mit eben diesem kulturellen Aspekt der Digitalisierung.
Dafür wird das Feld in zwei Bereiche geteilt: Zum einen geht es um die Frage nach der Rolle der kulturellen Bildung in der Schule unter dem Zeichen der Digitalisierung und die Möglichkeiten der künstlerischen Fächer, Kompetenzen für die neuen Herausforderungen zu vermitteln. Es werden beispielsweise zukunftsorientierte Kompetenzen nicht als technisches Know-How ausgelegt, sondern vielseitige Wahrnehmungs- und Gestaltungsfähigkeiten als Anforderung der digitalisierten Welt diskutiert. Der zweite Teil weitet den Blick und verknüpft die Digitalisierung mit verschiedenen künstlerischen, geschichtlichen, sozialen und weiteren Gesichtspunkten. Vanessa-Isabelle Reinwand-Weiss stellt beispielsweise die Frage, ob die Künste tatsächlich einen der wenigen Bereichen darstellen, die nicht digital ersetzt werden können, und Benjamin Jörissen beschäftigt sich mit der Materialität des Digitalen. Die Beiträge enden dabei mit den Auswirkungen ihrer Überlegungen für die kulturelle Bildung in der Schule.
Insgesamt regt die Denkschrift dazu an, sich den praktischen Fragen zum Thema Digitalisierung an Schulen von einer übergeordneten und reflektierten Seite her zu nähern. Hierzu gehört die grundsätzliche Diskussion über die Rolle der Schule bzw. der Pädagogik angesichts der neuen Herausforderungen aber auch über die kulturellen Widersprüche der Digitalisierung selbst. Ein Leitfaden will die Denkschrift nicht sein, da verwundert es nicht, dass die praktischen Impulse unter anderem „Reflexion der Wahrnehmung fördern“ (S. 44) lauten. Nichtsdestotrotz ist es lohnend, inmitten von Diskussionen um den DigitalPakt Schule und Datenschutzbestimmungen eine Metaebene einzunehmen und sich mit der Frage nach der Grundhaltung gegenüber dem Thema Digitalisierung zu beschäftigen.
Die Denkschrift steht als PDF unter www.rat-kulturelle-bildung.de/publikationen zur Verfügung.
Essen: o.V., ISBN: 978-3-9820173-3-4, 18,80€

Kirchner, Constanze (Hrsg.) (2013): Kunst – Didaktik für die Grundschule
Jana Welzel

Die von Constanze Kirchner herausgegebene Publikation gibt einen ausführlichen Überblick über die wesentlichen didaktischen Aspekte des Kunstunterrichts der Grundschule. Bereits in der Einleitung wird deutlich, welchen Beitrag Kunstunterricht zur Entwicklung unserer Gesellschaft leistet und warum eine Fachdidaktik auch für die Grundschule unentbehrlich ist. Zunächst wird von Kirchner in die Grundlagen des Kunstunterrichts eingeführt, indem entscheidende Begriffe geklärt werden. Dabei stehen aktuelle Anforderungen, Inhalte und Ziele des Kunstunterrichts im Fokus. Im darauffolgenden Kapitel betrachtet Joachim Penzel die Kompetenzen, die Lernende im Kunstunterricht der Grundschule erwerben sollen. Hierzu geht er näher auf die vier Subjektdimensionen, didaktische Positionen und curriculare Bestimmungen ein. Zusätzlich zu den bildnerischen Gestaltungskompetenzen sollen Grundschullernende ein Bild- und Kunstverständnis aufbauen, dessen Vermittlung Bettina Uhlig im dritten Kapitel näher beleuchtet. Ferner führt die Publikation kunstdidaktische Kernelemente an, die für Lehrende besonders interessant erscheinen. Es wird aufgezeigt, wie beispielsweise Gestaltungsaufgaben gestellt, Denkprozesse initiiert und kreatives Verhalten gefördert werden können. Somit wird die alltägliche Unterrichtspraxis in den Vordergrund gestellt. Auch im abschließenden Kapitel werden unterrichtspraktische Themen vorgestellt, hier mit dem Fokus auf Lernprozesse, Lernarrangements sowie einige Methoden des Kunstunterrichts.
Besonders hervorzuheben sind darüber hinaus die gestalterischen Elemente, die die Publikation strukturieren und den Lesenden einen Überblick über die Inhalte verschaffen: die einzelnen Absätze sind am Rand mit prägnanten Überschriften versehen, wichtige Inhalte werden in Boxen zusammengefasst und Zitate werden zusätzlich als solche hervorgehoben. Außerdem erleichtern passende Abbildungen das Verständnis. Insgesamt ist die Publikation von Kirchner ein gutes Übersichtswerk, welches auch in den einzelnen Kapiteln wichtige Aspekte des Kunstunterrichts der Grundschule ausgiebig vertieft.
Berlin: Cornelsen, ISBN 978-3-589-16211-6, 24,50€

Ide, Martina; Korte-Beuckers, Christine; Rückert, Friederike (Hrsg.) (2016): Aktuelle Positionen der Kunstdidaktik
Annika Waffner

„Jede Generation muss sich ihren Zugang zur Kunst neu suchen […] Jede Generation hat ihren eigenen Zugang, weil sie von anderen Rahmenbedingungen geprägt wurde.“ (Beuckers, S. 7)
Diese Feststellung aus dem Grußwort der Publikation gilt nicht nur für den Bereich der Kunstgeschichte, sondern ebenso für die Kunstdidaktik. Ausgehend von einer Tagung der Universität Kiel stellt sich die Autorenschaft des Sammelbandes daher die Frage, welche Herausforderungen die Kunstdidaktik gegenwärtig bewältigen muss und wie sie sich zu aktuellen Entwicklungen positionieren kann. Die Herausgebenden möchten damit weniger Lösungsvorschläge als vielmehr Impulse zu Diskussionen geben.
Ein Fokus liegt dabei auf der Digitalisierung des 21. Jahrhunderts, welche gleich von mehreren Beiträgen aufgegriffen wird. Der Einbezug der Medienkunst wird dabei genauso diskutiert, wie die Veränderungen des schulischen Umfelds und die Rolle der Kunstlehrenden. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit anderen, ebenfalls aktuellen Themen: So zeigt Axel Beuther beispielsweise die Rolle und den Nutzen des Kunstunterrichtes in der modernen Gesellschaft zwischen Globalisierung und Bildungsstandards auf. Friedericke Rückert diskutiert hingegen die Möglichkeiten, im Lehramtsstudium des Faches Kunst die Verzahnung von Theorie und Praxis zu stärken.
Insgesamt erreicht die Publikation das in ihrem Titel erklärte Ziel: Das Aufzeigen von aktuellen Positionen der Kunstdidaktik. Sie umfassen sowohl erstmalig aufgekommene Herausforderungen als auch neue Blickwinkel von bestehenden Diskursen.
München: kopaed, ISBN: 978-3-86736-153-8, 18,80€

Camuka, Ahmet; Peez, Georg (Hrsg.) (2017)
– Kunstpädagogik digital mobil
– Kunstunterricht mit Smartphone und Tablets
Annika Waffner

In einem umfassenden Forschungs- und Veröffentlichungsprojekt haben sich die Herausgeber Ahmet Camuka und Georg Peez mit der Frage nach der Implementierung von digitalen Medien im Kontext des Kunstunterrichts und der Hochschullehre beschäftigt. Neben zahlreichen Beiträgen (siehe bspw. Kunst+Unterricht „Mit Smartphones und Tablets“ Heft 415/416, 2017) und der Dissertation von Ahmet Camuka wurden zwei Sammelbände herausgegeben, die den angestoßenen Diskurs widerspiegeln sollen. Ziel der Herausgeber ist es, den Einsatz digitaler Medien im Kunstunterricht ohne Vorbehalte zu untersuchen, um eine Grundlage für die weitere Praxis zu schaffen und den Diskurs weiter anzuregen.
Beide vorliegenden Bände behandeln verschiedenste Möglichkeiten der Verwendung digitaler Medien. Der Band „Kunstpädagogik digital mobil“ fokussiert den Einsatz von Fotografie bzw. Videos und geht daraufhin zu multimedialen Konzepten über, die auch Augmented Reality und 3D-Design beinhalten. Abschließend wird der kommunikative Aspekt digitaler Medien hinsichtlich Vermittlungsmethoden betrachtet und reflektiert. Durch die Aufteilung nach medialem Einsatz sind die für Lesende individuell relevanten Aufsätze leicht zu finden und zeigen gleichzeitig das breite Spektrum, wie bspw. Fotografie im Kunstunterricht verschieden eingesetzt werden kann. Das so gezeichnete Bild des realen Einsatzes digitaler Medien wird durch Grundlagentexte unterstützt. Besonders empfehlenswert sind hier die Einführung von Isabell Meyer, die das Smartphone oder Tablet als Prothese in die historische und moderne Idee des Körpers eingliedert, und der Beitrag „Video-Tutorials im Unterricht“ von Werner Bloß, der den Blick auf die Entwicklung vom Lehrvortrag zum Lehrvideo wirft und die Chancen der Speicherung und Verbreitung dieser Videos diskutiert.
Der zweite Band „Kunstunterricht mit Smartphone und Tablet“ beinhaltet ebenfalls die Fotografie als Werkzeug im Kunstunterricht, allerdings wird hier die Richtung des Stop-Motion-Films und des digitalen Zeichnens und Malens aufgefächert. Zu empfehlen ist der Beitrag von Georg Peez „Berühren, Wischen, Zoomen und der Pinzettengriff“, in dem die typischen Bewegungen auf Multi-Touch-Displays mit denen von Ergebnissen der Kinderzeichnungsforschung verbunden werden. Die Berichte aus der Praxis sind auch hier vielfältig und auf alle Jahrgangsstufen verteilt.
Zusammenfassend sind die Bände von Camuka und Peez sowohl dafür geeignet, einen allgemeinen Überblick über die Möglichkeiten des Einsatzes digitaler Medien zu bekommen, als auch, bestimmte Bereiche zu vertiefen. Besonders die Beiträge der zahlreichen realisierten Unterrichtsbeispiele bieten dafür eine gute Gelegenheit. Der Umfang der einzelnen Beiträge lässt dabei Platz für Diskussionen und weitere Auseinandersetzung mit dem Thema.
München: kopaed, ISBN: 978-3-86736-424-9 und 978-3-86736-423-2, je 19,80 €

Schiefer, O. & Schiller, R. (2015)
– Da lebt die Farbe auf unter den Fingern… Über Kunst und Kunstpädagogik.

Sarah Biemann

Es klingt
es rauscht
es hallt
es wiederhallt
es sprüht
es duftet
und wird andächtig singendes Blau.
Das Blau verblüht zu Licht.
(Hans Arp, 1974)
„Da lebt die Farbe auf…“ – der Titel der Publikation nimmt Bezug zu Wassili Kandinskys Beschreibung der Unmittelbarkeit und Intensität, mit der Kinder die Farben in ihren Ausdrucksformen erleben können und verweist auf ihre lebendige Beziehung zu den „sonderbaren Wesen, die man Farbe nennt“ (Kandinsky, 1980). Die Kunst als Mittel die Welt zu verstehen und zu erforschen und der eigene künstlerische Ausdruck stehen stets im Fokus der Publikation. Obwohl das Buch der Waldorfpädagogik entstammt, bietet es auf 360 Seiten einige Beispiele auch für den Regelkunstunterricht. Berücksichtigung finden dabei alle Klassenstufen. Ein umfangreicher Anhang präsentiert eine Vielzahl praktischer Anregungen aus der Unterrichtspraxis für die Unterrichtspraxis. Die Publikation besticht v. a. aufgrund der zahlreichen und sehr hochwertigen Werkabbildungen aus Kunstgeschichte und Kunstunterricht, die an manchen Stellen mit Zitaten und Gedichten unterfüttert werden.
Stuttgart: Freies Geistesleben, ISBN: 978-3772527296, 39,90 €

Loffredo, Anna Maria (Hrsg.) (2017)
Kunstunterricht und Inklusion
Sarah Biemann

„Inklusive Pädagogik ist … Pädagogik, was sonst.“ (S.150)
In diesem Buch werden verschiedene gedankliche Ansätze zu Kunstunterricht und Inklusion erläutert und einige praktische Beispiele für inklusiven Kunstunterricht dargestellt.
Anna Maria Loffredo hebt dabei hervor, dass
v. a. in inklusiven Settings ein erhöhtes Maß an Flexibilität und „situativer Planungsfähigkeit“ (Loffredo 2016) notwendig ist und Kunstunterricht grundsätzlich divergent gedacht werden müsse. Aus diesem Grund ist für sie der Beruf der Kunstlehrkraft in höchstem Maße kreativ. Allerdings muss ihrer Ansicht nach die Lehrperson das Rad nicht neu erfinden, sondern bewährte fachdidaktische Modelle für inklusive Lernsituationen feinjustieren.
Loffredo präsentiert daher einige Thesen von Ken Robison zur Kreativität, die auch erläutern, wie und warum letztere in schulischen Kontexten oft verhindert wird. Daneben thematisiert sie u. a. Classroom-Management und seine dramaturgischen Inhalte als besondere Kompetenz für inklusiven Unterricht. Sie benennt den Cross-Over-Ansatz als kunstdidaktische Ressource im inklusiven Kunstunterricht. Dieser meint grundlegend die Verbindung zweier Elemente unterschiedlicher Herkunft, wie bspw. die Verbindung von digitalen und analogen Arbeitstechniken. Loffredo skizziert darüber hinaus notwendige Aspekte der Curriculumsentwicklung, sie gibt in Form von Fragen unterstützende Hinweise für die Planung inklusiven Unterrichts und verdeutlicht ihre Ausführungen durch Beispiele der US-amerikanischen Fachdidaktik.
Der erste Eindruck beim Lesen kann täuschen und dazu verleiten, das Buch schnell wieder beiseite zu legen, doch lohnt es sich, trotz der Aneinanderreihung verschiedener Beiträge, es in seiner Gänze zu lesen. Denn es birgt einige Sichtweisen, Denkanstöße und Beispiele, die nützlich und erhellend sowie inspirierend für Kunstlehrende sein können, welche vor der Aufgabe Inklusion stehen.
Oberhausen: Athena-Verlag, ISBN: 978-3- 89896-649-8, 24,50 €

Kunst+Unterricht (Heft 415/416, 2017)
Mit Smartphones und Tablets
Lena Westhoff
Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Kunst+Unterricht beschäftigt sich mit dem Einsatz von mobilen digitalen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets im Unterricht. Dabei werden sowohl einige Grundlagen und Fragen zum Einsatz erklärt als auch Unterrichtsbeispiele dargestellt. Der Materialteil beinhaltet ausgewählte Beispiele von Künstlerinnen und Künstlern mit Informationen und Anregungen für den Unterricht.
Der einleitende Artikel eignet sich sehr gut für einen ersten Überblick über die Thematik. Gut verständlich zeigen Ahmet Camuka und Georg Peez auf, welche Herausforderungen und Risiken beim Einsatz von mobilen Endgeräten zu beachten sind und geben Hinweise, wie damit umgegangen werden kann. Gleichzeitig werden auch die Chancen und Aufgaben, die sich daraus für den Kunstunterricht ergeben übersichtlich dargestellt.
Im Anschluss folgen verschiedene Unterrichtsbeispiele von der Grundschule bis zur Oberstufe, die verschiedene Möglichkeiten zeigen, Smartphones und Tablets im Kunstunterricht einzusetzen. Die Bandbreite reicht dabei von Stunden, die ohne technische Hürden umzusetzen sind, bis hin zu Beispielen, die technisch komplexere Anforderungen stellen.
Vor allem die Künstlerbeispiele in den Rubriken „Kunst aktuell“, Analyse und Interpretation sowie die Anregungen im Materialteil verdienen besondere Erwähnung. Hier werden verschiedene Beispiele vorgestellt, wie sich Künstlerinnen und Künstler mit den Möglichkeiten der digitalen Medien in unterschiedlicher Weise (nicht nur affirmativ, sondern durchaus auch kritisch und subversiv) auseinandersetzen.
Dieser Teil bietet sowohl eine exemplarische Auswahl als auch Anregungen und Impulse für den Einsatz im Unterricht.

Bering, K., Niehoff, R. & Pauls, K. (Hrsg.) (2017)
– Lexikon der Kunstpädagogik
Dr. Rebekka Schmidt

Die Herausgeber haben mit dem „Lexikon der Kunstpädagogik“ ein umfassendes und fundiertes Nachschlagewerk für eine Vielzahl von Begriffen geschaffen, die für den Kunstunterricht von Bedeutung sind. Das Spektrum der Beiträge reicht dabei von kunstdidaktischen und kunstwissenschaftlichen Feldern über Jugendkulturen und deren Bildwelten bis hin zu inter- und transkulturellen Fragestellungen. Die einzelnen Artikel, die zum großen Teil von ausgewiesenen Experten auf diesem Gebiet stammen, geben einen kurzen, wissenschaftlich begründeten und fundierten Überblick zum jeweiligen Begriff. Durch ausführliche Querverweise werden Bezüge aufgezeigt und die Inhalte miteinander vernetzt. Etwas schade ist, dass dadurch das Inhaltsverzeichnis mehr verspricht, als das Lexikon hält. Mehrere Begriffe sind lediglich genannt und müssen durch Querverweise auf z. T. mehrere Kapitel erschlossen werden. Dies schmälert die Qualität aber nur geringfügig. Insgesamt ist das Lexikon sehr empfehlenswert und gibt einen begründeten und verlässlichen Überblick über die wichtigsten Grundbegriffe der Kunstpädagogik.
Oberhausen: Athena, ISBN: 978-3-89896-690-0, 29,50 €

Heil, Christine (2015)
Kreative Störfälle
Lena Westhoff
Auf der Suche nach kreativitätsfördernden Impulsen für einen Kunstunterricht, der sich besonders ästhetischen Herangehensweisen verschreibt, empfiehlt sich das Buch „Kreative Störfälle“. Gut verständlich und übersichtlich werden hier vielfältige Anregungen für die Praxis gegeben. Dabei werden besonders die Themenbereiche Dingumgang, Raum und digitale Medien berücksichtigt. Viele Zugangsweisen erinnern auch an das Ästhetische Forschen nach Kämpf-Jansen.
Kreative Störfälle werden von den Autoren als solche Ereignisse definiert, die „in einem künstlerischen, ästhetischen oder medienpraktischen Kontext stattfinden, und gerade nicht den herrschenden Regeln oder Erwartungen entsprechen und dadurch störend wirken.“ (S. 7) Genau durch diese Störfälle wird kreatives Denken geradezu herausgefordert und kann sich in kreativen Produkten entfalten. Besonders aber können diese Prozesse auch bildend wirken.
Für den Unterricht werden ganz konkrete Zugänge, Methoden und praktische Umsetzungsimpulse vorgeschlagen, so dass das Buch neben der theoretischen Betrachtung des Themas Kreativität und ästhetische Erfahrungen auch konkrete Praxisimpulse bereithält. Dabei empfiehlt es sich durchaus, begleitend das Buch „Ästhetische Forschung“ von Helga Kämpf-Jansen zu lesen. Diese beiden Bücher sind in Kombination wirklich bereichernd für Kunstlehrende und ermutigen dazu, kreative Störfälle wert zu schätzen und sie des Öfteren in den Unterricht einzubeziehen.
Hannover: fabrico Verlag, ISBN 978-3-946320-02-9, 17,50 €
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