Bewährtes

Manche Bücher werden immer wieder in die Hand genommen – zum Nachschlagen, für Grundsätzliches oder, weil sie sich einfach bewährt haben. Daher gibt es an dieser Stelle eine Übersicht der kunstpädagogischen Bücher, die bei uns dauerhaft im Regal stehen und die sich für den Anfang oder Ergänzung der eigenen Sammlung gut eignen.

Rebekka Schmidt (2016): Mit Kunstwerken zum Denken anregen. Eine empirische Untersuchung zur kognitiven Aktivierung im Rahmen der Kunstrezeption in der Grundschule
Annika Waffner
Wie können Lernende im Rahmen der Kunstrezeption zum Denken angeregt werden? Dieser Frage geht Rebekka Schmidt in ihrer Publikation nach. Zudem wird ein System entwickelt, mit dem sich diese kognitive Aktivierung empirisch erheben lässt. Dieses wird auf 33 videografierte Doppelstunden im Fach Kunst in verschiedenen Grundschulen angewendet.
Zu Beginn werden die Themen der kognitiven Aktivierung und der Kunstrezeption behandelt. Besonders das Kapitel zur theoretischen Fundierung der Kunstrezeption ist hier hervorzuheben: Es werden verschiedene Aspekte der Forschung zur Rezeption im Kunstunterricht dargestellt, wie bspw. die Funktion von Sprache, die Strömung der Rezeptionsästhetik oder der soziale Aspekt der Klasse. Darüber hinaus wird mit den von Schmidt genannten „Elementen des Rezeptionsprozesses“ ein detailliertes Modell zur Differenzierung der verschiedenen Phasen einer Kunstrezeption aufgestellt. Die Elemente können für verschiedene theoretische Überlegungen im Feld der Kunstrezeption als Grundlage dienen oder als Strukturhilfe in die Unterrichtsplanung einfließen. Insgesamt stellt dieser Teil einen guten Überblick über die Kunstrezeption für alle Klassenstufen dar und bietet Zugänge für die vertiefte Auseinandersetzung einzelner Aspekte.
Für die Beantwortung der Frage nach der kognitiven Aktivierung wird ein feingliedriges Ratingverfahren entwickelt, welches das Handeln der Lehrkraft in den Blick nimmt. Es umfasst beispielsweise die inhaltliche Fokussierung, anregende Fragen und Impulse oder die Förderung des emotionalen Zugangs. Zwar konnten in der zugrundeliegenden Stichprobe wenig Maßnahmen zur kognitiven Aktivierung festgestellt werden, das empirische Vorgehen mit den Ratings legt jedoch einen wichtigen Grundstein in dem Diskurs der Kunstrezeption in der Grundschule.
München: kopaed, ISBN: 978-3-86736-440-9, 19,80€

Berner, Nicole Elisabeth (2013):
Bildnerische Kreativität im Grundschulalter
Jana Welzel
Die vorliegende Publikation von Nicole Elisabeth Berner befasst sich mit der Erforschung der bildnerischen Kreativität. Dabei wird besonderes Augenmerk auf das bildnerische bzw. plastische Gestalten im Grundschulalter gelegt.
Zunächst legt sie daher den theoretischen Hintergrund zum Phänomen Kreativität dar, um es anschließend produktorientiert zu untersuchen. In der theoretischen Einführung gelingt es Berner, den komplexen Begriff der Kreativität in Hinblick auf den Kunstunterricht übersichtlich zu entwickeln. Dabei widmet sie sich u. a. dem Kreativitätsverständnis sowie den Perspektiven auf Kreativität (kreative Person, kreativer Prozess, kreatives Produkt, kreativitätsförderndes Umfeld) und bezieht kunstpädagogische und -didaktische Theorien und Forschungen sowie die psychologische Perspektive mit ein. Anschließend entwickelt sie Kriterien zur Beurteilung bildnerischer Kreativität von Schülerarbeiten im plastischen Gestalten.
Die darauffolgende Untersuchung wird von zwei übergeordneten Fragestellungen geleitet:
• Welche spezifischen Merkmale im plastischen Gestalten lassen sich anhand der plastischen Schülerarbeiten als Hinweise auf bildnerische Kreativität verstehen?
• Wie kann bildnerische Kreativität für das plastische Gestalten beschrieben und empirisch erfasst werden?
Diese werden in drei Teilstudien zu den formalen Merkmalen der Schülerplastiken, den Indikatoren bildnerischer Kreativität und der Prüfung der Dimensionalität bildnerischer Kreativität beantwortet.
Abschließend geht Berner auf die kunstpädagogischen Konsequenzen ein, die sich aus ihrer empirischen Studie ergeben. Dabei wird vor allem auf die Förderung der bildnerischen Kreativität im Kunstunterricht abgezielt.
Insgesamt biete die Dissertation von Berner eine umfassende Grundlage, um sich mit dem interdisziplinären Begriff der Kreativität auseinanderzusetzten. Dennoch ist sie in besonderer Weise für die Kunstpädagogik interessant, da die Arbeit beschreibt inwieweit der Kunstunterricht Einfluss auf die Entwicklung der bildnerischen Kreativität Heranwachsender nehmen kann.
München: kopaed, ISBN 978-3-86736-431-7-6, 24,80€

Peez, Georg (2018)
Einführung in die Kunstpädagogik

Dr. Rebekka Schmidt

Die „Einführung in die Kunstpädagogik“, die nun bereits in der fünften überarbeiteten Neuauflage vorliegt, stellt die Grundlagen und aktuellen Entwicklungslinien des Faches in komprimierter Form dar.
Ausgehend von der Fragestellung um die Beziehung zwischen Kunst und Pädagogik (Kap. 1) werden hier sowohl die prägendsten Konzepte und die Entwicklung des Faches bis heute (Kap. 2) seine wichtigsten Grundlagen (Kap. 3, 4) sowie Arbeitsformen (Kap. 6) und Forschungsfelder (Kap. 7) erläutert. Damit vermittelt diese Einführung einen kompakten Einblick in die wichtigsten Themenbereiche der Kunstpädagogik.
Darüber hinaus finden sich auch Informationen über das Studium (Kap. 8) und berufliche Arbeitsfelder (Kap. 5), die v. a. zu Beginn oder auch als Entscheidungshilfe vor dem Studium von besonderem Interesse sein können.
Den Abschluss bilden Hinweise auf weitere Informationsquellen, die bis ins Referendariat von großem Nutzen sein können.
Dabei ist ein selektiver Einstieg mit jedem Kapitel möglich. Ein umfangreiches Verweissystem ermöglicht es dann, von dem gewählten Anfang aus, eigene Wege und Anknüpfungen zu finden.
Insgesamt ist die Einführung sehr empfehlenswert. Sie gibt einen begründeten und verlässlichen Einblick in die wichtigsten Themenbereiche der Kunstpädagogik und eignet sich daher besonders sowohl als Informationsquelle zu Beginn des Studiums als auch für das vertiefende Studium gegen Ende sowie im Referendariat.

Kirchner, Constanze (Hrsg.) (2013): Kunst – Didaktik für die Grundschule
Jana Welzel

Die von Constanze Kirchner herausgegebene Publikation gibt einen ausführlichen Überblick über die wesentlichen didaktischen Aspekte des Kunstunterrichts der Grundschule. Bereits in der Einleitung wird deutlich, welchen Beitrag Kunstunterricht zur Entwicklung unserer Gesellschaft leistet und warum eine Fachdidaktik auch für die Grundschule unentbehrlich ist. Zunächst wird von Kirchner in die Grundlagen des Kunstunterrichts eingeführt, indem entscheidende Begriffe geklärt werden. Dabei stehen aktuelle Anforderungen, Inhalte und Ziele des Kunstunterrichts im Fokus. Im darauffolgenden Kapitel betrachtet Joachim Penzel die Kompetenzen, die Lernende im Kunstunterricht der Grundschule erwerben sollen. Hierzu geht er näher auf die vier Subjektdimensionen, didaktische Positionen und curriculare Bestimmungen ein. Zusätzlich zu den bildnerischen Gestaltungskompetenzen sollen Grundschullernende ein Bild- und Kunstverständnis aufbauen, dessen Vermittlung Bettina Uhlig im dritten Kapitel näher beleuchtet. Ferner führt die Publikation kunstdidaktische Kernelemente an, die für Lehrende besonders interessant erscheinen. Es wird aufgezeigt, wie beispielsweise Gestaltungsaufgaben gestellt, Denkprozesse initiiert und kreatives Verhalten gefördert werden können. Somit wird die alltägliche Unterrichtspraxis in den Vordergrund gestellt. Auch im abschließenden Kapitel werden unterrichtspraktische Themen vorgestellt, hier mit dem Fokus auf Lernprozesse, Lernarrangements sowie einige Methoden des Kunstunterrichts.
Besonders hervorzuheben sind darüber hinaus die gestalterischen Elemente, die die Publikation strukturieren und den Lesenden einen Überblick über die Inhalte verschaffen: die einzelnen Absätze sind am Rand mit prägnanten Überschriften versehen, wichtige Inhalte werden in Boxen zusammengefasst und Zitate werden zusätzlich als solche hervorgehoben. Außerdem erleichtern passende Abbildungen das Verständnis. Insgesamt ist die Publikation von Kirchner ein gutes Übersichtswerk, welches auch in den einzelnen Kapiteln wichtige Aspekte des Kunstunterrichts der Grundschule ausgiebig vertieft.
Berlin: Cornelsen, ISBN 978-3-589-16211-6, 24,50€

Bering, K., Niehoff, R. & Pauls, K. (Hrsg.) (2017)
– Lexikon der Kunstpädagogik
Dr. Rebekka Schmidt

Die Herausgeber haben mit dem „Lexikon der Kunstpädagogik“ ein umfassendes und fundiertes Nachschlagewerk für eine Vielzahl von Begriffen geschaffen, die für den Kunstunterricht von Bedeutung sind. Das Spektrum der Beiträge reicht dabei von kunstdidaktischen und kunstwissenschaftlichen Feldern über Jugendkulturen und deren Bildwelten bis hin zu inter- und transkulturellen Fragestellungen. Die einzelnen Artikel, die zum großen Teil von ausgewiesenen Experten auf diesem Gebiet stammen, geben einen kurzen, wissenschaftlich begründeten und fundierten Überblick zum jeweiligen Begriff. Durch ausführliche Querverweise werden Bezüge aufgezeigt und die Inhalte miteinander vernetzt. Etwas schade ist, dass dadurch das Inhaltsverzeichnis mehr verspricht, als das Lexikon hält. Mehrere Begriffe sind lediglich genannt und müssen durch Querverweise auf z. T. mehrere Kapitel erschlossen werden. Dies schmälert die Qualität aber nur geringfügig. Insgesamt ist das Lexikon sehr empfehlenswert und gibt einen begründeten und verlässlichen Überblick über die wichtigsten Grundbegriffe der Kunstpädagogik.
Oberhausen: Athena, ISBN: 978-3-89896-690-0, 29,50 €