Aktuelle Lieblingsbücher

Die beiden inhaltlichen Schwerpunkte der Professur Kunstunterricht und Digitales sowie Kunstunterricht und Inklusion sind aktuelle Themen, die momentan von vielen Stellen verhandelt werden. Dementsprechend wird zunehmend zu den Themen publiziert. Welche Bücher und Texte davon lesenswert sind und welche thematischen Aspekte sie behandeln, wird hier vorgestellt.

⇒ Kunstunterricht und Digitales
⇒ Inklusion

Camuka, Ahmet; Peez, Georg (Hrsg.) (2017)
– Kunstpädagogik digital mobil
– Kunstunterricht mit Smartphone und Tablets
Annika Waffner

Buchcover Kunstpädagogik digital mobil. Mädchen mit Smarphones und TabletsIn einem umfassenden Forschungs- und Veröffentlichungsprojekt haben sich die Herausgeber Ahmet Camuka und Georg Peez mit der Frage nach der Implementierung von digitalen Medien im Kontext des Kunstunterrichts und der Hochschullehre beschäftigt. Neben zahlreichen Beiträgen (siehe bspw. Kunst+Unterricht „Mit Smartphones und Tablets“ Heft 415/416, 2017) und der Dissertation von Ahmet Camuka wurden zwei Sammelbände herausgegeben, die den angestoßenen Diskurs widerspiegeln sollen. Ziel der Herausgeber ist es, den Einsatz digitaler Medien im Kunstunterricht ohne Vorbehalte zu untersuchen, um eine Grundlage für die weitere Praxis zu schaffen und den Diskurs weiter anzuregen.
Beide vorliegenden Bände behandeln verschiedenste Möglichkeiten der Verwendung digitaler Medien. Der Band „Kunstpädagogik digital mobil“ fokussiert den Einsatz von Fotografie bzw. Videos und geht daraufhin zu multimedialen Konzepten über, die auch Augmented Reality und 3D-Design beinhalten. Abschließend wird der kommunikative Aspekt digitaler Medien hinsichtlich Vermittlungsmethoden betrachtet und reflektiert. Durch die Aufteilung nach medialem Einsatz sind die für Lesende individuell relevanten Aufsätze leicht zu finden und zeigen gleichzeitig das breite Spektrum, wie bspw. Fotografie im Kunstunterricht verschieden eingesetzt werden kann. Das so gezeichnete Bild des realen Einsatzes digitaler Medien wird durch Grundlagentexte unterstützt. Besonders empfehlenswert sind hier die Einführung von Isabell Meyer, die das Smartphone oder Tablet als Prothese in die historische und moderne Idee des Körpers eingliedert, und der Beitrag „Video-Tutorials im Unterricht“ von Werner Bloß, der den Blick auf die Entwicklung vom Lehrvortrag zum Lehrvideo wirft und die Chancen der Speicherung und Verbreitung dieser Videos diskutiert.
Der zweite Band „Kunstunterricht mit Smartphone und Tablet“ beinhaltet ebenfalls die Fotografie als Werkzeug im Kunstunterricht, allerdings wird hier die Richtung des Stop-Motion-Films und des digitalen Zeichnens und Malens aufgefächert. Zu empfehlen ist der Beitrag von Georg Peez „Berühren, Wischen, Zoomen und der Pinzettengriff“, in dem die typischen Bewegungen auf Multi-Touch-Displays mit denen von Ergebnissen der Kinderzeichnungsforschung verbunden werden. Die Berichte aus der Praxis sind auch hier vielfältig und auf alle Jahrgangsstufen verteilt.
Zusammenfassend sind die Bände von Camuka und Peez sowohl dafür geeignet, einen allgemeinen Überblick über die Möglichkeiten des Einsatzes digitaler Medien zu bekommen, als auch, bestimmte Bereiche zu vertiefen. Besonders die Beiträge der zahlreichen realisierten Unterrichtsbeispiele bieten dafür eine gute Gelegenheit. Der Umfang der einzelnen Beiträge lässt dabei Platz für Diskussionen und weitere Auseinandersetzung mit dem Thema.
München: kopaed, ISBN: 978-3-86736-424-9 und 978-3-86736-423-2, je 19,80 €

Kunst+Unterricht (Heft 415/416, 2017)
Mit Smartphones und Tablets
Lena Westhoff
Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Kunst+Unterricht beschäftigt sich mit dem Einsatz von mobilen digitalen Endgeräten wie Smartphones oder Tablets im Unterricht. Dabei werden sowohl einige Grundlagen und Fragen zum Einsatz erklärt als auch Unterrichtsbeispiele dargestellt. Der Materialteil beinhaltet ausgewählte Beispiele von Künstlerinnen und Künstlern mit Informationen und Anregungen für den Unterricht.
Der einleitende Artikel eignet sich sehr gut für einen ersten Überblick über die Thematik. Gut verständlich zeigen Ahmet Camuka und Georg Peez auf, welche Herausforderungen und Risiken beim Einsatz von mobilen Endgeräten zu beachten sind und geben Hinweise, wie damit umgegangen werden kann. Gleichzeitig werden auch die Chancen und Aufgaben, die sich daraus für den Kunstunterricht ergeben übersichtlich dargestellt.
Im Anschluss folgen verschiedene Unterrichtsbeispiele von der Grundschule bis zur Oberstufe, die verschiedene Möglichkeiten zeigen, Smartphones und Tablets im Kunstunterricht einzusetzen. Die Bandbreite reicht dabei von Stunden, die ohne technische Hürden umzusetzen sind, bis hin zu Beispielen, die technisch komplexere Anforderungen stellen.
Vor allem die Künstlerbeispiele in den Rubriken „Kunst aktuell“, Analyse und Interpretation sowie die Anregungen im Materialteil verdienen besondere Erwähnung. Hier werden verschiedene Beispiele vorgestellt, wie sich Künstlerinnen und Künstler mit den Möglichkeiten der digitalen Medien in unterschiedlicher Weise (nicht nur affirmativ, sondern durchaus auch kritisch und subversiv) auseinandersetzen.
Dieser Teil bietet sowohl eine exemplarische Auswahl als auch Anregungen und Impulse für den Einsatz im Unterricht.

Schiefer, O. & Schiller, R. (2015)
– Da lebt die Farbe auf unter den Fingern… Über Kunst und Kunstpädagogik.

Sarah Biemann

Es klingt
es rauscht
es hallt
es wiederhallt
es sprüht
es duftet
und wird andächtig singendes Blau.
Das Blau verblüht zu Licht.
(Hans Arp, 1974)
„Da lebt die Farbe auf…“ – der Titel der Publikation nimmt Bezug zu Wassili Kandinskys Beschreibung der Unmittelbarkeit und Intensität, mit der Kinder die Farben in ihren Ausdrucksformen erleben können und verweist auf ihre lebendige Beziehung zu den „sonderbaren Wesen, die man Farbe nennt“ (Kandinsky, 1980). Die Kunst als Mittel die Welt zu verstehen und zu erforschen und der eigene künstlerische Ausdruck stehen stets im Fokus der Publikation. Obwohl das Buch der Waldorfpädagogik entstammt, bietet es auf 360 Seiten einige Beispiele auch für den Regelkunstunterricht. Berücksichtigung finden dabei alle Klassenstufen. Ein umfangreicher Anhang präsentiert eine Vielzahl praktischer Anregungen aus der Unterrichtspraxis für die Unterrichtspraxis. Die Publikation besticht v. a. aufgrund der zahlreichen und sehr hochwertigen Werkabbildungen aus Kunstgeschichte und Kunstunterricht, die an manchen Stellen mit Zitaten und Gedichten unterfüttert werden.
Stuttgart: Freies Geistesleben, ISBN: 978-3772527296, 39,90 €

Loffredo, Anna Maria (Hrsg.) (2017)
Kunstunterricht und Inklusion
Sarah Biemann

„Inklusive Pädagogik ist … Pädagogik, was sonst.“ (S.150)
In diesem Buch werden verschiedene gedankliche Ansätze zu Kunstunterricht und Inklusion erläutert und einige praktische Beispiele für inklusiven Kunstunterricht dargestellt.
Anna Maria Loffredo hebt dabei hervor, dass
v. a. in inklusiven Settings ein erhöhtes Maß an Flexibilität und „situativer Planungsfähigkeit“ (Loffredo 2016) notwendig ist und Kunstunterricht grundsätzlich divergent gedacht werden müsse. Aus diesem Grund ist für sie der Beruf der Kunstlehrkraft in höchstem Maße kreativ. Allerdings muss ihrer Ansicht nach die Lehrperson das Rad nicht neu erfinden, sondern bewährte fachdidaktische Modelle für inklusive Lernsituationen feinjustieren.
Loffredo präsentiert daher einige Thesen von Ken Robison zur Kreativität, die auch erläutern, wie und warum letztere in schulischen Kontexten oft verhindert wird. Daneben thematisiert sie u. a. Classroom-Management und seine dramaturgischen Inhalte als besondere Kompetenz für inklusiven Unterricht. Sie benennt den Cross-Over-Ansatz als kunstdidaktische Ressource im inklusiven Kunstunterricht. Dieser meint grundlegend die Verbindung zweier Elemente unterschiedlicher Herkunft, wie bspw. die Verbindung von digitalen und analogen Arbeitstechniken. Loffredo skizziert darüber hinaus notwendige Aspekte der Curriculumsentwicklung, sie gibt in Form von Fragen unterstützende Hinweise für die Planung inklusiven Unterrichts und verdeutlicht ihre Ausführungen durch Beispiele der US-amerikanischen Fachdidaktik.
Der erste Eindruck beim Lesen kann täuschen und dazu verleiten, das Buch schnell wieder beiseite zu legen, doch lohnt es sich, trotz der Aneinanderreihung verschiedener Beiträge, es in seiner Gänze zu lesen. Denn es birgt einige Sichtweisen, Denkanstöße und Beispiele, die nützlich und erhellend sowie inspirierend für Kunstlehrende sein können, welche vor der Aufgabe Inklusion stehen.
Oberhausen: Athena-Verlag, ISBN: 978-3- 89896-649-8, 24,50 €