Inklusion

Inklusion ist eine wichtige Aufgabe der heutigen Schulen. Gleichzeitig wird sie von Lehrkräften als eine der größten Herausforderungen wahrgenommen. Die hier vorgestellten Bücher und Schriften geben Hinweise, wie Inklusion im Kunstunterricht aussehen kann und zeigen auf, welcher besondere Stellenwert der Kunst beim Thema Inklusion zukommen kann.

Schiefer, O. & Schiller, R. (2015)
– Da lebt die Farbe auf unter den Fingern… Über Kunst und Kunstpädagogik.

Sarah Biemann

Es klingt
es rauscht
es hallt
es wiederhallt
es sprüht
es duftet
und wird andächtig singendes Blau.
Das Blau verblüht zu Licht.
(Hans Arp, 1974)
„Da lebt die Farbe auf…“ – der Titel der Publikation nimmt Bezug zu Wassili Kandinskys Beschreibung der Unmittelbarkeit und Intensität, mit der Kinder die Farben in ihren Ausdrucksformen erleben können und verweist auf ihre lebendige Beziehung zu den „sonderbaren Wesen, die man Farbe nennt“ (Kandinsky, 1980). Die Kunst als Mittel die Welt zu verstehen und zu erforschen und der eigene künstlerische Ausdruck stehen stets im Fokus der Publikation. Obwohl das Buch der Waldorfpädagogik entstammt, bietet es auf 360 Seiten einige Beispiele auch für den Regelkunstunterricht. Berücksichtigung finden dabei alle Klassenstufen. Ein umfangreicher Anhang präsentiert eine Vielzahl praktischer Anregungen aus der Unterrichtspraxis für die Unterrichtspraxis. Die Publikation besticht v. a. aufgrund der zahlreichen und sehr hochwertigen Werkabbildungen aus Kunstgeschichte und Kunstunterricht, die an manchen Stellen mit Zitaten und Gedichten unterfüttert werden.
Stuttgart: Freies Geistesleben, ISBN: 978-3772527296, 39,90 €

Loffredo, Anna Maria (Hrsg.) (2017)
Kunstunterricht und Inklusion
Sarah Biemann

„Inklusive Pädagogik ist … Pädagogik, was sonst.“ (S.150)
In diesem Buch werden verschiedene gedankliche Ansätze zu Kunstunterricht und Inklusion erläutert und einige praktische Beispiele für inklusiven Kunstunterricht dargestellt.
Anna Maria Loffredo hebt dabei hervor, dass
v. a. in inklusiven Settings ein erhöhtes Maß an Flexibilität und „situativer Planungsfähigkeit“ (Loffredo 2016) notwendig ist und Kunstunterricht grundsätzlich divergent gedacht werden müsse. Aus diesem Grund ist für sie der Beruf der Kunstlehrkraft in höchstem Maße kreativ. Allerdings muss ihrer Ansicht nach die Lehrperson das Rad nicht neu erfinden, sondern bewährte fachdidaktische Modelle für inklusive Lernsituationen feinjustieren.
Loffredo präsentiert daher einige Thesen von Ken Robison zur Kreativität, die auch erläutern, wie und warum letztere in schulischen Kontexten oft verhindert wird. Daneben thematisiert sie u. a. Classroom-Management und seine dramaturgischen Inhalte als besondere Kompetenz für inklusiven Unterricht. Sie benennt den Cross-Over-Ansatz als kunstdidaktische Ressource im inklusiven Kunstunterricht. Dieser meint grundlegend die Verbindung zweier Elemente unterschiedlicher Herkunft, wie bspw. die Verbindung von digitalen und analogen Arbeitstechniken. Loffredo skizziert darüber hinaus notwendige Aspekte der Curriculumsentwicklung, sie gibt in Form von Fragen unterstützende Hinweise für die Planung inklusiven Unterrichts und verdeutlicht ihre Ausführungen durch Beispiele der US-amerikanischen Fachdidaktik.
Der erste Eindruck beim Lesen kann täuschen und dazu verleiten, das Buch schnell wieder beiseite zu legen, doch lohnt es sich, trotz der Aneinanderreihung verschiedener Beiträge, es in seiner Gänze zu lesen. Denn es birgt einige Sichtweisen, Denkanstöße und Beispiele, die nützlich und erhellend sowie inspirierend für Kunstlehrende sein können, welche vor der Aufgabe Inklusion stehen.
Oberhausen: Athena-Verlag, ISBN: 978-3- 89896-649-8, 24,50 €