Paderborn ist… Ort der internationalen Freestyle-Szene!

Am Sonntag war ich, wie mir Marc im Vorfeld geraten hatte, im Goldgrund, um mir den zweiten Teil des BBQ Skatecontests anzusehen. Oder genauer gesagt: ich war beim 19. Paderborner Freestyle Contest! Ich war schon ein paar Minuten vor zwölf da, um nichts zu verpassen. Der eigentliche Wettkampf begann dann erst gegen 14.00 Uhr, was mir aber die Gelegenheit gab, mich mit Teilnehmern, Organisatoren und Zuschauern zu unterhalten oder auch einfach in der Sonne zu sitzen und den Skatern beim Warmfahren zuzusehen. Außerdem war ich sehr gespannt, schließlich hatte Marc den Freestyle-Part des Wettbewerbs als „inoffiziellen Worldcup“ bezeichnet. Der internationale Charakter der Veranstaltung war nicht zu übersehen oder besser gesagt zu überhören: Als ich mich mit meiner Tasche und einer eiskalten Cola auf die Wiese setzte, unterhielt man sich auf dem Platz neben mir auf Englisch. Wie ich später erfuhr, kamen die Teilnehmer unter anderem aus Ungarn, Rumänien, England, Spanien, Schweden, Brasilien und Deutschland. Auch die Zuschauer waren teilweise weit angereist oder aber Paderborner mit und ohne Familien, junge, alte, neue, alteingesessene und auch Studenten, kurzum: ein vollkommen gemischtes, buntes Publikum.

Sobald sich die Gelegenheit bot, quatschte ich kurzerhand einen meiner Sitznachbarn an. Simon aus Hannover war mit der S-Bahn angereist und im letzten Jahr zum ersten Mal beim Paderborner Skatecontest dabei gewesen. Paderborn kannte er davor nur aus dem gleichnamigen Lied der Band „Abstürzende Brieftauben“, in dem aber keine Aussagen über die Stadt gemacht werden. Auch er konnte keine Aussagen über Paderborn machen, da er selbst bisher nur Bahnhof und Skatepark kennt. Er erklärte mir, dass Freestyle Wettkämpfe im Skateboardbereich eine Seltenheit darstellten und, dass dieser Wettkampf „europaweit eine echte Hausnummer“ sei: „Der Contest ist für die deutschen Freestyler eine Must-have-Veranstaltung!“

Simon stellte mich dann Yo Yo Schulz – einem „Urgestein der Freestyle-Szene“ – vor. Yo Yo schilderte dann, wie der Freestyle-Contest nach Paderborn kam: 2001 lief die Kommunikation innerhalb der Skateboard-Szene noch nicht übers Internet, sondern über das „Boardstein“-Magazin. Dort hatte Ratzi (alias Ralf Loser), der Besitzer des Slider/Loser Coffee und „Vater des Skateboardens in Paderborn“, den Wettkampf beworben: Samstag Street/Sonntag Oldschool. Für Yo Yo stellte sich daraufhin die Frage „Was ist oldschool?“, die er daraufhin am Telefon auch Ratzi stellte. Der lud die Freestyler daraufhin zum Contest am Sonntag ein. Daraus ergab sich eine Freundschaft und ein Meilenstein in der Freestyle-Szene.
Yo Yo erklärte mir außerdem, was Freestyle im Skateboarden eigentlich bedeutet, nämlich, dass keinerlei Hilfsmittel wie Rampen oder Geländer verwendet würden, sondern lediglich die flache Ebene genutzt würde. Auch die Skateboards sehen etwas anders aus, sie haben beispielsweise kleine Plastikstege als Verstärkung an den Längsseiten der Bretter, die das Springen auf den Kanten ermöglichen.

Auch mit Ratzi habe ich mich natürlich über den Wettkampf unterhalten und darüber, wie dieser nach Paderborn kam: Ratzi selbst ist in Paderborn aufgewachsen und in seiner Jugend zu „diesem Ding mit den vier Rollen“ gekommen. Die Freundschaften und die sich daraus ergebende Gemeinschaft – in und auch außerhalb der Skateboardszene – macht für ihn letztendlich diese Stadt und das Leben in ihr aus.
Zusammen mit den anderen Paderborner Skateboardern hatte er in anderen Städten an Contests teilgenommen, allerdings fehlte ihnen die Möglichkeit, vielmehr der Ort, an dem sie in Paderborn trainieren konnten. Erst, als die Skatboardgemeinschaft den Verein „Paderborner Asphaltsurfer e.V.“ ins Leben rief, konnte sie etwas bewegen. Erste Sportmöglichkeiten wurden von den Skatern selbst im Inselbadstadion geschaffen; die ersten Rampen hatten sie selbst aus Holz gebaut, erzählte mir Ratzi. Als das Inselbadstadion schloss, wurde er in die Planung des Skateparks im Goldgrund einbezogen.

Von Ratzi und Jan Hatebur, der den Contest in diesem Jahr erstmalig organisierte, wurde mehrfach betont, dass die Veranstaltung ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht möglich wäre. „Die Leute ziehen durch, bis sie umkippen“, erklärte mir Jan. Die Atmosphäre im Goldgrund habe ich persönlich als sehr familiär und freundschaftlich wahrgenommen, was für einen Sportwettbewerb, insbesondere auf internationaler Ebene, alles andere als selbstverständlich ist! Was mich ebenfalls beeindruckt hat war, dass die Sportler alle sehr aufgeschlossen, freundlich und offen waren: Eine Szene ganz ohne Starallüren, wie mir schien! Auch hatte ich den Eindruck, dass alle – Teilnehmer, Organisatoren, Helfer und Zuschauer – viel Spaß hatten. Gewonnen hat den Wettkampf schließlich der deutsche Skateboarder Günther Mokulys, der übrigens unter anderem 11facher Flatland Freestyle Skateboard Weltmeister ist.

Eindrücke vom BBQ Skateboardcontest gibt es in Form von Videos bei den Asphaltsurfern:
www.facebook.com/asphaltsurferev.paderborn

Bilder vom Wettkampf gibt es auf meiner Facebook-Seite: www.facebook.com/StadtschreiberPaderborn

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