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Einführung in die Malerei – Atelierstudien zum Thema Nebel

Anna-Marie Merk: o.T., Acryl auf LW, 100 x 120 cm

Dragana Bajic: o.T., Acryl auf LW, 50 x 40 cm

Evelina Kireeva: Traumbad, Acryl auf LW, 40 x 50 cm

Giulia Mercedes Vogel: o.T., Acryl auf LW, 50 x 70 cm

Nebel – dieses atmosphärische Naturphänomen, das Sichtbares verhüllt und Grenzen auflöst – hat Künstlerinnen und Künstler seit Jahrhunderten fasziniert. In der Malerei steht Nebel nicht nur für meteorologische Gegebenheiten, sondern wirkt als Symbolträger für das Unbestimmte, das Rätselhafte und das Vergängliche. Seine ästhetische Qualität liegt in der Fähigkeit, Formen aufzulösen, Horizonte verschwinden zu lassen und ein Gefühl von Tiefe und Ungewissheit zu erzeugen. Nebel verschiebt die Perspektive, reduziert Kontraste und schafft eine Atmosphäre des Schwebezustands – zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Präsenz und Abwesenheit.

Im übertragenen Sinne wurde Nebel in der Kunst oft als Ausdruck innerer Zustände verstanden: Melancholie, Sehnsucht oder existenzielle Unsicherheit. Besonders in der Romantik nutzten Maler wie Caspar David Friedrich den Nebel, um eine metaphysische Dimension zu evozieren – das Sichtbare als Schleier über dem Unsichtbaren. Der Blick in die nebelverhangene Ferne wird dabei zum Symbol für die Suche nach Sinn, nach Transzendenz, nach dem, was jenseits des Erfassbaren liegt.

Im Laufe der Kunstgeschichte wandelte sich die Bedeutung des Nebels. Während er in der Romantik für das Erhabene, das Mystische stand, wurde er in der Moderne zunehmend zum Zeichen von Entfremdung oder Orientierungslosigkeit. In impressionistischen Werken – etwa bei Monet – erscheint Nebel als Teil einer neuen Sehweise: Licht, Luft und Atmosphäre lösen die festen Konturen der Welt auf und machen die Wahrnehmung selbst zum Thema. Nebel wird hier zum Instrument der Abstraktion, des Spiels mit Licht und Farbe, aber auch zur Metapher für das Ungewisse im modernen Leben.

Heute eröffnet das Thema „Nebel“ vielfältige künstlerische Perspektiven. Es lädt dazu ein, mit Übergängen, Auflösung und Mehrdeutigkeit zu arbeiten – sowohl technisch als auch inhaltlich. Nebel kann als Schutz dienen oder als Barriere, als Ruhepol oder als Ausdruck von Verwirrung. Er fordert dazu auf, das Unscharfe, das Nicht-Festgelegte zuzulassen – in der Kunst wie im Denken.

Im Atelier wollen wir diesen Aspekten nachgehen: Wie lässt sich Nebel malerisch darstellen? Welche Emotionen und Deutungen kann er hervorrufen? Und wie verändert sich unsere Sicht auf die Welt, wenn das Klare dem Diffusen weicht? Das Motiv des Nebels bietet eine spannende Möglichkeit, über Sichtbarkeit, Wahrnehmung und Bedeutung in der Malerei nachzudenken – und gleichzeitig über das, was sich unserem Blick entzieht.

Lehrender: Prof. Max Schulze

Mahruza Javadzade: Nebel, Öl auf LW, 60 x 50 cm

Marie Laukötter: Siedlung im Nebel, Acryl auf LW, 50 x 70 cm

Marlene Freese: o.T., Acryl auf LW, 80 x 60 cm