
Ammar Redžović: Selbstportrait, Tinte auf Kraftpapier, 12 x 13 cm

Anna-Lena Tebrügge: Selbstportrait, Acryl auf Malpappe, 31 x 21 cm

Leah Schnitzler: In their wake, Acryl auf LW, 80 x 120 cm

Leni Colleen Betten: o.T., Acryl auf LW, 90 x 70 cm
Spätestens seit der Renaissancezeit ist das Selbstporträt als Gattung in der Malerei präsent. In dieser Epoche verändert sich die Selbstwahrnehmung von Künstler:innen, die sich nun nicht mehr bloß als Handwerker:innen, sondern als selbstbewusste Künstler:innen verstehen – gleichwertig den Philosoph:innen, Literat:innen und Wissenschaftler:innen ihrer Zeit. Neben der Auseinandersetzung mit der eigenen Physiognomie zeugen viele Selbstbildnisse von einer inneren Auseinandersetzung der Künstler:innen mit sich selbst, ihren Stimmungen, Bedürfnissen und ihrer Vergänglichkeit. Von Rembrandt Harmensz van Rijn (1606–1669) sind rund 80 Selbstporträts überliefert, die er im Laufe von etwa 40 Jahren gemalt hat. Oft stellte er sich lachend, lächelnd oder grinsend dar – zum Beispiel mit einer jungen Gattin in unbekümmerter Fröhlichkeit bei einem intimen Gelage. Die Lust an quasi karnevalesken Verkleidungen spiegelt sich in kostbaren Kostümen wider. Samt, Brokat, Glitzern und Funkeln verdeutlichen eine Neigung zu barocker Lebensfreude. Sie ergänzen nicht nur das Mimische und Gestische in der Anlage der Figuren, sondern sind Ausdruck einer grundsätzlichen Gemütsverfassung bzw. seelischer Befindlichkeiten. Diese bestimmen den geistigen „Blickwinkel“ der malenden Person – ihre „Sicht der Dinge“.
Artemisia Gentileschi hingegen zeigt in ihrem Gemälde Das Selbstporträt als Allegorie der Malerei von 1638/39 ein feministisches Thema – in einer Zeit, in der Frauen selten beruflich tätig waren, geschweige denn öffentlich Anerkennung fanden. Ihre Darstellung ihrer selbst als personifizierte Malerei war eine kühne Aussage für die damalige Zeit.
Rund 300 Jahre später malt Martin Kippenberger 1981 ein Bild, das ihn mit bandagiertem Kopf zeigt. Zuvor hatte ihm „Ratten-Jenny“, eine Berliner Punkerin, ein Bierglas ins Gesicht geschlagen, weil er als Betreiber der Kneipe S.O. 36 die Getränkepreise erhöht hatte. Das Gemälde mit dem Titel Dialog mit der Jugend ist eine ironische Neuinterpretation des berühmten Selbstporträts mit bandagiertem Ohr von Vincent van Gogh aus dem Jahr 1889. Mit dem Spruch „Ich kann mir doch nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden“ kritisiert Kippenberger den Geniekult, der das 19. und 20. Jahrhundert prägte, und persifliert damit die Erwartung an Kunstschaffende, sich ständig neu zu erfinden.
Seitdem die Kameras in Smartphones immer besser geworden sind und die Verknüpfung mit sozialen Medien dank schneller Datennetze reibungslos funktioniert, ist das „Selfie“ allgegenwärtig. Aber wie kann ein Selbstporträt im Jahr 2025 aussehen? Welche Geschichten und Subkontexte lassen sich über die Malerei erzählen – durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Physiognomie, der Kleidung, der Inszenierung, der Malweise oder dem Raum, in dem das Selbstporträt stattfindet?
Lehrender: Prof. Max Schulze

Marie Relecker: o.T., Acryl auf LW, 70 x 50 cm


Maximilian Picker: o.T., Acryl auf LW, 150 x 120 cm
Jessica Raabe: o.T., Acryl auf LW, 50 x 80 cm

Paula Pepping: Unfall bei Nacht, Acryl auf LW, 80 x 60 cm







