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Selbstportrait. Einer/Eine von Euch unter Euch mit EuchEinführung in die Malerei – Atelierstudien zum Thema Rabbit Hole

Ammar Redžović: Selbstportrait, Tinte auf Kraftpapier, 12 x 13 cm

Anna-Lena Tebrügge: Selbstportrait, Acryl auf Malpappe, 31 x 21 cm

Leah Schnitzler: In their wake, Acryl auf LW, 80 x 120 cm

Leni Colleen Betten: o.T., Acryl auf LW, 90 x 70 cm

Spätestens seit der Renaissancezeit ist das Selbstporträt als Gattung in der Malerei präsent. In dieser Epoche verändert sich die Selbstwahrnehmung von Künstler:innen, die sich nun nicht mehr bloß als Handwerker:innen, sondern als selbstbewusste Künstler:innen verstehen – gleichwertig den Philosoph:innen, Literat:innen und Wissenschaftler:innen ihrer Zeit. Neben der Auseinandersetzung mit der eigenen Physiognomie zeugen viele Selbstbildnisse von einer inneren Auseinandersetzung der Künstler:innen mit sich selbst, ihren Stimmungen, Bedürfnissen und ihrer Vergänglichkeit. Von Rembrandt Harmensz van Rijn (1606–1669) sind rund 80 Selbstporträts überliefert, die er im Laufe von etwa 40 Jahren gemalt hat. Oft stellte er sich lachend, lächelnd oder grinsend dar – zum Beispiel mit einer jungen Gattin in unbekümmerter Fröhlichkeit bei einem intimen Gelage. Die Lust an quasi karnevalesken Verkleidungen spiegelt sich in kostbaren Kostümen wider. Samt, Brokat, Glitzern und Funkeln verdeutlichen eine Neigung zu barocker Lebensfreude. Sie ergänzen nicht nur das Mimische und Gestische in der Anlage der Figuren, sondern sind Ausdruck einer grundsätzlichen Gemütsverfassung bzw. seelischer Befindlichkeiten. Diese bestimmen den geistigen „Blickwinkel“ der malenden Person – ihre „Sicht der Dinge“.

Artemisia Gentileschi hingegen zeigt in ihrem Gemälde Das Selbstporträt als Allegorie der Malerei von 1638/39 ein feministisches Thema – in einer Zeit, in der Frauen selten beruflich tätig waren, geschweige denn öffentlich Anerkennung fanden. Ihre Darstellung ihrer selbst als personifizierte Malerei war eine kühne Aussage für die damalige Zeit.

Rund 300 Jahre später malt Martin Kippenberger 1981 ein Bild, das ihn mit bandagiertem Kopf zeigt. Zuvor hatte ihm „Ratten-Jenny“, eine Berliner Punkerin, ein Bierglas ins Gesicht geschlagen, weil er als Betreiber der Kneipe S.O. 36 die Getränkepreise erhöht hatte. Das Gemälde mit dem Titel Dialog mit der Jugend ist eine ironische Neuinterpretation des berühmten Selbstporträts mit bandagiertem Ohr von Vincent van Gogh aus dem Jahr 1889. Mit dem Spruch „Ich kann mir doch nicht jeden Tag ein Ohr abschneiden“ kritisiert Kippenberger den Geniekult, der das 19. und 20. Jahrhundert prägte, und persifliert damit die Erwartung an Kunstschaffende, sich ständig neu zu erfinden.

Seitdem die Kameras in Smartphones immer besser geworden sind und die Verknüpfung mit sozialen Medien dank schneller Datennetze reibungslos funktioniert, ist das „Selfie“ allgegenwärtig. Aber wie kann ein Selbstporträt im Jahr 2025 aussehen? Welche Geschichten und Subkontexte lassen sich über die Malerei erzählen – durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Physiognomie, der Kleidung, der Inszenierung, der Malweise oder dem Raum, in dem das Selbstporträt stattfindet? 

Lehrender: Prof. Max Schulze

Marie Relecker: o.T., Acryl auf LW, 70 x 50 cm

Maximilian Picker: o.T., Acryl auf LW, 150 x 120 cm

Jessica Raabe: o.T., Acryl auf LW, 50 x 80 cm

Paula Pepping: Unfall bei Nacht, Acryl auf LW, 80 x 60 cm

Einführung in die Malerei – Atelierstudien zum Thema Nebel

Anna-Marie Merk: o.T., Acryl auf LW, 100 x 120 cm

Dragana Bajic: o.T., Acryl auf LW, 50 x 40 cm

Evelina Kireeva: Traumbad, Acryl auf LW, 40 x 50 cm

Giulia Mercedes Vogel: o.T., Acryl auf LW, 50 x 70 cm

Nebel – dieses atmosphärische Naturphänomen, das Sichtbares verhüllt und Grenzen auflöst – hat Künstlerinnen und Künstler seit Jahrhunderten fasziniert. In der Malerei steht Nebel nicht nur für meteorologische Gegebenheiten, sondern wirkt als Symbolträger für das Unbestimmte, das Rätselhafte und das Vergängliche. Seine ästhetische Qualität liegt in der Fähigkeit, Formen aufzulösen, Horizonte verschwinden zu lassen und ein Gefühl von Tiefe und Ungewissheit zu erzeugen. Nebel verschiebt die Perspektive, reduziert Kontraste und schafft eine Atmosphäre des Schwebezustands – zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, Präsenz und Abwesenheit.

Im übertragenen Sinne wurde Nebel in der Kunst oft als Ausdruck innerer Zustände verstanden: Melancholie, Sehnsucht oder existenzielle Unsicherheit. Besonders in der Romantik nutzten Maler wie Caspar David Friedrich den Nebel, um eine metaphysische Dimension zu evozieren – das Sichtbare als Schleier über dem Unsichtbaren. Der Blick in die nebelverhangene Ferne wird dabei zum Symbol für die Suche nach Sinn, nach Transzendenz, nach dem, was jenseits des Erfassbaren liegt.

Im Laufe der Kunstgeschichte wandelte sich die Bedeutung des Nebels. Während er in der Romantik für das Erhabene, das Mystische stand, wurde er in der Moderne zunehmend zum Zeichen von Entfremdung oder Orientierungslosigkeit. In impressionistischen Werken – etwa bei Monet – erscheint Nebel als Teil einer neuen Sehweise: Licht, Luft und Atmosphäre lösen die festen Konturen der Welt auf und machen die Wahrnehmung selbst zum Thema. Nebel wird hier zum Instrument der Abstraktion, des Spiels mit Licht und Farbe, aber auch zur Metapher für das Ungewisse im modernen Leben.

Heute eröffnet das Thema „Nebel“ vielfältige künstlerische Perspektiven. Es lädt dazu ein, mit Übergängen, Auflösung und Mehrdeutigkeit zu arbeiten – sowohl technisch als auch inhaltlich. Nebel kann als Schutz dienen oder als Barriere, als Ruhepol oder als Ausdruck von Verwirrung. Er fordert dazu auf, das Unscharfe, das Nicht-Festgelegte zuzulassen – in der Kunst wie im Denken.

Im Atelier wollen wir diesen Aspekten nachgehen: Wie lässt sich Nebel malerisch darstellen? Welche Emotionen und Deutungen kann er hervorrufen? Und wie verändert sich unsere Sicht auf die Welt, wenn das Klare dem Diffusen weicht? Das Motiv des Nebels bietet eine spannende Möglichkeit, über Sichtbarkeit, Wahrnehmung und Bedeutung in der Malerei nachzudenken – und gleichzeitig über das, was sich unserem Blick entzieht.

Lehrender: Prof. Max Schulze

Mahruza Javadzade: Nebel, Öl auf LW, 60 x 50 cm

Marie Laukötter: Siedlung im Nebel, Acryl auf LW, 50 x 70 cm

Marlene Freese: o.T., Acryl auf LW, 80 x 60 cm

Einführung in die Malerei – Atelierstudien zum Thema Rabbit Hole

Aylin Erkurt: o.T., Acryl auf LW, 40 x 50 cm

In diesem Seminar steht das Thema Rabbit Hole im Zentrum – ein vielschichtiger Begriff, der vom Abtauchen in surreale Fantasiewelten bis hin zum Verlust in digitalen Echokammern reicht. Ursprünglich entlehnt aus Lewis Carrolls Alice im Wunderland, beschreibt der Ausdruck das gedankliche Abgleiten in andere Realitäten. Alice folgt dem weißen Kaninchen und landet in einer Welt jenseits logischer Ordnungen – ein Bild für kreative Neugier, aber auch für Kontrollverlust.

Heute wird der Begriff Rabbit Hole auch kritisch verwendet, etwa wenn sich Menschen in extremen digitalen Nischen verlieren. In gesellschaftlichen Debatten, ist vom „Rabbit-Hole-Effekt“ als möglicher Mechanismus für digitale Radikalisierung die Rede. Große Plattformen wie YouTube stehen dabei in der Kritik, durch ihre Empfehlungsalgorithmen zu einer schleichenden Desinformation beizutragen.

Im Seminar nähern wir uns diesem vielschichtigen Thema aus künstlerischer Perspektive. Neben der Erarbeitung einer eigenen Bildvorstellung werden Grundlagen der Maltechnik vermittelt: das Vorbereiten von Malgründen, das Aufspannen und Grundieren von Leinwänden, das Mischen von Farben sowie der gezielte Einsatz von Malmitteln und Werkzeugen. Das Experimentieren mit Material und Ausdruck steht dabei ebenso im Fokus wie das Reflektieren individueller Interessen und Inspirationsquellen.

Dina Inalova: o.T., Acryl auf LW, 80 x 60 cm

Im Seminar nähern wir uns diesem vielschichtigen Thema aus künstlerischer Perspektive. Neben der Erarbeitung einer eigenen Bildvorstellung werden Grundlagen der Maltechnik vermittelt: das Vorbereiten von Malgründen, das Aufspannen und Grundieren von Leinwänden, das Mischen von Farben sowie der gezielte Einsatz von Malmitteln und Werkzeugen. Das Experimentieren mit Material und Ausdruck steht dabei ebenso im Fokus wie das Reflektieren individueller Interessen und Inspirationsquellen.

Lehrender: Prof. Max Schulze

Maja Mendelin: o.T., Acryl auf LW, 40 x 70 cm

Tugba Saydam: Swipe, Fall, Repeat: Verloren im Muster., Acryl auf LW, 50 x 40 cm

Vasiliki Georgiadou, Spiraling, Acryl auf LW, 100 x 70 cm

Burcusm: Digital Swift, Acryl auf LW, 50 x 40 cm


Molino 2025 – En la sobremesa

Marcella Abdalla, Lina Kaliske, Maite Lea Reuter, Luca Tom Scholz, Sofia Thalmann

Sofia Thalmann, Marcella Abdalla, Luca Scholz

Sofia Thalmann

Lina Kaliske, Luca Scholz, Marcella Abdalla, Maite Lea Reuter, Sofia Thalmann

Marcella Abdalla

Maite Lea Reuter

Lina Kaliske, Luca Scholz, Marcella Abdalla, Maite Lea Reuter, Sofia Thalmann

[ˌsoβɾeˈmesa] Substantiv, feminin (la) Die Momente nach einer gemeinsamen Mahlzeit, in denen das Beisammensein nicht endet,sondern sich verdichtet. Ein Zustand zwischen Sättigung und Austausch, Alltag und Intimität– wenn sich Gespräche entfalten, Gedanken zirkulieren und Gemeinschaft entsteht. Einstilles Manifest für das, was geschieht, wenn Menschen wirklich beieinander sind.

Dieses tief verankerte Ritual spanischer Alltagskultur bildet den thematischen Ausgangspunkt der Ausstellung. Es werden Werke präsentiert, die während eines Aufenthalts der Künstler*innen im Rahmen des Molino-Winkler-Stipendiums der Universität Paderborn im Sommer 2024 entstanden sind. Zwei Monate lang lebten und arbeiteten sie in der Molino, einer alten Wassermühle in den andalusischen Bergen, nahe des Dorfes Árchez. Eingebettet zwischen sanften Hügelketten, gewundenen Straßen, weißen Häusern und dichten Olivenhainen, wurde die Mühle zu einem Ort des Rückzugs, der Entschleunigung und des künstlerischen Austauschs. Der Ortswechsel, geografisch wie kulturell, wirkte dabei als produktiver Störmoment im gewohnten Denken und Schaffen. Es entstand ein temporärer Mikrokosmos und geteilter Lebensraum zugleich. 

Die Ausstellung versteht die Sobremesa nicht nur als sprachliches Bild, sondern als ästhetisches Prinzip. Viele der gezeigten Arbeiten sind in kollaborativen Formaten entstanden und reflektieren Aspekte gemeinschaftlicher Produktion, kollektiven Denkens und ortsspezifischer Erfahrung. Installationen, Grafiken, Malereien, textile Objekte sowie fotografische und intermediale Arbeiten verhandeln Themen wie Gemeinschaft, Erinnerung, Raum und Atmosphäre. Das Klima, die Topografie und kulturelle Vielschichtigkeit Andalusiens sind dabei auf subtile Weise in die Werke eingeschrieben. Der Ort ist nicht nur Kulisse, sondern Resonanzraum künstlerischer wie sozialer Erfahung. 

En la Sobremesa ist eine Einladung zur Teilhabe. Eine Haltung, die kollektives Arbeiten als wertvolle Praxis begreift. Die Ausstellung zeigt nicht nur Ergebnisse, sondern auch Spuren eines gemeinsamen Prozesses. Sie ist ein Nachklang – wie ein Gespräch, das nach dem Essen weitergeht.

Sofia Thalmann

Luca Scholz

Lina Kaliske, Sofia Thalmann

CONSTELLATIONS 25 – Studierende des Faches Kunst im Kunstverein Paderborn

Ida Katharina Albers, Louisa Enking, Lea-Marie Göllner, Mareen Kloppenburg, Sarah Köster, Celina Nitschke, Nicole Otto, Maurice Sam, Eleonore Seiferth, Greta Vornweg, Bianca Weber und die Teilnehmer:innen der Performance “Walking on thin Ice”

Bilder: Celina Nitschke: Weggeglitscht I-III, Acryl auf Leinwand, 60 x 50; 75 x 120; 100 x 120 cm; Skulptur: Maurice Sam: Amidst the fog beyond the tears, 2024, Keramik, Glasur & Sand, 51 x 300 cm

Sarah Köster: Fragile Maskulinität, 2024, Jacke aus Küchenrolle und Lappenstoff auf schwarzem Kunststofftorso mit weißem Permanentmarker, 90 x 50 x 25 cm

Bilder: Mareen Kloppenburg: Service, 2024, Acryl auf Leinwand, 60 x 80 cm, Entertainment, 2024, Acryl auf Leinwand, 130 x 150 cm, Acryl auf Leinwand, Holy Crap, 2024, Acryl auf Leinwand, 60 x 40 cm, Acryl auf Leinwand; Skulptur: Ida Katharina Albers: Treibholz, 2025, Biegesperrholz, 160 x 11 x 52 cm

Nicole Otto: Digitale Collage aus der „Serie Bringing climate change home“, 50 x 70 cm

v. l. n. r. Greta Vornweg: ohne Titel, digitale Zeichnung, 21 x 29,7 cm; Mareen Kloppenburg: Service, 2024, Acryl auf Leinwand, 60 x 80 cm,

Maurice Sam: Harbor of Empires, Keramik, 2024, Glasur, Holz, Acryl, 55 x 150 cm

Die zweite Ausgabe der Ausstellungsreihe CONSTELLATIONS zeigt künstlerische Arbeiten von Studierenden, die sich in unterschiedlichen theoretischen und praktischen Seminarkontexten mit dem Thema, oder besser: mit Tendenzen von «Wasser» auseinandergesetzt haben. Entstanden sind vielfältige Arbeiten aus den Bereichen Malerei, Zeichnung, Bildhauerei, Fotografie und Collage die erweitert werden durch mehrteilige Bildstrecken und großformatige Texte. 

Doch was genau sehen wir, wenn wir auf «Wasser» blicken, und was meinen wir, wenn wir «Wasser» sagen? Gewässer? Das Meer, den See oder Fluss? Schnee oder Eis? Das Freibad oder den Pool? Wasser ist ein Urstoff, zugleich ein winziges Molekül und gleichzeitig kostbar, existenziell und in vielerlei Hinsicht die unverzichtbarste Lebensgrundlage für Mensch und Natur. Es besteht aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom. Als chemische Verbindung von Wasserstoff und Sauerstoff steht die Formel: H2O. Klar, geruchslos, farblos und geschmacksneutral – so einfach lassen sich die Grundeigenschaften von Wasser zusammenfassen. Wasser ist aber auch ein Gestaltwandler. Es kommt auf der Erde in drei Zuständen vor: flüssig, gasförmig und fest. Flüssiges Wasser ist ein Wirrwarr von Wassermolekülen. Es kommt aus unseren Wasserhähnen, fließt unter der Erde, in Flüssen und Meeren und bildet Wolken und Nebel in der Luft. Wasser gilt außerdem als Symbol für Reinheit, Ruhe, Kraft und Vergänglichkeit.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit «Wasser» galt und gilt in der Kunst stets als eine immense Herausforderung, das machen auch die hier versammelten 12 Positionen deutlich. Wasser ist in ständiger Bewegung, wechselt permanent Zustand, Aussehen und Farbe und entzieht sich somit einer einzigen Festlegung und eindeutigen Bestimmung. Dadurch treten andere, neue Eigenschaften und Erscheinungsweisen umso stärker hervor, wie Strukturen, Linien und Formen, womit auch neue Beschreibungsweisen und damit auch weitere Anknüpfungspunkte korrespondieren. Gleichzeitig ist Wasser aber auch realer Raum, Ort, Landschaft, Ereignis, Erfahrung und Erinnerung, wodurch es sich als Projektionsfläche existenzieller Reflexionen anbietet. Auf diese Weise treten die studentischen Arbeiten in immer neue Konstellationen, worüber visuelle Strategien zu Künstler*innen sichtbar werden, die das Wasser als künstlerisches Material nutzen und immer auch Anbindungen an aktuelle Debatten von Klimakrise, Ressourcennutzung, Nachhaltigkeit suchen. 

Die für den Kunstverein Paderborn realisierte thematische Bilderschau zeigt auf vielfältige Weise, wie Wasser wahrgenommen, befragt und auf experimentelle oder konzeptuelle Weise in unterschiedliche Medien und Formate transformiert werden kann.

Die Constellations 25 werden durch Ida Katharina Albers, Louisa Enking, Lea-Marie Göllner, Mareen Kloppenburg, Sarah Köster, Celina Nitschke, Nicole Otto, Maurice Sam, Eleonore Seiferth, Greta Vornweg, Bianca Weber und die Teilnehmer:innen der Performance „Walking on thin Ice“ gebildet. 

Prof. Dr. Sabiene Autsch, Prof. Dr. Karina Pauls, Prof. Max Schulze


Ausstellungsdauer:
Sa 14.06. – So 29.06.2025
geöffnet Mi – Fr | So 15 – 18 Uhr | Sa 10 – 14 Uhr
Der Eintritt ist frei.

Kunstverein Paderborn
Kamp 13
33098 Paderborn
www.kunstverein-paderborn.de

Camouflage. Kunst der Tarnung

Hans Brügger: o.T., Arcyl und Spray auf LW, 130 x 150 cm

Carlotta Rodewald: Unentdeckt in der Disko, Arcyl auf LW, 40 x 40 cm

Charlotte Oberhoff: o.T., Arcyl auf Malkarton, 24 x 30 cm

Diana Schmidt: Identität in Auflösung, Arcyl auf LW, 50 x 70 cm

“C’est nous qui avons fait ça!” (Wir haben das gemacht!) soll Picasso beim Anblick einer Kanone in Tarnfarben gerufen haben. Dabei verwies er auf ihre zersplitterten Muster (dazzle prints), die 1915 von der französischen Armee unter künstlerischer Beihilfe entwickelt wurden und die in der Tat, dem analytischen Kubismus entlehnt waren. Tarnmuster und Tarnstrategien sind seit dem Beginn des Ersten Weltkriegs verknüpft mit künstlerischen Strategien und Bildentwürfen. Ob Paul Klee, der während seines Militärdienstes als „Kunstmaler“ die Tarnbemalung der Flugzeuge ausbessern musste und sich von dieser Arbeit für weitere Bilder inspirieren ließ, oder Norman Wilkinson, der vor dem Krieg ein konservativer, die Avantgarde ablehnender Maler von Marine-Sujets gewesen war, dann die Leitung einer Marine-Tarneinheit übernahm und dadurch zum Modernisten wurde: die Verknüpfung von Camouflage und Kunst nimmt in dieser Zeit ihren Anfang. Seit den 1960er Jahren entdeckte die Pop-Kultur das Tarnmuster für sich. Bei Anti-Vietnam- Demonstrationen trugen Veteranen, ihre grün-braunen Dschungel-Uniformjacken, um gegen den Krieg zu protestieren, und machten den ersten Schritt hin zur Subversion der Militärfarben. Heute ist „Camo“ ein Trend-Muster welches sich auf allen erdenklichen Produkten (von Babykleidung bis Kopfkissen) wiederfindet. Es wird  nicht mehr dafür benutzt etwas verschwinden zu lassen, sondern – ganz im Gegenteil – um aufzufallen. Dabei geschieht einer Militarisierung des Zivilen und einer »Zivilisierung« des Militärischen, wie Hans-Christian Dany in seinem gerade erschienenen Buch „MA-1. Mode und Uniform“ schreibt.

Ausgehend von der aktuellen Verwendung dieser Muster in Mode und Design, möchten wir in dem Seminar versuchen, malerisch auf die geänderte Nutzung zu reagieren und uns mit der Frage auseinanderzusetzen, warum gerade heute, in einer Zeit, die von vielen politischen wie sozialen Veränderungen bestimmt ist, Camouflage allgegenwärtig ist.bindet diese theoretischen Überlegungen mit einer künstlerisch-praktischen Herangehensweise: Das Experimentieren mit Lasurtechniken, Sprühfarben und dem Einbeziehen von digitale Arbeitsmethoden in die Malerei. So entstehen Werke, die Abwesenheit und das Flüchtige thematisieren und gleichzeitig neue technische und konzeptuelle Ansätze erproben. Durch Gruppengespräche und Reflexion von Arbeitsschritten wird der kreative Prozess individuell begleitet. Zeitgenössische Positionen dienen als Inspiration, um das visuelle Vorstellungsvermögen zu erweitern. Dieses Seminar richtet sich an alle, die Interesse an experimentellen Techniken, aktuellen Bildthemen und der Reflexion über das Sichtbare und Unsichtbare in der Malerei haben.

Lehrender: Prof. Max Schulze

Enya Bolte: o.T., Arcyl auf Papier, 100 x 70 cm

Ghosting – Geistergleiches Verschwinden in der Malerei

Lea Schulte-Lindhorst: Bis in die Puppen, Arcyl auf LW, 130 x 150 cm

Alina Jakobi: Stimmen der Zeit, Arcyl auf LW, 80 x 100 cm

Alyssa Bergstreiser: O.T., Öl auf Holz, 60 x 56 cm

Gina Müntefering: Du bleibst, Arcyl auf LW, 60 x 80 cm

Das Phänomen des „Ghostings“ ist nicht nur ein Begriff aus der digitalen Kommunikation, sondern kann als eine Metapher für das geisterhafte Verschwinden und der Abwesenheit von Etwas gelesen werden. Ghosting, ein Begriff, der ursprünglich den plötzlichen Kontaktabbruch in zwischenmenschlichen Beziehungen beschreibt, wird hier als Ausgangspunkt einer malerischen Auseinandersetzung verwendet. Dieses Seminar untersucht das Unsichtbare als künstlerisches Konzept und erforscht, wie sich das Motiv des Hirngespinstes, der Transparenz und der Unschärfe sowohl gestalterisch als auch thematisch in der Malerei manifestieren lässt. Wie wird das Flimmern von Vorstellungen, das Verblassen von Bildern und das Verschwinden von Formen sichtbar gemacht? Welche Techniken können Abwesenheit und die Fragilität des Sichtbaren in der Malerei ausdrücken? Auf der Suche nach gesellschaftlichen, psychologischen Themen und ästhetischen Konzepten werden wir Transparenz und Lasur als Maltechniken kennenlernen. Die Technik der Lasur ist bereits seit der Antike bekannt, wurde jedoch besonders mit der Entwicklung der Ölmalerei in der Renaissance perfektioniert. Durchscheinende Farbebenen können, richtig eingesetzt, eine Wirkung von Tiefe, Lichteinfall, Fragilität oder Flüchtigkeit erzeugen und eine malerische Illusion vermitteln. In frühen fotografischen Verfahren, wie der Langzeitbelichtung, entstanden „Geisterbilder“, wenn sich Objekte oder Personen während der Aufnahme bewegten. Diese Effekte, ursprünglich technische Unzulänglichkeiten, wurden später bewusst als gestalterisches Mittel genutzt, um Mehrdeutigkeit, Vergänglichkeit und vermeintlich okkulte Beweise darzustellen. Dies zieht sich bis in die heutige Bildbearbeitung und zeigt sich in den Social Media Kanälen – beispielsweise bei der Simulation von Deepfakes – bei der das Spiel mit Realität und Illusion genutzt, um Sichtbarkeit und Authentizität zu inszenieren. Gleichzeitig eröffnet die Auseinandersetzung mit neuen digitalen Technologien und Social Media in Bezug auf Malerei – Fragen nach Sichtbarkeit, Erinnerung und Bildmanipulation. Diese Techniken werfen grundlegende Fragen nach dem Verhältnis von Bild und Wirklichkeit auf: Was zeigt ein Bild wirklich und was bleibt verborgen?

Das Seminar verbindet diese theoretischen Überlegungen mit einer künstlerisch-praktischen Herangehensweise: Das Experimentieren mit Lasurtechniken, Sprühfarben und dem Einbeziehen von digitale Arbeitsmethoden in die Malerei. So entstehen Werke, die Abwesenheit und das Flüchtige thematisieren und gleichzeitig neue technische und konzeptuelle Ansätze erproben. Durch Gruppengespräche und Reflexion von Arbeitsschritten wird der kreative Prozess individuell begleitet. Zeitgenössische Positionen dienen als Inspiration, um das visuelle Vorstellungsvermögen zu erweitern. Dieses Seminar richtet sich an alle, die Interesse an experimentellen Techniken, aktuellen Bildthemen und der Reflexion über das Sichtbare und Unsichtbare in der Malerei haben.

Lehrende: Carolin Israel

Lajla Dizdar: RB89, Arcyl auf LW, 100 x 80 cm

Lara Bartsch: Verlust, Arcyl auf LW, 40 x 50 cm

SILO AUSSTELLUNG 2025

Mila Heierhoff, Sophia Isaak, Henrike Pohle, Carlotta Rodewald, Madeline Schütze

Daria Büttner, Daria Fomina, Cerrin Hülsiggensen, Vera Kiene, Nicky Kippes, Hauke Kottisch, Celine Laribi, Charlotte Oberhoff, Marie Relecker, Yaara Räder, Luke Schlagregen, Lea Schmücker, Wiebke Siekmann, Nele Take, Selin Nur Üstün, Ina Weinbrich, Hella Westers, Katrin Sofie Vaal,

Julia Farbaniec:

Valentina Angilico, Mandy Berg, Hans Brügger, Adna Camo, Madelaine Dunschen, Vasiliki Georgiadou, Maximilian Giefers, Sophie Günther, Nicky Kippes, Nina Kuhle, Yasmin Kutschera, Oksana Kuitkowski, Erdona Milkurti, Henrike Pohle, Alicia Scheitz, Aysel Yildiz,

Lisa Rempe, Emma Richter

Marcella Abdalla, Xenia Pericie

Auch in diesem Jahr präsentieren die Studierenden der Fächer Kunst und Textil in den Räumen des Silos ihre Arbeiten, die im vergangenen Studienjahr entstanden sind. Zu sehen ist ein breites Spektrum an Arbeiten aus den unterschiedlichen Bereichen wie Malerei, Grafik, Bildhauerei, Fotografie, kuratorische Praxis, Installation, Textildesign und – gestaltung und Performance. Für Besucher:innen ebenso wie für Studieninteressierte entsteht somit ein umfangreiches Bild von künstlerischen und gestalterischen Entwicklungsprozessen.

Eine thematische Verbindung über Gattungsgrenzen hinweg stellt die Auseinandersetzung mit der Rolle von Wasser – als Motiv, als Medium oder in seinen verschiedenen Aggregatzuständen – dar.  Dabei werden aktuelle gesellschaftliche Fragestellungen sowohl in der malerischen als auch der bildhauerischen Arbeit in den Blick genommen: Wasser als Grundlage allen Lebens und als Bedrohung für Leib und Leben angesichts von Extremwettereignissen bedingt durch den Klimawandel. Ein Dreh- und Angelpunkt sowohl in der künstlerischen Arbeit als auch in der wissenschaftlichen Reflexion ist das Fragen nach der Relation zwischen neuen und traditionellen Ausdrucksformen. In der Druckgrafik wird deutlich, dass traditionelle Techniken wie der Holzschnitt und die Kaltnadelradierung auch in der zeitgenössischen Kunst noch eine wichtige Rolle spielen, dass aber auch neue künstlerische Praktiken wie das „Sticker bombing“ hinzutreten. Der Siebdruck wird als Medium zur Gestaltung von Aufklebern genutzt, mit denen Botschaften schnell und überall verbreitet werden können.

Im Bereich Textilgestaltung zeigen die Studierenden in einer selbst konzipierten Präsentation einen vielfältigen Querschnitt kreativer Ansätze – von textilen Experimenten bis hin zu interdisziplinären Projekten. Die Ausstellung gibt auch dieses Mal wieder einen faszinierenden Einblick in die unterschiedlichen Seminare und Semester der letzten Jahre, welcher die Bandbreite technischer, gestalterischer und theoretischer Auseinandersetzungen widerspiegelt. Dazu zählen auch Beiträge aus kulturwissenschaftlichen Seminaren, darunter Podcasts, die Verbindungen zwischen popkulturellen Phänomenen in Musik und Mode analysieren. Eine Installation im Treppenhaus reflektiert das Problem des Raumes, den dreidimensionale Arbeiten für Ihre Entfaltung benötigen, den sie gestalten und neu definieren.

Performance, Fotografie. Imitation vs. Interpretation

Amairani Guevara Diaz: Redpillers

„What‘s real, who‘s real, what‘s fake and who?“ Von Andy Warhol über Gillian Wearin bis Cindy Sherman: Alle tun es! Dieses Seminar widmet sich der praktischen Erforschung und Diskussion eines grundlegenden Aspekts künstlerischer Arbeit, der oft sowohl bewundert, als auch kritisiert wird: der Kunst des Nachahmens und Interpretierens. Durch die Untersuchung von Imitation und Interpretation in verschiedenen künstlerischen Kontexten werden wir die vielfältigen Dimensionen dieses Phänomens erkunden und ihre Rolle bei der Entstehung neuer Werke sowie bei der Entwicklung künstlerischer Traditionen untersuchen.

Lehrkraft: Melo Börner

Anne-Marten Sarrazin: Feiern

Lena Haber: Blut ist kein Tabu, Performance Video

Amairani Guevara Diaz: Miracle Morning, Video

Einführung in die Malerei – Atelierstudien zum Thema Ordnung /Unordnung 

Anna-Marie Merk: o.T., Acryl und Collage auf LW, 80 x 90 cm

Wenn wir heute über Ordnung und Unordnung sprechen, denken wir häufig an zwei gegensätzliche Prinzipien, die unser Leben prägen. Ordnung steht dabei für Struktur, Kontrolle und Vorhersehbarkeit, während Unordnung das Chaotische, Unvorhersehbare und scheinbar Regellose verkörpert. Diese beiden Pole stehen jedoch nicht nur im Widerspruch zueinander, sondern sind eng miteinander verwoben. Die Unordnung kann aus der Ordnung entstehen, genauso wie sich aus dem Chaos neue Strukturen formen können. Beide sind Teil eines dynamischen Wechselspiels, das sowohl unser Denken als auch unsere Umwelt prägt. Auch im Alltag begegnen wir ständig der Frage nach Ordnung und Unordnung. Ein unaufgeräumter Schreibtisch kann sowohl Ausdruck kreativen Schaffens als auch ein Symbol für Chaos und Überforderung sein. Ordnung hingegen vermittelt oft Sicherheit, kann aber auch starr und einschränkend wirken. Es ist dieses Spannungsverhältnis, das Ordnung und Unordnung so faszinierend macht: Die eine kann ohne die andere nicht existieren. Ordnung entsteht, indem Chaos gezähmt wird, und Unordnung bricht aus der Struktur hervor, wenn sie zu eng wird.

Mirjeta Ajeti: Der erste Pinselstrich, Acryl auf LW, 80 x 60 cm

Diese Dualität lässt sich auf viele Bereiche des Lebens übertragen. In der Natur zeigt sich dieses Prinzip beispielsweise in der Selbstorganisation von Systemen: Aus der scheinbaren Unordnung von Molekülen entstehen organische Formen und Lebewesen, während natürliche Katastrophen bestehende Strukturen zerstören und Neues ermöglichen. Auch in der Gesellschaft spielen Ordnung und Unordnung eine entscheidende Rolle, etwa wenn soziale Normen auf rebellische Bewegungen treffen, die bestehende Systeme in Frage stellen.

Die Auseinandersetzung mit Ordnung und Unordnung lädt dazu ein, über unsere eigene Beziehung zu Struktur und Chaos nachzudenken. Wo brauchen wir mehr Ordnung, um Stabilität zu schaffen, und wo kann Unordnung uns helfen, kreative Lösungen zu finden? Vielleicht liegt die Antwort in der Balance zwischen den beiden Polen, die es uns ermöglicht, sowohl Freiheit als auch Orientierung zu erleben.

Lehrender: Prof. Max Schulze

Carlotta Rodewald: Großes Mädchen, Acryl und Papier auf LW, 40 x 50 cm

Annika Wickel: o.T., Acryl auf LW, 90 x 60 cm

Michelle Chiantone, o.T., Acryl auf LW, 60 x 50 cm

Nida Güleç: o.T., Acryl auf LW, 70 x 50 cm

Henrike Pohle: POV: What I eat in a day , Acryl auf LW, 80 x 100 cm

Till Görlitz: Teargas Tuesday, Acryl auf LW, 50 x 50 cm