The Glorious Revolution

England und Europa im Aufbruch zur Moderne?

Eine Ausstellungssimulation


Widersprüchliche Geschichte

England, 1688: Ein Parlament ohne Verfassung sucht einen König ohne Macht. Gefunden wird ein Ausländer, dem Geld und Verbündete für seinen großen Krieg fehlen. Das Ergebnis ist die stabilste ›Notlösung‹ der Weltgeschichte.

Aber stimmt diese Geschichte überhaupt? Was macht den politischen Umsturz ›zukunftsweisend‹ oder gar ›modern‹? Die Objekte der Ausstellung geben darauf widersprüchliche Antworten.

Konzept

Wie revolutionär war die »Glorious Revolution« von 1688/89 eigentlich? Bedeutete sie den Beginn einer modernen politischen Ordnung oder lediglich einen personellen Austausch an der Staatsspitze? Und war dieser Umsturz ein vor allem englisches Ereignis oder vielmehr Teil des europäischen Ringens um Souveränität und Hegemonie, um staatliche Verfasstheit und konfessionelle Ordnung?

Die Ausstellung folgt keiner geschlossenen Fortschrittserzählung, sondern dem Geschichtsmythos. Ihre Objekte eröffnen widersprüchliche Perspektiven auf Vorgeschichte, Ereignis und Erinnerung: Briefe und Flugblätter, Lieder und Spielkarten, Traktate und Memoiren, zeitgenössische Herrscherbilder und gegenwartspolitische Streetart erzählen von Siegern und Verlierern, Traditionen und Brüchen, Selbstinszenierungen und Feindbildern.

So entsteht die Geschichte der »Glorious Revolution« nicht aus einem einzigen Blickwinkel, sondern im Wechsel der Stimmen – und aus der Frage, wie und warum das Geschehen nachträglich zu einer ›glorreichen‹ oder auch zur ›ersten modernen‹ Revolution gemacht werden konnte.

Kensington Palace, London (England)

{in eigener Sache}

Diese Website präsentiert eine simulierte Ausstellung. Sie wurde im Sommersemester 2026 im geschichtswissenschaftlichen Hauptseminar »The Glorious Revolution – England und Europa im Aufbruch zur Moderne?« an der Universität Paderborn entwickelt. Eine reale Ausstellung findet nicht statt; die vorgestellten Objekte befinden sich in den jeweils genannten Museen, Archiven und Sammlungen.

Die Objektanalysen wurden von Studierenden als Beiträge zu einem fiktiven Ausstellungskatalog erarbeitet. Die digitale Präsentation erprobt, wie geschichtswissenschaftliche Fragen und Inhalte durch kuratorische Auswahl, Gestaltung und öffentlichkeitsorientiertes Schreiben vermittelt werden können.

Orange Hall, Donaghadee (Nordirland)
»Invitation Letter« 1688, National Archive, Kew (England)

Aus dem Ausstellungskatalog

Studentische Objektporträts zu den fünf Bereichen der Ausstellung

Zu den Beiträgen gelangt man über die unterstrichenen Titel.

Ordnen

Polemik auf die Geburt James Edward Stuarts (1688)
Konfession und Geschlecht als politisches Argument

Kommunizieren

The Dutch Boare Dissected (1665)
Die Niederlande – vom Gegner zum Befreier?

Kartenspiel (1688/89)
Geschichte machen und deuten als Freizeitvergnügen

Kontextualisieren

Romeyn de Hooghe, ’t Konings Loo (um 1695)
Der unentrinnbare Maßstab des Absolutismus

James Thornhill, William and Mary Presenting the Cap of Liberty to Europe (Entwurf, um 1710)
Englands Beitrag zur europäischen Zukunft – eine Geschichtsfiktion?

Verarbeiten

James II, For my Son the Prince of Wales (1692)
Politisches Vermächtnis als Verlustgeschichte und Zukunftsprogramm

Erinnern

Amen Glass (nach 1720)
Stuart-Verehrung zwischen Nostalgie und Hoffnung

Benjamin West, The Battle of the Boyne (1778)
Selbstvergewisserung in der »Atlantischen Revolution«

Bildnachweise
Header: Adriaan Schoonebeek, Engelants Schouwtoneel. Amsterdam, o. J. [ca. 1691]; The British Museum, Nr. 1868,0808.3308, https://www.britishmuseum.org/collection/object/P_1868-0808-3308.
Kensington Palace: William – stock.adobe.com.
Orange Hall: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Mural,_Donaghadee_Orange_Hall_-_geograph.org.uk_-_958738.jpg; Ross, CC BY-SA 2.0.
»Invitation Letter«: National Archives, Kew, SP 8/1, f. 224r, https://iloi.org/the-immortal-seven-invitation-to-invade.

Das Seminar ist Teil der Profilschwerpunkte »Ge­­schichts- und Er­in­­ne­rungs­­­kul­tur(en), Kul­tur­er­­be« und »Religion und Herrschaft« des Historischen Instituts an der Universität Paderborn.