Der unentrinnbare Maßstab des Absolutismus

Romeyn de Hooghe, ’t Konings Loo (um 1695)

Beitrag von Malte Albers

Papier, Kupferstich, 78 x 77,5 cm, Rijksmuseum Amsterdam, Nr. RP-P-2009-669.

Digitalisat: https://id.rijksmuseum.nl/200513257

Nachdem Jakob II. unter anderem wegen seiner absolutistischen Tendenzen abgesetzt worden war und Wilhelm von Oranien den Thron bestiegen hatte, ließ der niederländische Generalstatthalter sein 1686 errichtetes Schloss Het Loo nahe Apeldoorn erweitern und an seinen neu erworbenen Status als König anpassen. Dieses Schloss nimmt mit seinem Baustil und besonders der Gartenanlage die architektonischen Formen des Barock auf. Es ist dabei besonders von Schloss Versailles inspiriert, welches der ›Erzfeind‹ Ludwig XIV. einige Jahre zuvor hatte errichten lassen.

Der Druck wurde im Zeitrahmen von 1690 bis 1694 vom seinerzeit bekannten Kupferstecher Romeyn de Hooghe erstellt, der bereits länger für Wilhelm ›Propaganda‹ betrieben hatte. Er bewährte sich hierbei so sehr, dass er eine Position im Planungsstab des Schlosses erhielt.1 Im vorliegenden Kupferstich zeigt er das Schloss in all seiner Ausdehnung, aber auch in höfischer Belebtheit.2 Es wird so das Bild eines Schlosses für einen ›absoluten‹ Herrscher nach Vorbild Ludwigs XIV. gezeichnet, der seinen Hof um sich schart und ihm, wie der umgebenden Natur, eine planvolle Ordnung gibt. Das Bild wirkt dabei gleichzeitig in zwei Richtungen: Es richtet sich gegen den französischen Gegner, indem hier gezeigt wird, dass der Machtanspruch Wilhelms dem Ludwigs in nichts nachsteht. Zugleich wirkt es nach innen, indem es als Ausweis der Unterstützung für Wilhelm genutzt wird.

Diese zweite Gruppe stellt den eigentlichen Markt des Drucks dar. Ein wohlhabender Bürger oder Adeliger, der sich mit Wilhelm identifizieren und seine Unterstützung für ihn kundtun will, kauft den halben Quadratmeter Papier, kann diesen auf Leinwand kleben lassen und in seinem Heim präsentieren. Es spielt dabei keine Rolle, ob diese Person jemals das echte Schloss in Het Loo gesehen hat, allein das Bild suggeriert schon eine Zugehörigkeit zum Hof Wilhelms. Somit wird dieser Druck in einem Zuge Statusobjekt und politisches Statement für die Unterstützung des Königs im Einzelnen und einer monarchischen Struktur im Allgemeinen.

Es zeigt sich in diesem Druck das Bild eines Herrschers, der durchaus einen monarchisch-absolutistischen Herrschaftsanspruch stellen möchte – weder den eines Statthalters in den eigentlich republikanischen Niederlanden noch den eines Königs, dessen Vorgänger nur wenige Jahre zuvor aufgrund ähnlicher Umtriebe abgesetzt worden war. Wilhelm demonstriert im Schlossbau, dass er andere Vorstellungen seiner Herrschaft hat: Zentralisierung und Neuordnung, die auf kulturelle und damit politische Gleichrangigkeit mit der französischen Hegemonialmacht zielt. Ganz ähnlich, als Herrscher von europäischem, ja Weltrang, wurde er noch in Thornhills Deckengemälde erinnert. Wer den Druck kaufte, bekannte sich zu diesen Zielen.

  1. Otten, Jeanine: Biografie van Romeyn de Hooghe. In: De Boekenwereld 5 (1988), S. 21–33. ↩︎
  2. Miller, Elizabeth: A Bird’s-Eye View of Het Loo by Romeyn de Hooghe. In: Luxury 4 (2017), S. 149–153; Ronnes, Hanneke: Lusthof Het Loo als nalatenschap. Vorstelijke smaak en nasmaak op een bedaagd buiten. In: De Achttiende Eeuw 42 (2010), S. 47–72. ↩︎