Mittlerweile liegt der Beginn meines Studiums an der Universität Paderborn im Jahr 2020 einige Jahre zurück. Das Lehramtsstudium hat mich von Anfang an angesprochen und fiel mir in vielen Bereichen leicht. Dennoch begleitete mich über einen längeren Zeitraum das Gefühl, dass mir eine Dimension fehlte, die mich auch auf persönlicher Ebene nachhaltig bewegte und herausforderte.
Im Jahr 2023 wurde ich auf das neu eingerichtete Fach Islamische Religionslehre aufmerksam. Als muslimisch sozialisierte, zugleich jedoch eher säkular aufgewachsene Person hatte ich bis dahin kaum Berührung mit einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben. Im Verlauf meines Studiums gewann der Islam durch den Austausch mit meinen Mitstudierenden zunehmend an Bedeutung für mein Leben. Dadurch entstand ein wachsendes Interesse an religiösen Fragen und ihrer Bedeutung für meine eigene Lebensführung. Eine bewusste und methodische Reflexion der eigenen Überzeugungen entwickelte sich jedoch erst mit dem Einstieg in das Fach Islamische Religionslehre.
Bereits zuvor gehörte das Fragen zu meinem persönlichen Glaubensweg. Viele Überlegungen blieben jedoch unausgesprochen, weil sie mit der Sorge verbunden waren, religiöse Inhalte misszuverstehen oder ihnen nicht gerecht zu werden. Im Studium eröffnete sich schließlich ein Raum, in dem Fragen ausdrücklich willkommen waren und als Teil eines ernsthaften Ringens um Erkenntnis verstanden wurden. Mir wurde bewusst, dass kritische Reflexion und das aufrichtige Suchen nach Verständnis tief in der islamischen Gelehrsamkeit verwurzelt sind. Der Koran fordert den Menschen immer wieder dazu auf, sich mit dem Glauben bewusst auseinanderzusetzen und Überzeugungen nicht allein deshalb zu übernehmen, weil sie bereits von den Vorfahren vertreten wurden (vgl. Q 2:170). Entgegen einem unreflektierten Festhalten an den Überzeugungen der Vorfahren ermutigt der Islam zu einer kritischen Reflexion, die das eigene Verstehen vertieft.
Diese Erkenntnis hat meinen Blick auf die Religion nachhaltig verändert. Ich lernte, meine eigenen Überzeugungen zu begründen, unterschiedliche Positionen einzuordnen und den Islam mit größerer intellektueller Offenheit zu betrachten. Dadurch entwickelte sich zugleich ein tieferes Verständnis meiner eigenen Person und der Rolle, die der Glaube in meinem Leben einnimmt. Das Studium vermittelte mir zwar keine fertigen Antworten auf alle meine Fragen, befähigte mich jedoch dazu, einen reflektierten Zugang zu religiösen Fragestellungen zu entwickeln und Verantwortung für meine eigene Überzeugungsbildung zu übernehmen.
Wenn ich heute gefragt werde, ob mich dieses Studium erfüllt, kann ich diese Frage von Herzen bejahen. Mit etwas Abstand erkenne ich deutlich, wie sehr ich mich in den vergangenen Jahren verändert habe. Zu Beginn meines Studiums stand vor allem der Wunsch im Vordergrund, einen gesellschaftlich anerkannten Beruf zu ergreifen, finanzielle Sicherheit zu gewinnen und Wissen weiterzugeben. Heute verbinde ich Bildung jedoch vielmehr mit persönlichem Wachstum und innerer Erfüllung. Der Wunsch zu unterrichten speist sich für mich aus der Überzeugung, andere Menschen auf ihrem eigenen Bildungs- und Reflexionsweg begleiten zu dürfen. Möge mir das in meinem späteren Werdegang gelingen.
Mein besonderer Dank gilt allen Dozierenden, wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Mitstudierenden für die zahlreichen Gespräche, Diskussionen und Denkanstöße, die meinen Studienweg bereichert und meine persönliche wie fachliche Entwicklung nachhaltig geprägt haben.
Ich werde meine Studienzeit stets im Herzen behalten.

Dieser Beitrag wurde von einem Studierenden der Islamischen Religionslehre an der Universität Paderborn verfasst.