Banu choschech legaresch: Wir kommen um die Dunkelheit zu vertreiben

Gerade haben wir zusammen mit den Studierenden des Instituts, Kollegen vom ZeKK, Freunden und sogar einigen Familienmitgliedern die dritte Chanukka-Kerze angezündet. Die kleine jüdische Gemeinde Paderborns (84 Mitglieder) hat uns ihre Türen geöffnet, ihre Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt und uns großzügig bewirtet.

Das Buch der Makkabäer unterstreicht die Bedeutung der jährlichen Feier dieses Festes, um an den bedeutenden Sieg der Hasmonäer   über den Seleukidisch-Hellenistische Reich zu erinnern.

Die Chanukka-Kerzen stehen für eine Geschichte von einem Wunder. Damit soll der Fokus der Feier auf eine göttliche Intervention gelenkt werden. Das ist eine alternative Erzählung zu der  historischen Siegessaga, die nach vielen Jahren und Intrigen zu Korruption, Nepotismus und Vetternwirtschaft geführt hat (167 v.u Z bis 37 u.Z).

Es ist eine Tradition, bei der jeden Tag eine Kerze in aufsteigender Reihenfolge angezündet wird: Am ersten Tag wird eine Kerze angezündet, am zweiten Tag werden zwei Kerzen angezündet und so weiter, bis schließlich am achten Tag acht Kerzen angezündet sind. Die Kernaussage ist, dass das Licht jedes Mal stärker wird, wie es die Schule von Hillel lehrte, und nicht umgekehrt, indem man mit acht Kerzen beginnt und jede einzelne nach und nach löscht, wie es die Schule von Schammai vorgeschlagen hätte (oder wie es der Text in seiner Notwendigkeit predigt, einen einfachen, ansprechenden Stil durch Dialog/Polemik beizubehalten).

Wenn das natürliche Tageslicht knapp und unzureichend ist, besteht oft ein erhöhtes Bedürfnis nach Licht. Licht wird außerdem mit dem Sichtbaren, Transparenten, Sicheren, Freundlichen und Planbaren assoziiert. Dunkelheit hingegen wird oft als Metapher für das Geheimnisvolle, Verborgene, Gefährliche und Ungewisse gesehen. (Ich möchte jedoch anmerken, dass ich mir bewusst bin, dass für viele Menschen die Stunden der Dunkelheit die kreativsten und ruhigsten sind…).

In Zeiten, in denen sich die Himmelsrichtungen zu verschieben scheinen, ist es interessant, sich die Bedeutung von Licht zu vergegenwärtigen. In denen bedrohliche und verwirrende Diskurse und Politiken darauf abzielen, unsere wichtigsten, grundlegenden, konstruktiven und kreativen Ressourcen in Frage zu stellen und zu untergraben.

Damit es dunkel wird, muss es komplett dunkel sein. Das Licht braucht nur eine kleine Flamme, um die Dunkelheit zu schwächen.

Das Chanukka-Fest in Paderborn hat mir mindestens zwei Dinge gezeigt: Erstens, dass wir angesichts der Trostlosigkeit, in die uns dunkle und gewalttätige Kräfte stürzen wollen, weiterhin nach alternativen Wegen, Begleitern und Solidaritäten suchen müssen, die zu originellen sozialen und politischen Handlungen führen. Zweitens, dass die Weisheit der Traditionen, Rituale durchzuführen und gemeinsam zu essen, nicht nur und ausschließlich mit den Menschen der eigenen Tribus, inspiriert, stärkt und uns vielleicht sogar retten könnte.