Entscheidet man sich die berufliche Fachrichtung Wirtschaftswissenschaften zu studieren und zu unterrichten, sollte bewusst sein, dass diese Fachrichtung durch unterschiedlichste Klassen, Lernfelder und Bildungsgänge geprägt ist. Mit Bezug auf meine Praktikumsschule, das Johann-Conrad-Schlaun-Berufskolleg, welches neben technischen, sozialen Schwerpunkten den Fokus auf Wirtschaft und Verwaltung legt, wird deutlich, dass kaufmännische Inhalte in nahezu allen Bildungsgängen vermittelt werden. So müssen in den Berufsfachschulen (Anlage B) im Fachbereich Technik/Naturwissenschaften im Berufsfeld Metalltechnik kaufmännische Inhalte handlungsorientiert vermittelt werden. Es wird deutlich, dass Lehrkräfte mit der beruflichen. So wird gefordert, dass die Lehrkräfte den Lebensweltbezug der Lernenden verstehen und nur durch situationsbezogene Beispiele fachliche Inhalte vermitteln können. Würde man beispielsweise eine Klasse im Fachbereich Technik (konkret: Metalltechnik) unterrichten, liegt die Empfehlung nahe, eine Kalkulation einer Fräsmaschine durchzuführen. Zudem teilt sich die berufliche Fachrichtung Wirtschaftswissenschaften im schulischen Kontext in unterschiedliche Fächer auf. Rechnungswesen,BWL, VWL,Geschäftsprozesse und Informationswirtschaft sind Beispiele, welche zeigen, dass Lehrkräfte aufgefordert werden unterschiedliche Fächer zu unterrichten.
Im Rahmen meines Praxissemesters konnte ich verschiedene Lehrkräfte und somit verschiedene Lehrerpersönlichkeiten beobachten. Durch vermehrte Hospitationen konnte ich erkennen, welche Parameter für guten Unterricht sorgen können. Besonders möchte ich auf die Lehrerpersönlichkeit und die klare Strukturierung des Unterrichts eingehen. Unter klare Strukturierung des Unterrichts verstehe ich, dass das Unterrichtsmanagement funktioniert und wenn die Lernenden erkennen, dass sich ein roter Faden durch die Stunde zieht. Hierzu zählt, dass die Aufgabenstellungen klargestellt werden. die einzelnen Unterrichtsschritte deutlich markiert werden und die Phasierung des Unterrichts transparent wird. Den Lernenden müssen schließlich in der Lage sein, das Ziel des Unterrichts zu erkennen bzw. dieses zu können. Ich konnte während der Hospitationen beobachten, dass einige Lehrkräfte nur noch Zettel und Aufgabenstellungen in der Klasse verteilen und die Lernenden dazu aufgefordert werden diese Zettel zu lesen und die Aufgaben zu bewältigen. Es fehlte den Lernenden der rote Faden, sie bekamen keinen Einstieg und das auffälligste war, dass die Schülerinnen und Schüler die Aufgabenstellungen nicht verstanden. Problematisch war hierbei, dass sie erstens nicht einordnen konnten, um welche Thematik es sich handelt und zweitens die fachlichen Inhalte nicht verstanden, da diese nicht besprochen wurden. Darüber hinaus spielt die Lehrerpersönlichkeit eine normative Rolle für den Unterricht. Wie bereits in dem gelungenen Unterrichtsbeispiel erwähnt, ist guter Unterricht dann erfahrbar, wenn die Leidenschaft der Lehrkraft zum Fach erfahrbar wird und die Lernenden immer wieder begeistert werden. Dies kann durch aktuelle Beispiele aus den Medien oder mit Bezug auf den Lebensweltbezug der Lernenden geschehen. Zudem sollte diese Lehrkraft flexibel handeln können und digitale Kompetenzen beherrschen, um Inhalte visuell am Smartboard festzuhalten.
In Bezug auf meine eigenen Unterrichtsversuche kann ich sagen, dass ich direkt damit anfing eine eigene Unterrichtsreihe zum Thema „Unternehmensformen“ im beruflichen Gymnasium zu lehren. Lustiger weise hatte ich eigentlich damit gerechnet, dass ich circa zwei Doppelstunden hierfür benötige. Mein Zeitmanagement war zu dem Zeitpunkt noch nicht ausgereift, sodass ich letzten Endes sechs Schulstunden benötigte, um die die Reihe abzuschließen. Da das Thema viele unterschiedliche Unternehmensformen enthielt, musste ich mich selber vorbereiten und in das Thema reinlesen. Alleine schon die Unternehmensform der Aktiengesellschaft bedurfte einige Tage, um die wichtigsten Inhalte herauszuarbeiten und zu verstehen. Fragen wie „Was ist eine Stückaktie/ Inhaberaktie/ Nennwertaktie“ musste ich vorab recherchieren. Auch wenn es heißt, dass wir als Studierende voll mit Fachwissen sind, heißt es nicht, dass wir in die Schulen gehen und das Wissen aus den Ärmeln schütteln können. Ich muss mich explizit auf die Themen vorbereiten und diese fachliche so aufbereiten, dass ich die Inhalte methodisch und didaktisch reduziert wiedergeben kann. Die didaktische Reduktion spielt eine normative Rolle. Denn gerade in Bildungsgängen wie der Berufsfachschule sind fachliche Inhalte so zu reduzieren, dass die Lernenden die Fachinhalte verstehen können.
Grundsätzlich kann ich aufgrund meiner Hospitationen und eigener Unterrichtsversuche sagen, dass verschiedene Lehrerkompetenzen und die fachdidaktischen Standards zur Lehrerbildung wie zum Beispiel fachdidaktische Ansätze, Konzepte fachdidaktischer Planung und Evaluation von Unterricht, Methoden und Medien für den Unterricht etc. von normativer Bedeutung für den Unterricht sind. Dennoch habe ich mich bis jetzt nicht konkret auf einzelne Standards fokussiert und diese expliziert wahrgenommen. Ich glaube, dass diese im konkreten Unterrichtsgeschehen, in der Mikroperspektive, so maßgeblich sind, dass sie für die Lernenden, für die Lehrkräfte und für uns als Praxissemesterstudenten selbstverständlich sind und der Unterricht ohne diese Standards in der beruflichen Fachrichtung Wirtschaftswissenschaften nicht stattfinden kann. Weiterhin werde ich mir vornehmen, diese Standards und Lehrerkompetenten stärker wahrzunehmen und für meinen Unterricht zu beherzigen.
