Filmprogramm im Rahmen von GRAINY DAYS – 16MM-FESTIVAL im Metropolis Kino Hamburg am 25.07.2025 um 19:30 Uhr
Filme spielten eine zentrale Rolle bei der Sexualaufklärung und prägten das Wissen über eigene und fremde Körperlichkeit. Dabei sollten etwa Filme über den Menstruationszyklus Lehrpersonen den Unterricht zum Thema Sexualität erleichtern. Das Programm zeigt 16mm-Kopien aus der Filmsammlung des Instituts für Medienwissenschaften der Universität Paderborn aus verschiedenen Jahrzehnten, die eine wechselhafte Geschichte von Tabuisierung, Enttabuisierung und Re-Tabuisierung dokumentieren. Sowohl schematische Animationen als auch Filme mit Spielhandlung wurden verwendet. Sie führen vor Augen, wie Vorstellungen von Weiblichkeit zwischen Menstruation und Mutterschaft verhandelt wurden.
Vom Mädchen zur Frau [Neuverfilmung] (US 1992, Regie: Melissa Jo Peltier)
Der weibliche Zyklus (BRD 1963, Animation: Fritz Brunsch)
Weibliche Zone (BRD 1986, Regie/Buch: Gerda Grossmann, Kamera: Margit Eschenbach)
Programm und Tickets auf der Seite vom Metropolis Kino.
Zu den Filmen
In Vom Mädchen zur Frau erzählt die Protagonistin Allison rückblickend davon, wie es war, als die Pubertät begann. In dieser Zeit, in der sich alles zu verändern schien, war die große Schwester eine Hilfe. Diesen erzählerischen Rahmen nutzt der Film, um Prozesse wie die Menstruation und die Veränderungen des weiblichen Körpers während der Pubertät zu erklären. Der Film setzte verwendete Material von einer früheren Version aus den 1960er Jahren in einen zeitgenössischen Kontext und erweiterte den Aufklärungsfilm – während der AIDS-Pandemie – um die Themen Verhütung und sexuell übertragbare Krankheiten.
Der Lehrfilm Der weibliche Zyklus wurde 1963 vom FWU veröffentlicht. Die 16mm-Kopie des Films konnte über Bildstellen von Schulen ausgeliehen werden. Eingesetzt werden sollte der Film im Biologie-Unterricht, wobei die Klassenstufen von der „oberen Grundschule“ bis hin zu Berufsschulen reichte. Der Film besteht fast ausschließlich aus Animationen, für die der vielfach ausgezeichnete Berliner Trickfilmhersteller Fritz Brunsch verantwortlich war. Die medizinische Fachberatung des Films übernahm der Frauenarzt Claus Moslener, der den aufklärerischen Impetus von Der weibliche Zyklus hervorhob: „Der Film befasst sich mit einem gesellschaftlichen Tabu. Das möglichst vertuschte Ereignis der Regelblutung behält aber nur für Unaufgeklärte stets seine Ominosität. Die ‚kritischen Tage der Frau‘ verdienen ihre Bezeichnung dann nicht mehr, wenn eine Kenntnis der Vorgänge dem Mädchen bzw. der Frau ihre Ungewissheit über die sicht- und fühlbare Veränderung in ihre nimmt und dem männlichen Partner Verständnis abverlangt.“
Im Mittelpunkt des Dokumentarfilms Weibliche Zone stehen Interviews mit Gynäkologinnen, Krankenschwester und der Soziologin Silvia Kontos über die Diskriminierung von Frauenärztinnen bei Einstellungsgesprächen, die gesellschaftlichen Ansprüche an den weiblichen Körper und die Möglichkeiten der Gentechnik und der Reproduktionstechnologien. Erst rückblickend wird deutlich, dass Weibliche Zone Mitte der 1980er Jahre in einer Umbruchphase der Medizin entstand, in der nicht nur die Gentechnik sich entwickelte, sondern auch die Computerisierung der Patient:innenversorgung vorangetrieben wurde. Über ihren Film schrieben Gerda Grossmann und Margit Eschenbach 1987 in der Zeitschrift Frauen und Film: „Klar ist für uns, dass die biologischen, juristischen, familiären, psychologischen etc. Auswirkungen der Reproduktionstechnologien, die ja auch die Voraussetzung für die Gentechnologie sind, im Grunde noch kaum vorstellbar sind. Unser Interesse, diesen Film zu machen, war das Ausfindigmachen und Darstellen der Denkstrukturen, die die Reproduktionstechnologien ermöglichen.“


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