{"id":961,"date":"2022-04-08T19:25:01","date_gmt":"2022-04-08T17:25:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=961"},"modified":"2022-04-08T22:04:09","modified_gmt":"2022-04-08T20:04:09","slug":"guter-fluechtling-boeser-fluechtling-leid-nicht-gegeneinander-ausspielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2022\/04\/08\/guter-fluechtling-boeser-fluechtling-leid-nicht-gegeneinander-ausspielen\/","title":{"rendered":"\u201eGuter Fl\u00fcchtling, b\u00f6ser Fl\u00fcchtling: Leid nicht gegeneinander ausspielen\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_961 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_961')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_961').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/blogs.uni-paderborn.de\\\/zekkblog\\\/2022\\\/04\\\/08\\\/guter-fluechtling-boeser-fluechtling-leid-nicht-gegeneinander-ausspielen\\\/\",\"post_id\":961,\"post_title_referrer_track\":\"%E2%80%9EGuter+Fl%C3%BCchtling%2C+b%C3%B6ser+Fl%C3%BCchtling%3A+Leid+nicht+gegeneinander+ausspielen%E2%80%9C\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mittlerweile sind bereits sechs Wochen seit der russischen Invasion in die Ukraine vergangen, ohne dass Anzeichen erkennbar w\u00e4ren, die auf ein schnelles Ende der Barbarei Russlands hindeuten. Die t\u00e4glichen Bilder aus der Ukraine von zerbombten Wohnh\u00e4usern, Angriffe auf Kliniken, Millionen von Familien auf der Flucht und tausende eingekesselte Menschen ver\u00e4ndern grundlegend unsere Wahrnehmung und r\u00fctteln an Privilegien in Mitteleuropa.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Spreche ich mit meinen Eltern \u00fcber den Krieg in der Ukraine, so wirkt es f\u00fcr sie wie ein Alptraum, der sich erneut in einem anderen Ort der Welt abspielt: Sie selbst haben das Leid, welches die UDSSR mit ihrer Invasion am 26.12.1979 in Afghanistan \u00fcber die gesamte Nation in mehr als zehn Jahren brachte noch sehr genau in Erinnerung. Ich pers\u00f6nlich habe das Grauen des B\u00fcrgerkriegs und die Anf\u00e4nge des Taliban-Regime erlebt und erinnere mich nur zu gut als Kabul eingekesselt von einem Dutzend unterschiedlicher Gruppierungen dem Erdboden gleich zerbombt wurde. Nur zu gut k\u00f6nnen wir in der Familie, die selbst als Opfer des Kriegs zu Fl\u00fcchtlingen wurden, das Leid und den Schmerz der Ukrainer nachempfinden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So \u00e4hnlich die Bilder des Leids und Unrechts sich von Afghanistan \u00fcber Irak und Syrien bis hin zu Ukraine sind, so sehr scheint vieles im Ukrainekrieg anders zu sein: Bereits in den ersten Tagen dieses f\u00fcrchterlichen Kriegs in der Ukraine hie\u00df es hastig seitens amerikanischer oder britischer Journalist:innen, die Ukraine sei \u201ekein Dritte-Welt-Land\u201c, sondern eher \u201eeurop\u00e4isch\u201c und \u201ezivilisiert\u201c. Gleich einige Tage sp\u00e4ter setzt ein ehemaliger hoher ukrainischer Staatsbediensteter in einem BBC Live-Interview nach als er emotional hervorhob, dass er t\u00e4glich sehe wie \u201eeurop\u00e4ische Menschen mit blauen Augen und blonden Haaren\u201c get\u00f6tet w\u00fcrden. Als w\u00e4re das Blut get\u00f6teter Menschen mit braunen Augen und dunklen Haaren nicht rot. Und auch andere europ\u00e4ische Polikter:innen wie etwa die \u00f6sterreichische Verfassungsministerin Karoline Edtstadler machten deutlich, dass es sich bei Ukrainern \u201enicht klassisch\u201c um Fl\u00fcchtlinge handle, sondern um \u201eEurop\u00e4er, die nachbarschaftliche Hilfe und Schutz brauchen\u201c. Auch Berlins B\u00fcrgermeisterin Franziska Giffey lobte k\u00fcrzlich im Rahmen eines Interviews den Arbeitswillen ukrainischer Gefl\u00fcchteter und implizierte zugleich, dass andere Gefl\u00fcchtete zun\u00e4chst nach Sozialleistungen fragten. Diese traurige Aufz\u00e4hlung \u201eeinzelner\u201c Statements lie\u00dfe sich beliebig fortf\u00fchren. Gemein ist ihnen allen, dass Menschen kategorisiert werden in all der Not, in echte und unechte, gute, b\u00f6se oder n\u00fctzliche Fliehende und die Solidarit\u00e4t \u2013 getragen vom Gebot der Menschlichkeit und der europ\u00e4ischen Werte \u2013 bestimmt wird von Hautfarbe, Religion und Herkunft. Noch vor wenigen Monaten sind Menschen aus Syrien und Afghanistan bei zweistelligem Minustemperaturen erfroren, an der Grenze zwischen Belarus und Polen. Ja, Polen, das EU-Land, das jetzt bereits \u00fcber eine Millionen Menschen aus der Ukraine aufgenommen hat, verletzt sonst an seiner Ostgrenze die Mindeststandards von V\u00f6lker- und Europarecht. Und noch gestern hat der Europarat die Zunahme widerrechtlicher Zur\u00fcckweisungen (sog. Pushbacks) von Asylsuchenden an den europ\u00e4ischen Au\u00dfengrenzen als &#8222;systematisches Problem&#8220; angeprangert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nein, Leid darf nicht gegen Leid ausgespielt werden. Aber es w\u00e4re eine Vertiefung erfahrenen und bestehendem Leids, wenn Solidarit\u00e4t kategorisierend w\u00e4re. Gerade die Fastenzeit, die dieses Jahr im Christentum und Islam zeitlich zusammenf\u00e4llt und zudem n\u00e4chste Woche noch das j\u00fcdische Pessach-Fest hinzukommt, l\u00e4dt ein diese Solidarit\u00e4tsensorik im Herzen zu sch\u00e4rfen oder vor anhaftendem Rost zu befreien. Denn die Entsagung w\u00e4hrend der Fastenzeit soll nicht nur in uns die Selbstsucht mindern,&nbsp;sondern hat insbesondere einen sozialen Bezug und manifestiert in erster Linie sich in Barmherzigkeit und Solidarit\u00e4t. Daher bezeichnete der Prophet Muhammad den Monat Ramadan als den Monat der Mitmenschlichkeit. M\u00f6ge diese Mitmenschlichkeit allen Menschen zuteil werden!<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"640\" height=\"463\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/04\/syria-3290733_640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-962\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/04\/syria-3290733_640.jpg 640w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/04\/syria-3290733_640-300x217.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/04\/syria-3290733_640-415x300.jpg 415w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption>Dieses Bild zeigt Fl\u00fcchtlinge aus Syrien oder doch auch Odessa (Ukraine)&#8230;<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color wp-block-paragraph\">Jun.-Prof. Dr. Idris Nassery ist Juniorprofessor f\u00fcr Islamische Rechtswissenschaften am Seminar f\u00fcr Islamische Theologie an der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">#Peaceintheworld #Mitmenschlichkeit #Ramadan<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittlerweile sind bereits sechs Wochen seit der russischen Invasion in die Ukraine vergangen, ohne dass Anzeichen erkennbar w\u00e4ren, die auf ein schnelles Ende der Barbarei Russlands hindeuten. Die t\u00e4glichen Bilder aus der Ukraine von zerbombten Wohnh\u00e4usern, Angriffe auf Kliniken, Millionen &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2022\/04\/08\/guter-fluechtling-boeser-fluechtling-leid-nicht-gegeneinander-ausspielen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8966,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-961","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/961","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8966"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=961"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/961\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":965,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/961\/revisions\/965"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=961"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=961"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=961"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}