{"id":956,"date":"2022-04-01T14:08:54","date_gmt":"2022-04-01T12:08:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=956"},"modified":"2022-04-01T14:08:54","modified_gmt":"2022-04-01T12:08:54","slug":"auschwitz-ist-eine-offene-wunde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2022\/04\/01\/auschwitz-ist-eine-offene-wunde\/","title":{"rendered":"\u201eAuschwitz ist eine offene Wunde\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_956 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_956')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_956').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Es war einiges los: Menschen machten sich auf den Weg zur Arbeit oder zum Einkauf,&nbsp;eine junge Frau schob einen Kinderwagen und gr\u00fc\u00dfte fr\u00f6hlich einer \u00e4lteren Dame, die ihr auf dem Fahrrad entgegenkam. Schlie\u00dflich erreichten wir einen Wohnblock. Hinter einem Kebab-Imbiss, der f\u00fcr g\u00fcnstige Mittagsangebote f\u00fcr Sch\u00fcler warb, gingen wir \u00fcber einen modernen Spielplatz. Kinder tobten an den Spielger\u00e4ten, die frischen Temperaturen des Morgens schienen sie nicht zu st\u00f6ren. Am Ende der Stra\u00dfe ging es nach links weiter, und als wir den gro\u00dfen Busparkplatz sahen, wussten wir, dass wir gleich unser Ziel erreicht haben w\u00fcrden. Unentwegt stiegen gro\u00dfe Gruppen aus den Bussen und steuerten auf den Eingang der Gedenkst\u00e4tte zu. Ein paar Jugendliche posierten f\u00fcr ein Selfie. Wer nicht direkt zum Museum ging, lie\u00df sich von den gro\u00dfen Reklametafeln zum Kiosk oder einem der Restaurants locken.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Stadt, in der wir uns befanden, tr\u00e4gt den Namen O\u015bwi\u0119cim und liegt in S\u00fcdpolen, etwa 60 Kilometer von Krak\u00f3w (Krakau) entfernt. Unter ihrem deutschen Namen Auschwitz erlangte sie traurige Ber\u00fchmtheit. Wir waren an dem Ort angelangt, der als Synonym f\u00fcr eines der gr\u00f6\u00dften Verbrechen der Menschheitsgeschichte steht: den nationalsozialistischen V\u00f6lkermord an rund 6 Millionen J\u00fcdinnen und Juden. Mit 18 Studierenden der Universit\u00e4t Paderborn unternahmen wir vom 11. bis 18. M\u00e4rz 2022 eine Studienfahrt nach Auschwitz. Gemeinsam besichtigten wir das Konzentrationslager, zun\u00e4chst das Stammlager Auschwitz I mit dem zynischen Schriftzug \u201eArbeit macht frei\u201c, und dann, zwei Kilometer entfernt, das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Um das Gesehene zu verarbeiten, erwiesen sich Gespr\u00e4che als wichtig und kostbar \u2013 untereinander, aber auch mit den Menschen vor Ort, dem deutschen Pfarrer Manfred Deselaers sowie einem deutschen Freiwilligendienstleistenden und den einheimischen Jugendlichen und jungen Erwachsenen. \u201eAuschwitz ist eine offene Wunde\u201c, erkl\u00e4rte uns Pfarrer Deselaers. Eine offene Wunde, der gar neue Wunden zugef\u00fcgt werden?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dass die weltweite Gesellschaft angesichts des belastenden Erbes nach Auschwitz weiterhin herausgefordert ist, zeigt sich j\u00fcngst im Krieg in der Ukraine. Mit dem Vorwand der \u201eEntnazifizierung\u201c begann seitens Russlands ein Feldzug, der seit einigen Wochen viel Leid, Zerst\u00f6rung und Tod sowie eine weltweite Ersch\u00fctterung mit sich brachte.&nbsp;<a href=\"https:\/\/hilfsnetzwerk-nsverfolgte.de\/\">Unter den Leidtragenden sind auch die \u00dcberlebenden nationalsozialistischer Verfolgung. Sie brauchen jetzt mehr denn je unsere Hilfe<\/a>, hei\u00dft es im neugegr\u00fcndeten Hilfsnetzwerk f\u00fcr \u00dcberlebende der NS-Verfolgung in der Ukraine. Menschen, die einst den nationalsozialistischen Schrecken \u00fcberlebt hatten, sind neuen individuell und gesellschaftlich tiefgehenden physischen und psychischen Wunden ausgesetzt. Doch die Willkommenskultur und von N\u00e4chstliebe erf\u00fcllten Begegnungen mit ukrainischen Gefl\u00fcchteten in O\u015bwi\u0119cim lie\u00dfen in dem bedr\u00fcckenden Schatten der \u00f6rtlichen NS-Vergangenheit und des aktuellen Krieges einen einpr\u00e4gsamen Hoffnungsschimmer erscheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>All diese Eindr\u00fccke und Gedanken nahmen wir mit, als wir abends wieder zur\u00fcck zum Hotel gingen. Nachdem wir den Busparkplatz hinter uns lie\u00dfen und um die Ecke bogen, \u00fcber den Spielplatz, vorbei am Kebab-Imbiss und den Wohnblocks, wurde es ruhiger.&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/70-jahre-befreiung-von-auschwitz-alltag-und-horror\/11273872.html\">Die KZ-Gedenkst\u00e4tte ist in O\u015bwi\u0119cim einer der gr\u00f6\u00dften Arbeitgeber, zugleich k\u00e4mpft die Stadt um Normalit\u00e4t.<\/a>&nbsp;In der polnischen Sprache unterscheiden die Menschen zwischen O\u015bwi\u0119cim und Auschwitz. Das hilft den Einwohner*innen, dass die h\u00e4sslichen Narben ein wenig verheilen k\u00f6nnen, die die Deutschen in ihrer Stadt hinterlassen haben. In der deutschen Sprache bleibt Auschwitz derweil fest verankert \u2013 als mahnendes Gedenken eines \u201eNie wieder\u201c, als Aufruf an uns, unsere Studierenden und alle folgenden Generationen, nicht aus Schuld, sondern aus Verantwortung.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/03\/IMG_3342-768x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-957\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/03\/IMG_3342-768x1024.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/03\/IMG_3342-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/03\/IMG_3342-1152x1536.jpg 1152w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/03\/IMG_3342-1536x2048.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/03\/IMG_3342-scaled.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Stephanie Lerke ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f\u00fcr Evangelische Theologie der Technischen Universit\u00e4t Dortmund und Lehrbeauftragte am Institut f\u00fcr Evangelische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn, Jan Christian Pinsch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut f\u00fcr Evangelische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn und Lehrbeauftragter am Institut f\u00fcr Evangelische Theologie und Religionsp\u00e4dagogik der Julius-Maximilians-Universit\u00e4t W\u00fcrzburg.<\/p>\n\n\n\n<p>#Auschwitz #Verantwortung #Ukraine<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein etwas anderer Reisebericht \u00fcber einen Samstag im M\u00e4rz: Bis zum Ziel w\u00e4ren es von unserem Hotel mit dem Taxi nur ein paar Minuten gewesen, doch an diesem Morgen entschieden wir uns f\u00fcr einen Spaziergang. 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