{"id":910,"date":"2022-02-04T12:54:25","date_gmt":"2022-02-04T11:54:25","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=910"},"modified":"2022-02-04T12:54:25","modified_gmt":"2022-02-04T11:54:25","slug":"nahtoderfahrungen-und-ihre-deutungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2022\/02\/04\/nahtoderfahrungen-und-ihre-deutungen\/","title":{"rendered":"Nahtoderfahrungen und ihre Deutungen"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_910 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_910')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_910').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/blogs.uni-paderborn.de\\\/zekkblog\\\/2022\\\/02\\\/04\\\/nahtoderfahrungen-und-ihre-deutungen\\\/\",\"post_id\":910,\"post_title_referrer_track\":\"Nahtoderfahrungen+und+ihre+Deutungen\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>\n<p>Laut verschiedenen Umfragen hatten sch\u00e4tzungsweise mind. vier bis f\u00fcnf Prozent der Menschen eine Nahtoderfahrung. Wenn \u00fcber dieses Thema diskutiert wird, verl\u00e4uft die Diskussionslinie oft an der Frage entlang, ob sie sich allein durch neuropsychologische Prozesse o.\u00c4. erkl\u00e4ren lassen, das \u201eletzte Atemholen\u201c in einem Abbauprozess darstellen, oder ob sie tats\u00e4chlich einen kleinen Blick auf ein wom\u00f6gliches Jenseits verschaffen, oder zumindest einen kleinen Vorgeschmack erm\u00f6glichen. Meiner Ansicht nach ist diese Debatte spannend, l\u00e4sst allerdings wenig Raum f\u00fcr eine andere Fragedimension: Was macht eine Nahtoderfahrung mit einem Menschen? Hinterl\u00e4sst sie eine freisetzende oder bedr\u00fcckende Wirkung?<a href=\"\/\/BD26BBF1-654A-4DB3-A98D-FB582CD34BEC#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Wie ver\u00e4ndern sich Deutungsmuster und Sichtweisen auf die Welt, wie beeinflussen sie das Leben? Von au\u00dfen Deutungsmuster zu rationalisieren kann schnell \u00fcbergriffig werden oder zumindest Dimensionen wegrationalisieren, was dann dazu f\u00fchrt, dass diese Erfahrungen manchmal selbst im engsten Familienkreis nicht miteinander geteilt werden, weil sie schlie\u00dflich \u201enur Hirnprozesse\u201c beschreiben oder als irrational angesehen werden, oder dass ihnen zumindest f\u00fcr sich selbst nicht weiter nachgesp\u00fcrt wird, obwohl sie doch eigentlich etwas sehr Bereicherndes sein k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Thema ist f\u00fcr mich besonders interessant, weil ich selbst im Alter von 7 Jahren einer solchen Erfahrung begegnet bin. Die Frage war f\u00fcr mich als Kind nicht, welche Hirnprozesse ablaufen, noch, ob das, was ich wahrgenommen habe, \u201ewahr\u201c oder \u201efalsch\u201c war. Da war \u00fcberhaupt gar kein Gedanke. Nur tiefe Ruhe und Stille, wie ich so eine Art von Stille im Leben nie wieder vernommen habe, auch wenn ich sie mir immer wieder versuche ins Gewahrsein zu rufen. Und auch sehr viel Demut, Gleichmut, Sanftmut, ein liebevolles und ruhiges Gewahrsein der Welt trotz und gerade wegen einer lebensbedrohlichen Situation. Diese Erfahrung war ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Geschenk f\u00fcr mich, da dort etwas war, was ich selbst mit gr\u00f6\u00dfter M\u00fche und Anstrengung niemals selbst hervorrufen oder herstellen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich lese mir gern Berichte von anderen durch, die \u00fcber ihre Nahtoderlebnisse berichten und ihre Erfahrung, oder das, was sie aus dieser Erfahrung mitnehmen, teilen. Denn die Erfahrung selbst l\u00e4sst sich weder ganz teilen noch in Worte fassen, aber die Konsequenzen und pers\u00f6nlichen Ertr\u00e4ge f\u00fcr die eigene Weltdeutung lassen erahnen, dass ein innerlicher Prozess stattgefunden hat, der aus oder von dieser Erfahrung nachhaltig gepr\u00e4gt ist. Zwar l\u00e4sst sich aus meiner Sicht nie ganz rekonstruieren, ob nun gewisse Erfahrungen allein ein bestimmter Ausl\u00f6ser f\u00fcr Entscheidungen und Inhalte im Leben sind oder nicht, aber doch m\u00fcssen sie unabweislich einen Einfluss auf uns genommen haben. Hin und wieder stelle ich mir z.&nbsp;B. die Fragen: H\u00e4tte ich wohl Philosophie und Theologien im Dialog studiert, wenn ich diese Erfahrung nicht erlebt h\u00e4tte? Wie w\u00e4re mein Leben dann wohl verlaufen, \u00e4hnlich oder ganz anders? Wie h\u00e4tte ich diese Erfahrung nicht anders als ein Geschenk deuten k\u00f6nnen, christlich gepr\u00e4gt? H\u00e4tte ich mich wirklich so sehr mit dem Buddhismus besch\u00e4ftigt, wenn mich diese Stille nicht innerlich so ergriffen h\u00e4tte?&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch mit Menschen aus anderen Traditionen habe ich gesprochen oder von ihren Berichten gelesen. Dabei ging es gar nicht prim\u00e4r um eine \u00dcbereinstimmung oder Unterschiede des Erlebten auf inhaltlicher Ebene, wie eine gemeinsame Erfahrung eines sanften und hellen Lichts, noch um ein rationalisierendes Erkl\u00e4rungsmuster, sondern vielmehr um Deutungsmuster vor dem Hintergrund der eigenen religi\u00f6sen Tradition (wenn sich aus einer Tradition heraus verstanden worden ist) und pers\u00f6nlichen, zaghaften Deutungsversuchen.&nbsp;Denn sind diese Berichte nicht gerade so spannend und bereichernd, weil sie Offenheit zur Deutung und zum Staunen lassen, wenn wir ihnen diesen Raum gew\u00e4hren, in einer Zeit, in der wir am liebsten alles erkl\u00e4ren und verstehen m\u00f6chten? Und sind sie nicht gerade ein Anlass zum interreligi\u00f6sen und interdisziplin\u00e4ren Dialog, weil sie sich von so vielen Perspektiven aus adressieren lassen, weil sie auf unterschiedliche Weise herausfordern und anregen?<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"\/\/BD26BBF1-654A-4DB3-A98D-FB582CD34BEC#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Beides scheint z.&nbsp;B. nach den Schilderungen der Befragten von Moody m\u00f6glich zu sein. Vgl. Raymond A. Moody, Nachgedanken \u00fcber das Leben nach dem Tod. 3. Aufl., Reinbek: Rowohlt 2012.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/02\/dark-gdc620f755_1920-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-911\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/02\/dark-gdc620f755_1920-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/02\/dark-gdc620f755_1920-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/02\/dark-gdc620f755_1920-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/02\/dark-gdc620f755_1920-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/02\/dark-gdc620f755_1920-450x300.jpg 450w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/02\/dark-gdc620f755_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Sarah Lebock ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum f\u00fcr Komparative Theologie und Kulturwissenschaften (ZeKK).<\/p>\n\n\n\n<p>#Nahtoderfahrungen #Licht #Stille #Staunen<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Laut verschiedenen Umfragen hatten sch\u00e4tzungsweise mind. vier bis f\u00fcnf Prozent der Menschen eine Nahtoderfahrung. Wenn \u00fcber dieses Thema diskutiert wird, verl\u00e4uft die Diskussionslinie oft an der Frage entlang, ob sie sich allein durch neuropsychologische Prozesse o.\u00c4. erkl\u00e4ren lassen, das \u201eletzte &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2022\/02\/04\/nahtoderfahrungen-und-ihre-deutungen\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8966,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-910","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/910","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8966"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=910"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/910\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":915,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/910\/revisions\/915"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=910"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=910"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=910"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}