{"id":905,"date":"2022-01-28T11:11:32","date_gmt":"2022-01-28T10:11:32","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=905"},"modified":"2022-01-28T11:11:32","modified_gmt":"2022-01-28T10:11:32","slug":"back-to-the-roots-zwischen-sport-und-reisemagazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2022\/01\/28\/back-to-the-roots-zwischen-sport-und-reisemagazin\/","title":{"rendered":"Back to the roots &#8211; Zwischen Sport und Reisemagazin"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_905 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_905')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_905').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/blogs.uni-paderborn.de\\\/zekkblog\\\/2022\\\/01\\\/28\\\/back-to-the-roots-zwischen-sport-und-reisemagazin\\\/\",\"post_id\":905,\"post_title_referrer_track\":\"Back+to+the+roots+%26%238211%3B+Zwischen+Sport+und+Reisemagazin\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In den Medien ist oft der Satz zu h\u00f6ren, dass die Pandemie uns als Gesellschaft ver\u00e4ndern wird. Pers\u00f6nlich kann ich die Aussage nur best\u00e4tigen. Seit Beginn der pandemischen Situation habe ich eine neue Leidenschaft: Todesanzeigen lesen. Sie sind in meiner Tageszeitung jeden Samstag als Beilage zwischen dem Sportteil und dem Reisemagazin zu finden. Durch die starken Kontakteinschr\u00e4nkungen im Fr\u00fchjahr 2020 waren die Todesanzeigen f\u00fcr mich ein wichtiges Informationsmedium, um Kenntnis von dem Tod von Menschen aus dem Bekanntenkreis oder stadtbekannten Pers\u00f6nlichkeiten zu nehmen. Mittlerweile lese ich nicht nur die Namen in den gr\u00f6\u00dferen Anzeigen, sondern betrachte jede noch so kleine Anzeige. Meine Gedanken kreisen um jeden Einzelnen und was von ihnen durch die Anzeige \u00fcbrigbleibt. \u201eJede Seele wird den Tod schmecken\u201c (Sure 21, Vers 156). Mit dem Tod ist das Ende ihres irdischen Daseins markiert und ihre Seele ist zu ihrem Ursprung zur\u00fcckgekehrt, so wie der Koran es in Sure 2, Vers 156 sagt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">L\u00e4ngst verabschiedet habe ich mich von dem Gedanken, das Leben der Verstorbenen nach der Verweildauer auf der Erde nach dem Motto \u201eWer lange gelebt hat, hatte ein gutes Leben\u201c zu bewerten. In Gedanken hoffe ich, dass sie ein erf\u00fclltes Leben hatten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jedes Mal, wenn ich im Freundes- und Bekanntenkreis von meiner Leidenschaft erz\u00e4hle, nehme ich unterschiedliche Reaktionen darauf wahr, die auch vermutlich symptomatisch f\u00fcr den gesellschaftlichen Umgang mit diesem Thema sind. Ich wurde letztens gefragt, warum ich es mache. Ich antworte: Sie steigern meine Dankbarkeit f\u00fcr das Leben als ein Geschenk und anvertrautes Gut Gottes. Sie ver\u00e4ndern meine Perspektive auf meine eigene Endlichkeit. Manchmal f\u00fchrt das Thema auch zu einer Stille und ist wie ein Stimmungskiller. In der Mehrheit der Gesellschaft wird das Thema oft wie etwas Privates, wie ein Tabuthema behandelt und f\u00fchrt zu einer erschrockenen Verschlossenheit und Zur\u00fcckhaltung. H\u00e4ngt die Verdr\u00e4ngung des Themas in unserer Gesellschaft damit zusammen, dass in unserer s\u00e4kularisierten Gesellschaft kein Platz f\u00fcr die Endlichkeit und damit der Begrenztheit der menschlichen Existenz ist? Der Drang nach der Steigerung der Leistungsf\u00e4higkeit und Selbstoptimierung l\u00e4sst eben keinen Platz f\u00fcr die Verletzlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In vielen Todesanzeigen lese ich den Satz: \u201eDie Beisetzung findet im engsten Familienkreis statt\u201c. Eine Aussage, der viele Muslim*innen mehr als irritiert. Im muslimischen Kontext sind Bestattungen keine Privatangelegenheit der Familie. Sie haben immer einen \u00d6ffentlichkeitscharakter, zumal die islamische Jurisprudenz es als Aufgabe der Gemeindemitglieder definiert, ihre Toten zu beerdigen. In meinem Herkunftsland ist es Tradition, auf die Beisetzung eines Verstorbenen mit einem Gebetsruf zwischen den Gebetszeiten \u00fcber Lautsprecher hinzuweisen und den Ort des Totengebetes und des Friedhofes so bekannt zu geben. Und wenn man sich zuf\u00e4llig in der N\u00e4he aufh\u00e4lt, nimmt man an dem Begr\u00e4bnis als Erinnerung daran teil, dass ein Mitglied der Menschheitsfamilie seine Reise zu seinem Sch\u00f6pfer, angetreten hat, back to the roots.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcbrigens findet man Todesanzeigen von verstorbenen Muslim*innen ohne Migrationsgeschichte. Verstorbene mit einer Migrationsgeschichte werden mehrheitlich immer noch in ihre Heimatl\u00e4nder \u00fcberf\u00fchrt. Wenn eine Bestattung in Deutschland erfolgen soll, legt man Wert auf eine zeitnahe Beisetzung, sodass die Beisetzung schneller erfolgt als das Erscheinen der Todesanzeige. Auch wird die Todesnachricht einer verstorbenen muslimischen Person oft \u00fcber die sozialen Medien schneller und effektiver verbreitet. Hin und wieder werde ich von Mitgliedern der Mehrheitsgesellschaft gefragt, ob an dem Tag X eine bekannte muslimische Pers\u00f6nlichkeit auf dem muslimischen Grabfeld beigesetzt worden sei, da man dort eine gro\u00dfe Menschenansammlung gesehen habe. In muslimischen Kontexten spielt die F\u00fcrsorge eine gro\u00dfe Rolle, sodass Verwandte, Freunde oder Bekannte noch zum Teil wochenlang sich um die Hinterbliebenen k\u00fcmmern und sie im Alltag unterst\u00fctzen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Phillippe Ari\u00e9s arbeitet in seinen B\u00fcchern historisch auf, dass in fr\u00fcheren Epochen in Europa die Gemeinschaftskomponente im Umgang mit dem Tod durchaus st\u00e4rker war. Seit dem 20. Jahrhundert wird der Tod nach Ari\u00e9s als ein notwendiges \u00dcbel angesehen, dass man nicht in die \u00d6ffentlichkeit tr\u00e4gt. Inwieweit solche Ver\u00e4nderungen auch in muslimischen Gesellschaften stattgefunden haben bzw. Muslim*innen als religi\u00f6se Minderheit in Europa von dem Umgang der dominanten Kultur beeinflusst werden, w\u00e4re eine empirische Untersuchung wert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"724\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/dandelion-gb97e1e08f_1920-1024x724.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-906\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/dandelion-gb97e1e08f_1920-1024x724.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/dandelion-gb97e1e08f_1920-300x212.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/dandelion-gb97e1e08f_1920-768x543.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/dandelion-gb97e1e08f_1920-1536x1086.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/dandelion-gb97e1e08f_1920-424x300.jpg 424w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/dandelion-gb97e1e08f_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color wp-block-paragraph\">Dr. Naciye Kamcili-Yildiz ist Mitarbeiterin am Seminar f\u00fcr Islamische Theologie der Universtit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">#Tod #Islam #privat #Leben<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In den Medien ist oft der Satz zu h\u00f6ren, dass die Pandemie uns als Gesellschaft ver\u00e4ndern wird. Pers\u00f6nlich kann ich die Aussage nur best\u00e4tigen. Seit Beginn der pandemischen Situation habe ich eine neue Leidenschaft: Todesanzeigen lesen. Sie sind in meiner &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2022\/01\/28\/back-to-the-roots-zwischen-sport-und-reisemagazin\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8966,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-905","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/905","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8966"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=905"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/905\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":909,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/905\/revisions\/909"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=905"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=905"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=905"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}