{"id":895,"date":"2022-01-15T08:09:55","date_gmt":"2022-01-15T07:09:55","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=895"},"modified":"2022-01-15T08:09:55","modified_gmt":"2022-01-15T07:09:55","slug":"eine-talmudische-weisheit-ueber-nachhaltigkeit-gemeinschaft-und-tod","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2022\/01\/15\/eine-talmudische-weisheit-ueber-nachhaltigkeit-gemeinschaft-und-tod\/","title":{"rendered":"Eine talmudische Weisheit \u00fcber Nachhaltigkeit, Gemeinschaft und Tod"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_895 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_895')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_895').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Tu bischwat feiert den ersten Austrieb der Fr\u00fcchte der B\u00e4ume und zeigt einen kleinen Vorgeschmack auf das Ende des Winters.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Baum ist eine Inspirationsquelle f\u00fcr viele Kulturen, er kann Kontinuit\u00e4t und Verwurzelung, Fruchtbarkeit, die Verbindung mit der Unterwelt, mit der Gegenwart und mit den g\u00f6ttlichen himmlischen Welten darstellen.&nbsp;Bei verschiedenen V\u00f6lkern hat der Baum eine fast spirituelle \u00c4hnlichkeit mit dem Menschen, er wird verg\u00f6ttert und respektiert. Ihm werden magische und prophetische Eigenschaften zugeschrieben. Die biblische Tradition betrachtet den Baum als R\u00e4tsel und Spender von Fr\u00fcchten, die Wissen wecken (Genesis 2), sie personifiziert und politisiert den Baum (in der Fabel von Iotam, Richter 9), behandelt ihn als Belohnung und begehrtes Gut (in der Prophezeiung von Hoshea 14), bis hin zur ausgefeiltesten und wertvollsten Form innerhalb der j\u00fcdischen Tradition: der Betrachtung der Thora selbst als Baum des Lebens (Spr\u00fcche 3).&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In einer Erz\u00e4hlung aus dem babylonischen Talmud (Taanit 23a) schwingen zwei \u00fcberraschend zeitgen\u00f6ssische Bedeutungen des Baumes und der Natur insgesamt mit, zu denen sich ein Appell gesellt, der sinnvollerweise aktuell ist. Hier in zusammengefasster Form:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Honi HaMe\u00b4aggel soll ein Weiser gewesen sein, der die F\u00e4higkeit besa\u00df, Regen fallen zu lassen, indem er sich auf einen Kreis (haMaagal) stellte und betete, dass in Zeiten der D\u00fcrre der Regen kommen m\u00f6ge. Eines Tages ging Honi&nbsp;die Stra\u00dfe entlang, als er einen Mann sah, der einen Johannisbrotbaum pflanzte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eDa fragte er ihn: Nach wie vielen Jahren tr\u00e4gt er? Jener erwiderte: Nach siebzig Jahren. Dieser fragte weiter: Bist du \u00fcberzeugt davon, da\u00df du noch siebzig Jahre leben wirst? Jener erwiderte: Ich habe Johannesbrotb\u00e4ume auf der Welt vorgefunden; wie meine f\u00fcr mich pflanzten, ebenso will ich f\u00fcr meine Nachkommen pflanzen. Hierauf setzte er sich, a\u00df sein Brot, worauf der in den Schlaf fiel.\u201c (b.Taanit 23a)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Felsenwand bildete sich um ihn, sodass er f\u00fcr niemanden sichtbar war und schlief siebzig Jahre lang. Als Honi erwachte, sah er einen Mann, der Johannisbrot von diesem Baum pfl\u00fcckte. \u1e24oni fragte: Bist du derjenige, der diesen Baum gepflanzt hat? Der Mann antwortete ihm: Ich bin der Sohn seines Sohnes.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darauf ging \u1e24oni nach Hause und fragte die Mitglieder des Hauses: Ist der Sohn von \u1e24oni HaMe&#8217;aggel am Leben? Sie sagten zu ihm: Sein Sohn ist nicht mehr bei uns, aber der Sohn seines Sohnes lebt noch. Er sagte zu ihnen: Ich bin \u1e24oni HaMe&#8217;aggel. Sie glaubten ihm nicht. Er ging in das Lehrhaus, wo er die J\u00fcnger \u00fcber einen Gelehrten sagen h\u00f6rte: Seine Halachot (Gesetze) sind so erhellend und so klar wie in den Jahren von \u1e24oni HaMe&#8217;aggel.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u1e24oni sagte zu ihnen: Ich bin es, aber sie glaubten ihm nicht und zollten ihm nicht den geb\u00fchrenden Respekt. \u1e24oni wurde sehr w\u00fctend, betete um Gnade und starb. Rava sagte: Dies erkl\u00e4rt die Volksweisheit, die die Menschen erz\u00e4hlen: (<em>o<\/em><em>Chevruta o Mituta<\/em>) Entweder Freundschaft oder Tod.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben der Botschaft der Nachhaltigkeit und der R\u00fccksichtnahme auf die Natur f\u00fcr unsere n\u00e4chsten Generationen, die die Geschichte bietet, stellen wir fest, dass der Talmud (und die j\u00fcdische Tradition im Allgemeinen) Einsamkeit, Askese und alternative Formen zu der Gemeinschaft und des sozialen Lebens bek\u00e4mpft. Im aram\u00e4ischen Original klingt &#8222;o Chevruta o Mituta&#8220; am st\u00e4rksten nach.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir erleben gerade paradoxale Zeiten, in denen &#8222;Chevruta&#8220; (Gesellschaft) zu &#8222;Mituta&#8220; (Tod) oder Krankheit f\u00fchren kann und das Alleinsein zum Leben. Die Herausforderung ist nun, den Gegensatz zu durchbrechen, den Honis Geschichte darstellt und nach Mittelwegen zwischen den beiden Extremen zu suchen. Es ist meine Hoffnung, dass uns allen dies gelingt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"685\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/hands-g5e6d6aab2_1920-1024x685.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-896\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/hands-g5e6d6aab2_1920-1024x685.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/hands-g5e6d6aab2_1920-300x201.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/hands-g5e6d6aab2_1920-768x514.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/hands-g5e6d6aab2_1920-1536x1028.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/hands-g5e6d6aab2_1920-448x300.jpg 448w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2022\/01\/hands-g5e6d6aab2_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color wp-block-paragraph\">Liliana Furman ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur f\u00fcr J\u00fcdischen Studien der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">#Feiertage #Natur #Baum #Nachhaltigkeit #Talmud #Covid #Gesellschaft #Verantwortung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In wenigen Tagen wird das j\u00fcdische \u201eNeujahrsfest der B\u00e4ume\u201c, Tu bischwat, (17.01.22) gefeiert. 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