{"id":876,"date":"2021-12-17T10:49:54","date_gmt":"2021-12-17T09:49:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=876"},"modified":"2021-12-20T09:42:01","modified_gmt":"2021-12-20T08:42:01","slug":"die-gefahr-der-blindheit-weisser-theologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2021\/12\/17\/die-gefahr-der-blindheit-weisser-theologie\/","title":{"rendered":"Die Gefahr der Blindheit wei\u00dfer Theologie"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_876 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_876')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_876').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Und da stellt sich mir die Frage: Kann ich \u00fcberhaupt anders, als \u00fcber mich selbst zu sprechen, auch wenn ich das Pronomen \u201eIch\u201c nicht in den Mund nehme? Das bezweifle ich, wie auch Michel Foucault, dessen einflussreiche \u00dcberlegungen auf die Unm\u00f6glichkeit der Neutralit\u00e4t von Subjekten fu\u00dfen. Ich oute mich mit jedem Satz, den ich spreche, ein wenig mehr, lasse Menschen teilhaben an meinen Gedanken, meinem Inneren und f\u00fchre sie mit jedem Satz ein bisschen mehr auf die Spurensuche meiner Identit\u00e4t. Diese Perspektivit\u00e4t ist mir als (im Vergleich sehr privilegierte) Schwarze Frau sehr bewusst, denn im Gegensatz zu meinen&nbsp;<em>wei\u00dfen<\/em>&nbsp;Kolleg:innen, wurde mir diese Schwarze Position von Geburt an von au\u00dfen zugeschrieben. Obwohl das bedeutungsvolle Wort \u201eSchwarz\u201c bis vor einigen Jahren keine Bedeutung in meinem Leben hatte und eher durch fragw\u00fcrdige Fremdbezeichnungen wie \u201efarbig\u201c ersetzt wurde, entfremdeten mich der regelm\u00e4\u00dfige Griff in meine Haare, die st\u00e4ndige Frage, wo ich \u201edenn wirklich\u201c herkomme und unsinnige Fragen zur \u201eafrikanischen Kultur\u201c. Und nicht nur in der Schule, in der Uni, beim Sport, in der Kneipe oder beim Chor machte ich diese Erfahrungen, sondern auch in religi\u00f6sen R\u00e4umen. Lange Zeit war mir nicht bewusst, woher dieses Unwohlsein kam, das im Zusammenhang mit diesen Erfahrungen in mir entstand. Diese Erkl\u00e4rungsnot lag daran, dass so zentrale christliche Begriffe wie das \u201eN\u00e4chstenliebegebot\u201c oder die \u201eGottebenbildlichkeit\u201c mitsamt der daraus folgenden besonderen W\u00fcrde eines jedes Menschen diesen rassistischen Handlungen &#8211; um es beim Namen zu nennen &#8211; vermeintlich entgegenstehen und so etwas wie eine Aura der moralischen Unangreifbarkeit konstruieren. Gerade die christliche Religion wird auch heute noch z.T. als friedensbringend, solidarisch und menschenfreundlich hochstilisiert (obwohl der \u00f6ffentliche Diskurs mittlerweile eher die gegenteilige Richtung einschl\u00e4gt). Und genau das verhindert den Blick auf die sich seit Jahrhunderten reproduzierenden rassistischen Strukturen in den Kirchen, aber auch in der Theologie. Unumstritten nahm die Kirche im Kolonialismus eine tragende Rolle in der moralischen Legitimierung der Versklavung und Entmenschlichung Schwarzer Menschen ein, durch die sich rassistische Strukturen in ihr Inneres eingeschrieben haben, welche auch mit dem N\u00e4chstenliebegebot und der Gottebenbildlichkeit nicht aufgel\u00f6st werden k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Schaut man sich die deutsche Landschaft der Theolog:innen aus einem postkolonialen Blickwinkel an, so wird schnell deutlich, dass Schwarze Perspektiven fehlen. Das l\u00e4sst sich sicherlich nicht von heute auf morgen \u00e4ndern und ist auch nicht an Entscheidungen Einzelner gekn\u00fcpft. Es geht vielmehr um Strukturen, was aber keineswegs die individuelle Verantwortung zur Ver\u00e4nderung des Status Quo schm\u00e4lert. Bisher sehe ich leider nur wenig&nbsp;<em>wei\u00dfe<\/em>&nbsp;christlich theologische Bestrebungen, Rassismus in den eigenen Strukturen offenzulegen und zu dekonstruieren oder sich f\u00fcr nicht-<em>wei\u00dfe<\/em>&nbsp;Perspektiven zu \u00f6ffnen. Eine derartige \u00d6ffnung der eigenen Forschung und eine Reflexion der eigenen Positionalit\u00e4t kann ungem\u00fctlich und anstrengend sein und trotzdem verstehe ich diesen Kraftakt als unseren Auftrag zur Mitwirkung am Reich Gottes.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>N\u00e4chstenliebegebot und Ebenbildlichkeitslehre sind als wesentliche Ideale der j\u00fcdisch-christlichen Tradition zu verstehen, als Ideale, denen es nachzueifern gilt &#8211; die aber auch angesichts unserer Begrenztheit unerreichbar bleiben \u2013 und deshalb nicht einfach faktische Realit\u00e4t auf Erden sind. S\u00e4tze wie \u201eAlle Menschen haben die gleiche W\u00fcrde\u201c verweisen zwar auf einen begr\u00fc\u00dfenswerten Anspruch, k\u00f6nnen aber auch den Blick auf die vielen Momente und Dauerzust\u00e4nde verschleiern, in denen Menschen w\u00fcrdelose Behandlung erfahren. Verstehen wir diese Begriffe als Beschreibung der Wirklichkeit, werden wir blau\u00e4ugig und unterliegen der Gefahr blind f\u00fcr Ungerechtigkeit, Ausschluss und Diskriminierung zu werden. Verstehen wir sie hingegen als emanzipatorischen religi\u00f6sen Auftrag, erm\u00f6glichen sie uns einen selbstkritischen und solidarischen Weg im Namen Jesu zu gehen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"731\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/12\/protest-ge2d3b4f3c_1920-1024x731.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-877\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/12\/protest-ge2d3b4f3c_1920-1024x731.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/12\/protest-ge2d3b4f3c_1920-300x214.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/12\/protest-ge2d3b4f3c_1920-768x548.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/12\/protest-ge2d3b4f3c_1920-1536x1097.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/12\/protest-ge2d3b4f3c_1920-420x300.jpg 420w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/12\/protest-ge2d3b4f3c_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Hannah Drath ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Katholische Religionsdidaktik an der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Rassismus&nbsp;#<em>Wei\u00df<\/em>sein #Theologie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich mir das Thema dieses Blogeintrags \u00fcberlegte, nahm ich mir streng vor, nicht \u00fcber mich zu schreiben und vielmehr eine globale Position einzunehmen. 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