{"id":85,"date":"2019-12-20T09:35:25","date_gmt":"2019-12-20T08:35:25","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=85"},"modified":"2021-11-26T08:52:23","modified_gmt":"2021-11-26T07:52:23","slug":"causa-haenel-konfliktsensibilitaet-statt-verurteilungen-bei-schwangerschaftsabbruechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2019\/12\/20\/causa-haenel-konfliktsensibilitaet-statt-verurteilungen-bei-schwangerschaftsabbruechen\/","title":{"rendered":"Causa H\u00e4nel: Konfliktsensibilit\u00e4t statt Verurteilungen bei Schwangerschaftsabbr\u00fcchen"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_85 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_85')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_85').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Am Landgericht Gie\u00dfen ist in der vergangenen Woche genau dieser Fall eingetreten: Die Kammer entschied, dass die Medizinerin Kristina H\u00e4nel mit Informationen zu Schwangerschaftsabbr\u00fcchen auf ihrer Internetseite gegen den Abtreibungsparagrafen 219 versto\u00dfen habe, die Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze bezeichnete dessen im M\u00e4rz erfolgte Gesetzesreform aber zugleich als \u201enicht gelungen\u201c.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2019\/12\/24165410277_c8ba1b33a3_b-1-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-91\" width=\"241\" height=\"136\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es ist eine emotional gef\u00fchrte Debatte, die rund um die Causa H\u00e4nel allgemein \u00fcber Schwangerschaftsabbr\u00fcche gef\u00fchrt und zumeist auf die zwei Pole verk\u00fcrzt wird, bei der das Lebensrecht des F\u00f6tus dem Selbstbestimmungsrecht der Frau gegen\u00fcbersteht \u2013 Abtreibung scheint l\u00e4ngst zum Kampfbegriff geworden zu sein, der entweder f\u00fcr Mord oder ein Menschenrecht steht. Angeheizt wird sie insbesondere von der zumeist christlich-fundamentalistisch gepr\u00e4gten \u201eLebensschutz\u201c-Bewegung: Ihre Vertreter bedr\u00e4ngen immer wieder Betroffene vor Kliniken und Beratungsstellen und setzen sie emotional unter Druck \u2013 teilweise mit Plakaten, in der Schwangerschaftsabbr\u00fcche auf eine Stufe mit dem Holocaust gestellt werden, was nicht nur anst\u00f6\u00dfig ist, sondern zugleich eine Relativierung des millionenfachen V\u00f6lkermords der Nationalsozialisten bedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und so \u00fcberrascht es wenig, dass \u2013 <a href=\"http:\/\/www.bpb.de\/shop\/zeitschriften\/apuz\/290813\/abtreibung\">wie die Juristin und freie Publizistin Liane Bednarz aufgezeigt hat<\/a> \u2013 die Abtreibungskritik zunehmend von rechtspopulistischen Bewegungen und Parteien \u201egekapert\u201c wird, die deutschnationale Interessen mit dem Thema vermengen, indem sie die Abtreibung von \u201edeutschen\u201c Embryonen beklagen: Man fordert \u201emehr Kinder statt Masseneinwanderung\u201c und eine \u201eaktivierende Familienpolitik\u201c zugunsten der \u201eeinheimischen Bev\u00f6lkerung\u201c.  Bednarz setzt stattdessen auf einen \u201eseri\u00f6sen christlichen Lebensschutz\u201c, bei dem es darum gehen m\u00fcsse, die Schwangere stets zur Austragung des Kindes zu ermutigen, ohne sie aber fallenzulassen, wenn sie sich letztlich doch dagegen entscheide. Diese Konfliktsensibilit\u00e4t haben bereits vor 30 Jahren der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Deutsche Bischofskonferenz in ihrer gemeinsamen Schrift \u201eGott ist ein Freund des Lebens\u201c deutlich gemacht: \u201eWenn eine Schwangere sich nicht in der Lage sieht, das in ihr heranwachsende Leben anzunehmen, darf ihre Entscheidung, obwohl gegen Gottes Gebot, nicht verurteilt werden.\u201c <\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-blue-color has-text-color wp-block-paragraph\">\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\n\nJan\nChristian Pinsch ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter f\u00fcr Kirchengeschichte am Institut\nf\u00fcr Evangelische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn.\n\n\n\n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es klingt paradox, wenn eine Richterin die Angeklagte verurteilt, aber zugleich die g\u00fcltigen Gesetze, an die ihr Schuldspruch gebunden ist, in Frage stellt. 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