{"id":748,"date":"2021-11-05T11:57:47","date_gmt":"2021-11-05T10:57:47","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=748"},"modified":"2021-11-21T10:27:01","modified_gmt":"2021-11-21T09:27:01","slug":"schoepfung-ist-ein-handeln","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2021\/11\/05\/schoepfung-ist-ein-handeln\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6pfung ist ein Handeln"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_748 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_748')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_748').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Dieser Begriff sagt nicht, dass der Mensch Gott \u00e4hnlichsieht oder aus der gleichen Substanz besteht \u2013 der Begriff meint \u00fcberhaupt nichts Statisches, sondern die F\u00e4higkeit, selbst kreativ etwas tun zu k\u00f6nnen. Zugleich ist diese Freiheit gegen\u00fcber der Welt gekn\u00fcpft an Verantwortung f\u00fcr die Sch\u00f6pfung. Gottes Ebenbild ist der Mensch nicht, wenn er tut, wozu er Lust hat, sondern dann, wenn er seine Freiheit nutzt, um Freiheit zu erm\u00f6glichen. So, wie also Gottes Sch\u00f6pfung als Erm\u00f6glichung von Dasein \u00fcberhaupt begriffen wird, so entspricht der Mensch diesem Sch\u00f6pfungshandeln Gottes da, wo er selbst Dasein erm\u00f6glicht. Mit dem ber\u00fchmten katholischen Theologen Karl Rahner (1904 \u2013 1984) gesprochen: \u201eWenn Gott Nicht-Gott sein will, entsteht der Mensch.\u201c \u2013 Und wenn der Mensch nicht zwanghaft er selbst sein will, entsteht Raum f\u00fcr alles, was er nicht ist. Sich nicht ohne das Andere seiner selbst verstehen zu wollen, sondern in Beziehung das Selbstsein zu verwirklichen, das ist eine Grundidee des Konzepts der Gottebenbildlichkeit.<\/p>\n\n\n\n<p>Sch\u00f6pfung ist im Sinne der Urgeschichten der hebr\u00e4ischen Bibel also auch ein menschliches Handeln. Es ist also kein Wunder, dass im Judentum so viel an der Glaubenspraxis h\u00e4ngt, dass sich die religi\u00f6se Gemeinschaft im gemeinsamen Handeln, in der gemeinsamen \u00dcbernahme von Sch\u00f6pfungsverantwortung zeigt. Auch im Islam stellt die Praxis des Glaubens oft ein entscheidenderes Moment als das Bekenntnis dar. Der Mensch ist Stellvertreter (<em>khalifa<\/em>) auf der Erde (Sure 6:165) und bezeugt noch vor der Sch\u00f6pfung seine Verantwortung, damit er am Ende der Zeiten nicht sagen kann, er h\u00e4tte von nichts gewusst (Sure 7:172). Der Mensch braucht dennoch immer wieder Erinnerung an dieses urspr\u00fcngliche Zeugnis, sodass Gott die Propheten und den Koran sendet, aber auch die Sch\u00f6pfung selbst entbirgt in ihren Zeichen den Sch\u00f6pfer und damit eben jene Verantwortung des Menschen in der Sch\u00f6pfung.<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend verschiedene islamisch-theologische Ans\u00e4tze hier ein ausgesprochen positives Menschenbild verortet sehen, in dem der Mensch aus sich heraus f\u00e4hig ist, Gottes Sch\u00f6pfungswillen in seinem Handeln zu entsprechen, hat das Christentum immer stark fokussiert, dass der Mensch an seiner Verantwortung scheitern kann, dass das Gelingen der Umsetzung des Sch\u00f6pfungsauftrags noch einmal von der Gnadeninitiative Gottes abh\u00e4ngt. Dieses Vertrauen auf das urspr\u00fcngliche Erl\u00f6sungshandeln Gottes, von dem letztlich auch die Bef\u00e4higung abh\u00e4ngt, Gutes tun zu wollen, hat in breiten historischen Linien dazu gef\u00fchrt, dass die christliche Identit\u00e4t eher \u00fcber das gemeinsame Bekenntnis als Ausdruck des Vertrauens auf Gott als \u00fcber eine gemeinsame Handlungsform stabilisiert wird. Nicht gemeint ist damit aber, dass man jegliches Handeln dann gleich lassen k\u00f6nnte oder dass es auf dasselbe nicht ank\u00e4me. Vielmehr betont das Christentum in seinem Vertrauen auf das Erl\u00f6sungshandeln, dass Scheitern nicht endg\u00fcltig ist, dass der Mensch neu anfangen darf und dass genau in diesem Verm\u00f6gen des Neuanfangs, Zuspruch und Anspruch der Sch\u00f6pfung insgesamt ausdr\u00fccklich werden.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aus christlicher Sicht kann man den Erhalt der Sch\u00f6pfung in der Unterschiedenheit der Glaubenszeugnisse als gemeinsamen menschlichen Auftrag beschreiben. Dabei hat jede und jeder einzelne die Verantwortung, dass das Zeugnis auch getan wird, dass der Einsatz f\u00fcr die Sch\u00f6pfung im Alltag praktisch wird. Die interreligi\u00f6se Begegnung mit Juden und Muslimen kann diesen Anspruch an die Praxis immer wieder neu erkennbar machen. Gerade in der interreligi\u00f6sen Verst\u00e4ndigung k\u00f6nnen so Handlungsmotivationen geb\u00fcndelt werden, die \u00fcber den rein politischen Zugriff auf naturwissenschaftliche Erkenntnisse nicht erreichbar sind. Die Begr\u00fcndungsstrukturen der Verantwortung f\u00fcr die Sch\u00f6pfung reichen in diesem Sinne in den Religionen deutlich tiefer als ein reiner Appell an die Vernunft.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Text stellt eine gek\u00fcrzte und ver\u00e4nderte Fassung des Beitrags \u201eSch\u00f6pfung ist etwas, das man tun muss\u201c dar, der in Dom magazin 04\/2021 ver\u00f6ffentlicht wurde. (<a href=\"https:\/\/www.derdom.de\/dom-magazin\/\">https:\/\/www.derdom.de\/dom-magazin\/<\/a>)<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"683\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/11\/Bild_Schoepfung-683x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-749\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/11\/Bild_Schoepfung-683x1024.jpg 683w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/11\/Bild_Schoepfung-200x300.jpg 200w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/11\/Bild_Schoepfung-768x1151.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/11\/Bild_Schoepfung-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/11\/Bild_Schoepfung.jpg 1281w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">PD Dr. Aaron Langenfeld ist Lehrstuhlvertreter f\u00fcr Fundamentaltheologie und vergleichende Religionswissenschaft an der Theologischen Fakult\u00e4t Paderborn<\/p>\n\n\n\n<p>#Sch\u00f6pfung #Klima #Glasgow #Verantwortung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Spannung blickt die Welt in diesen Tagen nach Glasgow und auf den dort laufenden UN-Klimagipfel. 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