{"id":736,"date":"2021-10-22T11:41:38","date_gmt":"2021-10-22T09:41:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=736"},"modified":"2021-11-21T10:28:50","modified_gmt":"2021-11-21T09:28:50","slug":"harmoniebeduerfnis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2021\/10\/22\/harmoniebeduerfnis\/","title":{"rendered":"Harmoniebed\u00fcrfnis"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_736 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_736')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_736').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. N\\u00e4heres erfahren Sie durch einen Klick auf das <em>i<\\\/em>.\",\"settings_perma\":\"Dauerhaft aktivieren und Daten\\u00fcber-tragung zustimmen:\",\"info_link\":\"http:\\\/\\\/www.heise.de\\\/ct\\\/artikel\\\/2-Klicks-fuer-mehr-Datenschutz-1333879.html\",\"uri\":\"https:\\\/\\\/blogs.uni-paderborn.de\\\/zekkblog\\\/2021\\\/10\\\/22\\\/harmoniebeduerfnis\\\/\",\"post_id\":736,\"post_title_referrer_track\":\"Harmoniebed%C3%BCrfnis\",\"display_infobox\":\"on\"});}});\n\/* ]]> *\/<\/script><\/div>\n<p>Wenn ein Jobinterview nicht zu der Festanstellung f\u00fchrt, auf die man gehofft hat; wenn eine Beziehung von jetzt auf gleich beendet wird, ohne dass man es hat kommen sehen; wenn sich ein Urlaub zerschl\u00e4gt, weil der Flug aufgrund eines Bahnstreiks verpasst worden ist; wenn man sich ein Bein bricht und den Wettkampf, auf den man hin trainiert hat, absagen muss \u2013 dann braucht man Coping-Strategien, die dabei helfen, mit diesen Situationen umzugehen. Jeder und jede hat andere Mechanismen, die helfen sollen, \u00fcber das hinwegzukommen, was st\u00f6rend und unangenehm in den Ablauf des Lebens hereinbricht und verhindert, dass man dem urspr\u00fcnglichen Plan folgt. In den letzten anderthalb Jahren sind die Menschen vielleicht mehr als je zuvor damit konfrontiert worden, warum der viel zitierte Satz John Lennons \u201eLife is what happens to you while you\u2019re busy making other plans\u201c nicht ohne Grund so ber\u00fchmt ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine sehr beliebte Strategie scheint es zu sein, das, was nicht passt, passend zu machen. Widerfahrnisse wie Krankheit, Entt\u00e4uschung, Scheitern und Verlust werden harmonisch in das Gesamt des Lebens integriert, indem diese Ereignisse nicht als pl\u00f6tzliche Zusammenbr\u00fcche des Gewollten, sondern als unerwartete, aber in der Retrospektive willkommene Wendungen des Schicksals verstanden werden. Der Wunsch nach Harmonie und Einheit ist kein neuzeitliches Ph\u00e4nomen, sondern scheint ein allgemeines Bed\u00fcrfnis von jeher zu sein, h\u00e4lt man sich beispielsweise vor Augen, mit welcher Vehemenz der Gelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz (1646-1716) darauf besteht, dass sich alles, das Gute und das B\u00f6se, zu einer universalen Harmonie vereinen l\u00e4sst. Selbst das B\u00f6se und das Leiden lassen sich in den Plan Gottes integrieren, insofern&nbsp;\u201edas \u00dcbel ein gr\u00f6\u00dferes Gut im Gefolge haben kann.\u201c<a href=\"\/\/52C41D84-75AA-4EB2-A79C-5CC31ACA45FE#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Dass Licht Schatten braucht und man das Sch\u00f6ne nur sehen kann, wenn man das Unsch\u00f6ne kennt, das wusste auch schon Romy Schneider im dritten Film der Sissi-Trilogie. Und in Tinder-Profilen findet man das Bekenntnis, dass man in seinem Leben nichts bereut, weil man sonst ja nicht der bzw. diejenige geworden w\u00e4re, der bzw. die man ist. So sch\u00f6n und wichtig dieser Zug der Selbstliebe ist, er verschleiert. Er verschleiert die Menschen, die man auf dem Weg der Selbstfindung verletzt hat. Er verschleiert die vielen Erfahrungen, die uns nicht unbedingt zu besseren Menschen haben werden lassen. Und er verschleiert im Extremfall die vielen Leben, die aufgrund einer angeblichen Vorsehung des Schicksals zerst\u00f6rt wurden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Theologe Karl Rahner gibt ein Beispiel daf\u00fcr, dass nicht alles gleich glattgeb\u00fcgelt werden muss, was mir im Leben an Widerst\u00e4ndigkeit begegnet: \u201eSo unterscheidet sich der Christ dadurch von demjenigen, der wirklich weder Reflex noch anonym Christ ist, dass er aus seinem Dasein kein System macht, sondern unbefangen sich geleiten l\u00e4\u00dft durch die plurale Wirklichkeit, die auch eine finstere, dunkle, unbegreifliche ist.\u201c Was im ersten Moment destruktiv klingt, offenbart sich auf den zweiten Blick als gleicherma\u00dfen realistisch wie auch konstruktiv. Der Glaube an Gott behauptet eben nicht, dass&nbsp;<em>alles<\/em>&nbsp;im Leben gut ist und einen tieferen Sinn hat, der nur noch nicht erkannt worden ist. Denn das w\u00e4re nicht nur illusorisch und naiv, sondern zudem wenig empathisch und Freiheits-verneinend. Aber der Glaube spricht mir zu, dass ich die Chance, aber auch die Verantwortung habe, jeden Tag neu anzufangen, auch wenn sich in meinem Leben Br\u00fcche befinden, die ich nicht so einfach kitten kann. So verweigert sich der Glaube an Gott einer Akzeptanz und einer Integration alles Nicht-Sein-Sollenden, in der Hoffnung, dass das Nicht-Sein-Sollende nicht vom Menschen gel\u00f6st werden muss, sondern in Gott selbst aufgehoben ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"\/\/52C41D84-75AA-4EB2-A79C-5CC31ACA45FE#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Gottfried Wilhelm Leibniz, Die Theodizee. Von der G\u00fcte Gottes, der Freiheit des Menschen und dem Ursprung des \u00dcbels, in: Ders., Philosophische Schriften. Band II, hg. von H. Herring, Darmstadt 1985, 287-313, hier 289.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"682\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/beach-gf424592f1_1920-1024x682.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-737\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/beach-gf424592f1_1920-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/beach-gf424592f1_1920-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/beach-gf424592f1_1920-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/beach-gf424592f1_1920-1536x1023.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/beach-gf424592f1_1920-450x300.jpg 450w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/beach-gf424592f1_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Dr. Cornelia Dockter ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Katholisch-Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bonn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Harmonie #Einheit #Leiden #Rahner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ein Jobinterview nicht zu der Festanstellung f\u00fchrt, auf die man gehofft hat; wenn eine Beziehung von jetzt auf gleich beendet wird, ohne dass man es hat kommen sehen; wenn sich ein Urlaub zerschl\u00e4gt, weil der Flug aufgrund eines Bahnstreiks &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2021\/10\/22\/harmoniebeduerfnis\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8966,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-736","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/736","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8966"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=736"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/736\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":762,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/736\/revisions\/762"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}