{"id":730,"date":"2021-10-15T11:10:48","date_gmt":"2021-10-15T09:10:48","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=730"},"modified":"2021-11-21T10:29:00","modified_gmt":"2021-11-21T09:29:00","slug":"muezzinruf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2021\/10\/15\/muezzinruf\/","title":{"rendered":"Muezzinruf"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_730 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_730')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_730').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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So \u00fcberrascht ich war, sein Gesicht in einem deutschsprachigen Medium zu sehen, umso mehr \u00fcberraschte mich die \u00dcberschrift des Artikels: \u201eMuezzin-Ruf zum Freitagsgebet in K\u00f6ln k\u00fcnftig m\u00f6glich.\u201c<a href=\"\/\/EE1A5E86-D04E-41A2-9423-F40ACFCCB0CE#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Laut dem Beitrag will die Oberb\u00fcrgermeisterin der Stadt K\u00f6ln Henriette Reker mit diesem Modellprojekt ein Zeichen der Toleranz und Religionsfreiheit in der deutschen Gesellschaft setzen. \u201eWenn wir in unserer Stadt neben dem Kirchengel\u00e4ut auch den Ruf des Muezzins h\u00f6ren,\u201c sagte sie in einem Interview, \u201ezeigt das, dass in K\u00f6ln Vielfalt gesch\u00e4tzt und gelebt wird.\u201c&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das hat mich gefreut und ein wenig an meine Heimatsstadt Sarajevo erinnert &#8211; eine Stadt, in der im Umkreis weniger Hundert Meter mehrere Moscheen, die r\u00f6misch-katholische und die serbisch-orthodoxe Kathedrale, zusammen mit einer aschkenasischen Synagoge stehen. Man h\u00f6rt in Sarajevo sowohl den Ruf des Muezzins als auch die Glocken der Kirchen. Inzwischen empfinde ich Deutschland auch als meine Heimat und freue mich, k\u00fcnftig den Azan hier h\u00f6ren zu k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Projekt ist ein wichtiger Schritt f\u00fcr junge Muslime, die immer noch identit\u00e4tssuchend sind und seit Jahren aufgefordert werden, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren und Deutschland als ihre Heimat anzunehmen. Es ist auch ein vielversprechendes Zeichen f\u00fcr inzwischen mehr als 5,6 Millionen Muslime in Deutschland, die ein wichtiger Bestandteil dieser Gesellschaft sind und die den Wohlstand des Landes in den letzten Jahrzehnten flei\u00dfig mitaufgebaut haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Projekt ist auf zwei Jahre begrenzt und erlaubt den Muezzinruf ein Mal in der Woche beschr\u00e4nkt auf f\u00fcnf Minuten. Dazu kommen noch weitere Regeln, die teilnehmende Moscheegemeinden befolgen m\u00fcssen. Daher ist die tendenzi\u00f6se Aussage in vielen Medien \u201eDie Stadt K\u00f6ln erlaubt (ab sofort) den Muezzinruf\u201c nur mit Vorsicht zu genie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ritualrechtlich ist der Azan eine (f\u00fcr Muslime obligatorische) Einladung zum Gebet. Im weiteren Sinn ist der Azan ein Hinweisgeber f\u00fcr den praktizierenden Gl\u00e4ubigen, dass eine neue Gebetszeit angetreten ist und er seine Verbindung mit Gott erneuern kann\/soll. Der sprachliche Inhalt des Azans wurde zu den Zeiten des Propheten Muhammad festgelegt. In dieser Form wird er rezitiert und kann und soll nicht \u2013 wie manche \u201eIslamexpert*innen\u201c vorschlagen \u2013 mit anderen \u201eFormen von Ger\u00e4uschen\u201c ersetzt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der Gebetsruf entwickelte sich sp\u00e4ter in eine Kunst, die viele Jahre ge\u00fcbt wird, bevor man als Muezzin in einer Moschee antreten kann. Den Azan kann man eben auch in dieser \u00e4sthetischen Form wahrnehmen. So wie das Anh\u00f6ren eines ber\u00fchmten Sonetts oder das Anschauen eines alten Gem\u00e4ldes im Menschen Gef\u00fchle und Stimmungen erzeugen kann, genauso kann die Kunst des Azans \u00e4sthetische Emotionen im Menschen erwecken. Diese Emotionen kann der H\u00f6rende dann in seine eigenen selbstbestimmten Inhalte kanalisieren. Diese Inhalte m\u00fcssen nicht unbedingt religi\u00f6se oder mit Religion verbundene Erfahrungen sein. Sicherlich w\u00e4re es deswegen wichtig, dass Moscheegemeinden, die sich \u00fcberhaupt am Projekt in K\u00f6ln beteiligen, Muezzine engagieren, die sanfte und melodische Stimmen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Mich pers\u00f6nlich erinnert der Azan an meine Jugend. In einem hektischen Alltag war der Azan f\u00fcr mich ein Zeichen f\u00fcr eine Auszeit, in der ich meine allt\u00e4glichen Sorgen und Probleme zur Seite legen und \u00fcber den gr\u00f6\u00dferen Sinn des Lebens nachdenken konnte. Die ersten Worte des Azan \u201eAllahu akbar\u201c (Gott ist je gr\u00f6\u00dfer) erinnern daran, dass Gott gr\u00f6\u00dfer ist als alle meine t\u00e4glichen Sorgen. Ich denke, dass viele Muslime in Deutschland solche und \u00e4hnliche Erfahrungen mit dem Azan teilen und diesen nie als ein Zeichen der Unterwerfung anderer Religionen, G\u00f6tter oder Glaubens\u00fcberzeugungen betrachten w\u00fcrden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"\/\/EE1A5E86-D04E-41A2-9423-F40ACFCCB0CE#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/rheinland\/freitagsgebet-ruf-muezzin-moschee-koeln-modellprojekt-100.html\">https:\/\/www1.wdr.de\/nachrichten\/rheinland\/freitagsgebet-ruf-muezzin-moschee-koeln-modellprojekt-100.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"767\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/Muezzin-Foto-1024x767.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-731\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/Muezzin-Foto-1024x767.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/Muezzin-Foto-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/Muezzin-Foto-768x575.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/Muezzin-Foto-1536x1150.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/Muezzin-Foto-401x300.jpg 401w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/10\/Muezzin-Foto.jpg 1800w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Ahmed Husi\u0107 ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar f\u00fcr Islamische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Muezzinruf #K\u00f6ln #Gebetsruf<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Letzten Freitag habe ich ein Foto meines guten Freundes in einem Beitrag auf der WDR-Homepage gesehen. 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