{"id":587,"date":"2021-04-09T07:44:46","date_gmt":"2021-04-09T05:44:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=587"},"modified":"2021-11-26T08:40:16","modified_gmt":"2021-11-26T07:40:16","slug":"und-gruen-des-lebens-goldner-baum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2021\/04\/09\/und-gruen-des-lebens-goldner-baum\/","title":{"rendered":"\u2026 und gr\u00fcn des Lebens goldner Baum"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_587 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_587')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_587').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Und doch musste ich, gerade w\u00e4hrend der Corona-Krise, all das Bitternis-Potential erfahren, das diesem gutgemeinten Gebot innewohnt. Schlie\u00dflich ist die Natur, was ihre Zug\u00e4nglichkeit, ihre \u201eQualit\u00e4t\u201c und \u201eQuantit\u00e4t\u201c angeht, ungleich an uns verteilt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der eine wohnt im Alpenvorland, der andere unweit eines sch\u00f6nen Waldes und noch einer wohnt irgendwo in einem grauen Betondschungel. Wenn die Natur dann als etwas angepriesen wird, was \u00fcberall und zu jedem Zeitpunkt genossen werden kann, kann es unglaubw\u00fcrdig werden. Nicht alle Naturerlebnisse sind sich eben gleich. Ein paar B\u00e4ume vor dem Wohnblock sind eben nicht der Harz. Umso gravierender wird diese Ungleichverteilung, wenn etwa die Quarant\u00e4ne verh\u00e4ngt wird. Wenn der Gang zum Park verwehrt bleibt, gewinnt der Blick aus dem Fenster einen neuen Wert. Und auch hier gilt: Bei einigen ist es ein gr\u00fcnes Panorama mit Eichh\u00f6rnchen zu Besuch, w\u00e4hrend es bei Anderen ein paar triste M\u00fclltonnen sind. Durch die Erfahrung des Eingesperrt-Seins verliert sich der transzendente Wert der Natur vor lauter verzweifelter Immanenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl ich ansonsten daf\u00fcr eintreten w\u00fcrde, so viel Naturliebe und -verbundenheit ins Christentum hereinzuholen wie m\u00f6glich, muss ich an dieser Stelle f\u00fcr die christliche Mystik in ihrer Abstraktheit und gerade auch Losgel\u00f6stheit von der Natur die Lanze brechen. Schlie\u00dflich hat das Abstrakte ein Trostpotential, das wie bei Boethius bis in die Gef\u00e4ngniszelle hinein leuchten kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Vertreter der naturbezogenen Religiosit\u00e4t seien in der Lage sie auch im urbanen Umfeld wunderbar auszuleben. Und doch d\u00fcrfen wir nicht vergessen, dass auch der Gang an die frische Luft uns genommen werden kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Und da scheint mir die christliche Spiritualit\u00e4t eben sehr \u00fcberzeugende Antworten zu bieten, besonders, wie sie in der mystischen und monastischen Tradition zu finden sind, allen voran bei Meister Eckhart, aber auch Dionysius Pseudo-Areopagita und den V\u00e4tern aus dem Osten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Natur steht eben nicht jedem von uns zur Verf\u00fcgung und kann daher auch nicht zur Panazee f\u00fcr unsere spirituellen N\u00f6te werden. Dies w\u00e4re auch f\u00fcr sie selbst nicht optimal. Durch die instagramisierte \u201eAufwertung\u201c, die die Natur in heutigen Zeiten erf\u00e4hrt, wird sie gleichzeitig immer mehr materialisiert. Sie wird zu einem Gut, einer&nbsp;<em>commodity<\/em>. Durch die Vertherapisierung und Instagramisierung leidet nicht nur ihre Sakralit\u00e4t, es geht ihr auch im materiellen Sinne an die Substanz: Der Bau von Hotels an den sch\u00f6nsten Orten, Picknicks in den wilden Bergoasen, das Fotografieren von Vogelk\u00fcken in ihren Nestern, wodurch sie gest\u00f6rt und manchmal sogar gef\u00e4hrdet werden, und sonstige Ph\u00e4nomene unserer Sehnsucht zur\u00fcck zur Natur sind oft nicht im Sinne ihrer fliegenden, springenden, laufenden, bl\u00fchenden und gr\u00fcnenden Bewohner. Auch hier kann eine gewisse Distanz zur Natur Ausdruck von Andacht ihr gegen\u00fcber sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Dialog mit alternativen spirituellen Traditionen erscheint mir also die st\u00e4ndige Abfrage von Immanenz und Transzendenz wichtig. Die Kirche darf sich nicht zu sehr von der Erde abheben, der Stonehenge sich nicht zu sehr in ihr verwurzeln.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1634\" height=\"1223\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/04\/Into-the-light.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-588\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Elizaveta Dorogova ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar f\u00fcr Islamische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Natur #Spiritualit\u00e4t #Ausgleich<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heutzutage gewinnt die Natur in der Spiritualit\u00e4t vieler Menschen wieder an Bedeutung. Der thoreausche Aufruf, in ihren gr\u00fcnen Scho\u00df zur\u00fcckzukehren, wird immer lauter. Mit erbaulicher R\u00fchrung wird uns nahegelegt, unser Heil in der Natur zu suchen. 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