{"id":583,"date":"2021-04-02T10:28:06","date_gmt":"2021-04-02T08:28:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=583"},"modified":"2021-11-26T08:40:31","modified_gmt":"2021-11-26T07:40:31","slug":"der-schrei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2021\/04\/02\/der-schrei\/","title":{"rendered":"Der Schrei"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_583 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_583')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_583').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Er kann nicht einmal seine H\u00e4nde von der Kugel nehmen, und seine Freunde, die direkt neben ihm sind, um ihm zu helfen, nimmt er nicht mehr wahr.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Philosophin Eleonore Stump nutzt diese Szene, um den Kreuzesschrei Jesu zu interpretieren: \u201eMein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?\u201c (Mk 15,34; Mt 27,46).<a href=\"\/\/28E75D68-5651-4C22-A032-48D1E2DCCFBA#_ftn1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Es k\u00f6nne, so \u00fcberlegt sie, weder an Gott noch an Jesus gelegen haben, dass sich Jesus im Moment des Schreis seiner Verbindung zum Vater nicht mehr sicher sein konnte, die doch sein ganzes Leben ausgemacht hat. Ganz \u00e4hnlich wie beim Hobbit Pippin k\u00f6nne es aber Momente geben, in denen ein Mensch so sehr ersch\u00fcttert wird, dass er selbst die engsten Beziehungen nicht mehr als gegenw\u00e4rtig erfahren kann \u2013 und in diesem Sinne wirkliche Verlassenheit erlebt. Ein solcher Moment ist laut Stump bei Jesus zum Zeitpunkt des Schreis gegeben, weil er seinen Geist f\u00fcr alle Menschen aller Zeiten ge\u00f6ffnet und so auch die schlimmsten Gr\u00e4ueltaten der Menschheitsgeschichte gegenw\u00e4rtig hatte. Jesus habe sich also in uns alle, auch in diejenigen hineinversetzt, die schlimmste Verbrechen begehen \u2013 und konnte nur noch schreien. Der Blick in diesen Abgrund hat ihm sogar die Beziehung zu seinem Vater verstellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn es nicht \u00fcberzeugen mag, dass der Mensch Jesus auch das konkrete Leiden unserer Gegenwart im Blick hatte \u2013 f\u00fcr Stump folgt, dass auch Gott selbst wei\u00df,&nbsp;<em>wie es ist<\/em>, wenn sich ein solcher Abgrund im Leben auftut. Jedenfalls l\u00e4dt ihre Interpretation ein, den Schrei, der am Karfreitag so zentral ist, nicht zu \u00fcbergehen. Bereits die Evangelien sind an dieser Stelle vielstimmig. Schon die Worte Jesu selbst bieten die Lesart, das Ende des Psalms 22 mitzuh\u00f6ren, den sie er\u00f6ffnen. Dort wendet sich die Stimmung und der Beter sagt nach der anf\u00e4nglichen Klage: \u201eIch will deinen Namen meinen Br\u00fcdern verk\u00fcnden, inmitten der Versammlung dich loben.\u201c (Ps 22,23). Und auch andere der Jesus zugeschriebenen letzten Worte klingen frommer, etwa in Joh 19,30: \u201eEs ist vollbracht.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Vielstimmigkeit aber hat auch der Moment der Gottverlassenheit seinen Platz. Dem eigenen Leben keinen Sinn mehr abringen zu k\u00f6nnen, nur noch den Abgrund zu schauen, wie Pippin im Palatin, nicht mehr ansprechbar zu sein: auch daf\u00fcr, nicht vorschnell f\u00fcr die Erwartung des Sonntags, stehen das Kreuz und der Schrei Jesu. Und auch f\u00fcr die, denen es so geht, so die Hoffnung, wird Ostern.&nbsp;<br><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"\/\/28E75D68-5651-4C22-A032-48D1E2DCCFBA#_ftnref1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>&nbsp;Ausf\u00fchrlich dazu Stump, Eleonore: Atonement. Oxford 2018.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1440\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/04\/cross-2250556_1920.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-585\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Lukas Wiesenh\u00fctter ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts f\u00fcr Katholische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Karfreitag #Ostern #Hoffnung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In Tolkiens \u201eHerr der Ringe\u201c gibt es einen magischen Gegenstand, den Palantir, der eine Verbindung zum personifizierten B\u00f6sen, dem Herrscher Sauron, herstellt. In der Verfilmung sieht der Palantir aus wie eine brennende Bowlingkugel. 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