{"id":570,"date":"2021-03-12T08:49:52","date_gmt":"2021-03-12T07:49:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=570"},"modified":"2021-11-26T08:40:59","modified_gmt":"2021-11-26T07:40:59","slug":"google-hat-safiye-ali-nicht-vergessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2021\/03\/12\/google-hat-safiye-ali-nicht-vergessen\/","title":{"rendered":"Google hat Safiye Ali nicht vergessen"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_570 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_570')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_570').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Sp\u00e4ter, vor dem Herunterfahren des Rechners entdecke ich in der Online-Ausgabe meiner Tageszeitung eine \u00dcberschrift, die lautet, dass Google der ersten t\u00fcrkischen \u00c4rztin zu ihrem 127. Geburtstag gedenkt; sie wurde im Jahre 1952 in Dortmund, meinem Wohnort, beigesetzt. Meine Neugierde ist nun entfacht: Wer war diese Frau und was hat sie in Dortmund gemacht? Auch noch in einer Zeit, in der noch gar keine Muslim*innen in Deutschland lebten und noch mindestens ein Jahrzehnt vergehen w\u00fcrde, bis die ersten Gastarbeiter aus der T\u00fcrkei ins Ruhrgebiet kommen. Nun gebe ich in Google \u201eSafiye Ali\u201c als Suchbegriff ein. Ich trage f\u00fcr mich die Ergebnisse zusammen: Safiye Ali, geboren am 02. Februar 1894 in Istanbul, war die erste t\u00fcrkische \u00c4rztin. Ihrem Wunsch, Medizin zu studieren, konnte sie im damaligen Osmanischen Reich nicht nachgehen, weil damals trotz des gro\u00dfen Bedarfs an \u00c4rztinnen das Studium nur M\u00e4nnern vorbehalten war. Erst eine Gesetzes\u00e4nderung \u00f6ffnete ihr und einigen wenigen jungen Frauen den Weg ins Studium im Ausland. Safiye Ali kam w\u00e4hrend des ersten Weltkrieges nach W\u00fcrzburg, lernte schnell Deutsch und beendete ihr Studium mit Auszeichnung. Sie spezialisierte sich auf die Gyn\u00e4kologie, heiratete ihren Kommilitonen Ferdinand Krekeler und ging 1923 mit ihm zusammen nach Istanbul zur\u00fcck. In diesem Jahr wurde die moderne t\u00fcrkische Republik gegr\u00fcndet. Safiye Ali Krekeler er\u00f6ffnete die erste gyn\u00e4kologische Praxis der T\u00fcrkei, die von einer Frau gef\u00fchrt wurde. Sp\u00e4ter wurde sie zur ersten Dozentin an einer medizinischen Fakult\u00e4t, die Studierende, mittlerweile auch Frauen, ausbildete. Sie spezialisierte sich auf die Mutter-Kind-Gesundheit und schrieb wissenschaftliche Abhandlungen \u00fcber die Bedeutung des Stillens. Als Frauenrechtlerin gr\u00fcndete sie sogar eine Partei f\u00fcr Frauen, die aufgrund der fehlenden Zulassung in eine Frauenorganisation umgewandelt wurde. Auch wenn die politische F\u00fchrung der jungen t\u00fcrkischen Republik die Bildungschancen von Frauen stark f\u00f6rderte und gebildete Frauen als Vorbilder idealisierte und stilisierte, blieb ihr die gesellschaftliche Anerkennung verwehrt: Die meisten der Patientinnen von Dr. Ali geh\u00f6rten der Unterschicht an. Frauen aus gehobeneren Schichten unterstellten ihr allein aufgrund des Geschlechts fachliche Inkompetenz und bevorzugten m\u00e4nnliche \u00c4rzte. Auch von m\u00e4nnlichen Kollegen wurde ihr der Erfolg nicht geg\u00f6nnt, sodass sie immer wieder Anfeindungen ausgesetzt war.<br>1928 kamen sie und ihr Mann zur\u00fcck nach Deutschland, genauer nach Dortmund, wo sie bis zu ihrem Tod eine eigene Praxis f\u00fchrte. An Krebs erkrankt, starb sie 1952 und wurde auf dem Hauptfriedhof in Dortmund beigesetzt.&nbsp;<br>Ich bin beeindruckt von Frau Ali: Eine gro\u00dfartige Feministin, die ihrer Zeit in so vielen Punkten voraus war: Gesetze ihres Landes konnten sie nicht davon abhalten, ihren Traumberuf auszu\u00fcben \u2013 auch wenn sie sogar eine neue Sprache im ihr kulturell und religi\u00f6s fremden deutschen Kaiserreich lernen musste. Anscheinend waren weder Religion noch die Herkunft ihres Partners ein Hinderungsgrund f\u00fcr die Ehe. Ihr Mann Ferdinand scheint, was Rollenbilder anbelangt, auch seiner Zeit voraus gewesen zu sein, wenn er aus Liebe seine Karriere an der Universit\u00e4t aufgibt, nach Istanbul geht und eine Praxis unter dem Namen Ferdi Ali, seinem abgek\u00fcrzten Vornamen und dem Nachnamen seiner Frau f\u00fchrte. Frau Ali und ihr Mann sind nicht nur ein bikulturelles Paar, sie sind auch Symbole f\u00fcr die historische Freundschaft und Verbundenheit der T\u00fcrk*innen und Deutschen.<br>In der Zwischenzeit hat der Dortmunder Ratsherr Emre G\u00fclec ihre Grabstelle ausfindig gemacht und Gespr\u00e4che mit der Stadt Dortmund aufgenommen, um an dieser Stelle einen Gedenkstein anbringen zu lassen.&nbsp;<br>In dieser Woche, in der am 8. M\u00e4rz der Internationale Weltfrauentag begangen wird, kann die Geschichte von Safiye Ali jungen Frauen Mut machen, sich trotz Widerst\u00e4nden von ihrem Streben nach mehr Autonomie und Selbstbestimmung nicht abhalten zu lassen, ihren eigenen Weg zu gehen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1600\" height=\"1200\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/03\/2.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-571\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Dr. Naciye Kamcili-Yildiz ist Mitarbeiterin am Seminar f\u00fcr Islamische Theologie der Universtit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Safiye Ali #Weltfrauentag #Gleichberechtigung<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich am 02. 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