{"id":560,"date":"2021-02-26T11:27:16","date_gmt":"2021-02-26T10:27:16","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=560"},"modified":"2021-11-26T08:41:17","modified_gmt":"2021-11-26T07:41:17","slug":"queer-of-heaven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2021\/02\/26\/queer-of-heaven\/","title":{"rendered":"Queer of Heaven"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_560 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_560')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_560').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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In seiner himmlischen Variante bietet das Queere die Chance, einengende Geschlechterklischees aufzubrechen und auch sonst Grenzen zu \u00fcberschreiten, die Menschen einsperren und auf fest definierte Rollenvorstellungen festlegen wollen. Auch religi\u00f6se Menschen sind leider gegen ein solches Schubladendenken nicht immun und ziehen oft schneller Grenzen, als dies eigentlich aus himmlischer Perspektive angemessen erscheint. Gott sprengt in der von den drei Theologinnen entwickelten Lesart der koranischen Mariengeschichte unsere einengenden Sichtweisen und Praktiken und die durch sie verursachten Ungerechtigkeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Maria erscheint eben nicht nur als hingebungsvolle, aufopferungsbereite Mutter, die in perfekter Weise weibliche Rollenmuster erf\u00fcllt, sondern sie ist auch eine todesmutige, eigenst\u00e4ndige, kritische Frau, die einen neuen Zugang zu Gott er\u00f6ffnet und ganz ohne m\u00e4nnliche Unterst\u00fctzung auskommt. In ihrer prophetischen Kraft stellt sie nicht nur klassische Geschlechterstereotype in Frage, sondern ver\u00e4ndert auch unseren oft von m\u00e4nnlichen Stereotypen gepr\u00e4gten Blick auf Gott. Nicht umsonst f\u00fchrt die Mariengeschichte im Koran den Gottesnamen des Barmherzigen ein, der im Arabischen ethymologisch auf die Geb\u00e4rmutter verweist und Gott in einem weiblichen Licht erscheinen l\u00e4sst. Auch die Grenze zwischen Gott und Mensch wird durch diese auch koranisch jungfr\u00e4uliche Geb\u00e4rerin des Wortes Gottes verschoben und transzendiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>So ermutigt uns die koranischen Mariengeschichte, einerseits ein dualistisches Denken mit essentialisierenden Kategorien des M\u00e4nnlichen und des Weiblichen zu \u00fcberwinden, andererseits aber auch das Gott-Mensch-Verh\u00e4ltnis von Maria her neu zu denken und auch hier essentialisierende Gr\u00e4ben zu \u00fcberwinden. Auch das Verh\u00e4ltnis der Religionen untereinander oder das Verh\u00e4ltnis von Tradition und Moderne d\u00fcrfe \u2013 nach der Deutung unserer muslimischen Theologinnen \u2013 nicht auf bin\u00e4re Codes hin verengt werden. Selbst die eigentlich klare Unterscheidung zwischen Jungfr\u00e4ulichkeit und Muttersein wird durch Maria unterminiert. Immer gelte es nach M\u00f6glichkeiten der Grenz\u00fcberschreitung und Verfl\u00fcssigung Ausschau zu halten. Ali pl\u00e4diert angesichts der gro\u00dfen Heterogenit\u00e4t der koranischen Mariengeschichten daf\u00fcr, die koranische <em>messiness<\/em> wertzusch\u00e4tzen und also gerade das Unscharfe, Grenz\u00fcberschreitende, Irritierende als Weg zu Gott stark zu machen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Mir macht dieser Gedanke viel Mut in einer Zeit, in der wir st\u00e4ndig auf Abst\u00e4nde, Klarheit und Sicherheit bedacht sind. Maria l\u00e4dt uns ein zum Unscharfen, zum nicht Fassbaren, nicht Kontrollierbaren, zum Grenz\u00fcberschreitenden, zur Queerness. Interessant, dass ich das erst durch die Lekt\u00fcre des Korans und seiner muslimischen Interpretinnen gemerkt habe.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2565\" height=\"3727\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/02\/Maria-im-Koran.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-562\" \/><figcaption>Mehr \u00fcber die &#8222;Queer of Heaven&#8220; im Koran k\u00f6nnen Sie in dem gerade erschienenen Buch von Muna Tatari und Klaus von Stosch erfahren.<\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Klaus von Stosch ist Professor f\u00fcr Katholische Theologie und Vorsitzender des Zentrums f\u00fcr Komparative Theologie und Kulturwissenschaften (ZeKK) an der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Queer #MariaimKoran #islamischefeministischeTheologie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von den drei islamischen Theologinnen Kecia Ali, Jerusha Tanner Rhodes und Hosn Abboud habe ich gelernt in der Himmelsk\u00f6nigin Maria auch eine \u201eQueer of Heaven\u201c zu sehen. 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