{"id":556,"date":"2021-02-19T08:26:39","date_gmt":"2021-02-19T07:26:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=556"},"modified":"2021-11-26T08:41:30","modified_gmt":"2021-11-26T07:41:30","slug":"warten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2021\/02\/19\/warten\/","title":{"rendered":"Warten&#8230;"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_556 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_556')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_556').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Diese von Beckett aufgegriffene Kulturtechnik des Warten-K\u00f6nnens, die wir unser ganzes Leben ein\u00fcben und gerade jetzt in Corona-Zeiten mehr als das zu erwartende Ma\u00df eingefordert wird, scheint so der Zeitforscher Karlheinz Gei\u00dfler abhanden gekommen zu sein. In einer Welt, in der vieles mit einem Klick erledigt ist, f\u00e4llt uns \u201eleere\u201c Zeit auszuhalten schwer. Dabei haben bereits die Vordenker der Existenzphilosophie des 19. Jahrhunderts als einer ihrer Leitideen konkretisiert, dass der Mensch erst aus den Ablenkungen des Alltags herausfinden m\u00fcsse, um in der Leere wirklich zu sich selbst zu finden und mit sich ins Reine zu kommen. Einen schnellen Weg in diese Leere sahen die Philosophen unter anderen in der Erfahrung des Wartens und der Verg\u00e4nglichkeit des Lebens. Erst wenn dir das Leben den Boden unter den F\u00fc\u00dfen wegzieht und du nicht mehr in der Lage bist, deinem gewohnten Alltagstrott nachzugehen, hinterfragst du deine Existenz. So wie die beiden Protagonisten in <em>Godot<\/em> ohne Aufgabe einfach warten und dabei feststellen m\u00fcssen, wie ihre Lebenszeit unwiederbringlich verrinnt. So bedrohlich das Nichtstun und Warten auch erscheint, der Philosoph Martin Heidegger sah darin dennoch etwas Hoffnungsvolles. Schlie\u00dflich k\u00f6nnen wir dadurch Antworten auf die Frage nach dem Sinn unseres Seins finden \u2013 und das ist nicht mit Zeit aufzuwiegen. Und wenn wir erst einmal in der Leere angekommen sind, k\u00f6nnen sich in unserem inneren Reflexionsprozess nicht nur belastende Emotionen wie Angst und Einsamkeit lichten, sondern so der im 11. Jahrhundert wirkende Universalgelehrte Abu Hamid Al-Ghazali das Erkennen Gottes ersp\u00fcrt werden. Wer also nach Al-Ghazali der Leere keinen Raum schafft, verschanzt sich gegen sich selbst und damit gegen\u00fcber dem Erkennen Gottes. Leere so Al-Ghazali mit Verweis auf Sure <em>ar-R\u016bm<\/em> Vers 22 entstehe dabei nicht allein im Zustand des Warten-k\u00f6nnens, sondern im tiefen Zustand des Verweilens, der es erm\u00f6gliche die Zeichen Gottes zu erkennen. Ganz im Sinne Al-Ghazalis ermutigte auch der Philosoph Theodor W. Adorno zum Verweilen: Wer verweile, der kategorisiere und deute nicht sofort in sch\u00f6n und h\u00e4sslich, gut oder schlecht, der mache mit seiner Sprache nicht sofort alles platt. Er hat die M\u00f6glichkeit, eine tiefere Bedeutung zu erkennen, die dem verschlossen bleibt, der ohne Zeit \u00fcber die kleinen Details des Alltags hinweghetzt. Vielleicht geht es daher gar nicht bei Godot wer er ist, wann er erscheint und worauf wir warten, sondern wie wir die Zeit des Wartens in uns blickend verbringen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1280\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/02\/indoor-5235953_1920.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-557\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Dr. Idris Nassery ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar f\u00fcr Islamische Theologie an der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Verweilen #Selbsterkenntnis #Gotteserkenntnis<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In dem Theaterst\u00fcck Warten auf Godot von Samuel Beckett warten zwei M\u00e4nner, Wladimir und Estragon, auf Godot. Wer ist Godot? Wann will er kommen? Niemand wei\u00df es und der Zuschauer wird es auch nie erfahren. 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