{"id":540,"date":"2021-01-29T08:30:02","date_gmt":"2021-01-29T07:30:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=540"},"modified":"2021-11-26T08:41:53","modified_gmt":"2021-11-26T07:41:53","slug":"zwischen-der-fragilitaet-und-der-staerke-die-hoffnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2021\/01\/29\/zwischen-der-fragilitaet-und-der-staerke-die-hoffnung\/","title":{"rendered":"Zwischen der Fragilit\u00e4t und der St\u00e4rke, die Hoffnung."},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_540 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_540')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_540').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Nur Noah, seine Familie und die Tiere, die sie retteten, \u00fcberlebten diese Trag\u00f6die. Die Botschaft der Geschichte spielt auf die Fragilit\u00e4t der Umwelt an, auf die Unvorhersehbarkeit nat\u00fcrlicher Zyklen, wenn der Mensch die g\u00f6ttlichen Spielregeln nicht respektiert. Eine der ersten Handlungen Noahs auf trockenem Land war das Pflanzen eines Weinbergs. Und das Leben nahm seinen Lauf.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein paar Kapitel sp\u00e4ter schildert Gen 11 die Illusion von Macht und Eigenst\u00e4ndigkeit, die mit dem Bau des Turms von Babel gefeiert werden sollte. Dann der n\u00e4chste Bruch: Gott intervenierte, indem er Sprachen schuf und mischte. Eine verst\u00e4ndliche Kommunikation zwischen Menschen untereinander wurde unm\u00f6glich. In diesem Fall versucht die Geschichte nicht nur, die \u00c4tiologie menschlicher Sprachen zu erkl\u00e4ren, sondern schl\u00e4gt auch vor, dass Kommunikation ebenso entscheidend ist wie Biologie. Es zeigt, dass erst eine Zusammenarbeit mit anderen und Sprache ein Zusammenleben der Menschen erm\u00f6glicht. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Szenenwechsel: Abraham wird in Gen 22,1-19 auf die Probe gestellt, als er seinen Sohn Yitzchak fast opfert. Sein bedingungsloser Glaube h\u00e4tte ihn als Person zerst\u00f6ren k\u00f6nnen. Die Aus\u00fcbung von blindem und absolutem Glauben wird somit vollst\u00e4ndig abgelehnt. Der Patriarch hat die Pr\u00fcfung bestanden und sein Leben ging irgendwie weiter. Seine Frau Sarah starb dagegen vor Kummer, als sie die Nachricht h\u00f6rte, berichtet der Midrasch. Aber wie war Yitzchaks weiteres Leben? Chaim Guri, ein israelischer Lyriker, schreibt in seinem Gedicht <em>Heritage<\/em> (Erbe) <em>\u201e<\/em>Isaac, as the story goes, was not sacrificed. He lived for many years(\u2026).But he bequeathed that hour to his offspring.They are born with a knife in their hearts.\u201d Es ist die Zerbrechlichkeit der Psyche und die Erfahrung eines Traumas, die Guri thematisiert.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Beispiel f\u00fcr die Fragilit\u00e4t der national-politischen Institutionen ist die Zerst\u00f6rung des zweiten Tempels 70 u.Z. Unter den vielen Reflektionen nach diesem traumatischen Ereignis findet sich ein Kommentar aus dem rabbinischen Denken, der Mut und Hoffnung machen soll. Er lehrt, dass der Moment der ersehnten Erl\u00f6sung beschleunigt w\u00fcrde, wenn Israel Gute Taten (Gemilut Hasadim) und Teschuwa (Umkehr zu Gott) praktiziert w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine der dramatischsten Vorstellungen von Fragilit\u00e4t verk\u00f6rpert sich im mystischen Gedanken der Kabbala mit der Idee der \u201ezerbrochenen Gef\u00e4\u00dfe\u201c. Vereinfach dargestellt: w\u00e4hrend des Sch\u00f6pfungsprozesses der Welt hatte sich die Kraft Gottes in seiner Kontraktion (zimzum), gewaltsam zerstreut,, um Platz f\u00fcr die Welt zu schaffen. Um das Ungleichgewicht zu reparieren, sind es nun die guten Taten der Menschen (Tikkun Olam), die die verlorenen Scherben wieder zusammenbringen k\u00f6nnen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Texte der j\u00fcdischen Tradition erarbeiten eine fertige und fragile Welt. Die Vollkommenheit der Welt zu erreichen, ist eine Aufgabe und ein Ideal, das der menschlichen Spezies zugeordnet ist, eine Mission, die nur in messianischen Zeiten endet. Das ist die andere Seite der Fragilit\u00e4t: die Kraft des Menschen, durch seinen Glauben und seine Handlungen die Harmonie der Welt und insbesondere im mystischen Denken des Kosmos zu restaurieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwischen Zeiten der Fragilit\u00e4t und denen der Wiederherstellungskraft \u00f6ffnet sich der Ort der Hoffnung. Yeshayahu Leibowitz, Philosoph und Wissenschaftler (1903-1994), einer der angesehensten und umstrittensten Intellektuellen in Israel, antwortete auf die Frage nach der Figur des Messias f\u00fcr das Judentum: \u201eIch glaube, dass der Messias am kommen ist\u201c und erkl\u00e4rt weiter: \u201edas ist die Essenz des Messias, er ist immer auf dem Weg&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf welchen Wege wandelt noch der Messias, der bekannterweise nach j\u00fcdischer Tradition nicht angekommen ist und laut Leibowitz niemals ankommen wird? &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wie die Schritte&nbsp; zum unerreichbaren Horizont, die der&nbsp; Uruguayer Schriftsteller Eduardo Galeano beschreibt. Wenn ich zum Horizont gehe, bewegt er sich auch weg. Also gehen wir auf einen Horizont zu, der unweigerlich zur\u00fcckgeht. Aber der Horizont hilft uns und daf\u00fcr gibt es dem Glauben an den Messias: um zu wandeln.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1177\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/01\/adventure-1807524_1920.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-541\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Liliana Furman ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur f\u00fcr J\u00fcdischen Studien der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Fragilit\u00e4t #Hoffnung #St\u00e4rke #Resilienz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Fragilit\u00e4t der Existenz der Welt und seine Gesch\u00f6pfe und auch die&nbsp; Wiederherstellung seiner St\u00e4rke, sind wiederkehrende Themen in den j\u00fcdischen Quellen, beginnend mit den Erz\u00e4hlungen der Tora.&nbsp; Bereits Genesis berichtet, dass es seit der Sch\u00f6pfung gerade einmal nur neun &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2021\/01\/29\/zwischen-der-fragilitaet-und-der-staerke-die-hoffnung\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8844,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-540","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/540","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8844"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=540"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/540\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":801,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/540\/revisions\/801"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=540"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=540"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=540"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}