{"id":535,"date":"2021-01-22T07:48:42","date_gmt":"2021-01-22T06:48:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=535"},"modified":"2021-11-26T08:42:03","modified_gmt":"2021-11-26T07:42:03","slug":"ueber-geschwisterlichkeit-und-gender-wahn","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2021\/01\/22\/ueber-geschwisterlichkeit-und-gender-wahn\/","title":{"rendered":"\u00dcber Geschwisterlichkeit und \u201eGender-Wahn\u201c"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_535 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_535')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_535').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Auch Papst Franziskus hat in seiner im Oktober ver\u00f6ffentlichten Enzyklika <em>Fratelli Tutti<\/em> daran erinnert, dass die Gr\u00f6\u00dfe und Weite der Liebe keine nationalen, religi\u00f6sen, ethnischen, generationalen oder sozialen Grenzen kennen kann, sondern die N\u00e4chsten und ihr Geschick zum eigenen werden l\u00e4sst. Die vom ihm ermutigte <em>Geschwisterlichkeit<\/em> bleibt in aller Diversit\u00e4t menschlicher Lebensformen entsprechend immer transparent auf die gemeinsame Verantwortung f\u00fcr den Schutz der Sch\u00f6pfung und auf das Engagement f\u00fcr soziale Gerechtigkeit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dass diese Geschwisterlichkeit und Wertsch\u00e4tzung durch einen Dialog in der Haltung der Gastfreundschaft begleitet wird und immer mit dem Bem\u00fchen den\/die Gegen\u00fcber in ihren Perspektiven, Bed\u00fcrfnissen und Interessen zu verstehen verbunden ist, kann ich sowohl f\u00fcr den akademischen Kontext des ZeKKs, als auch den pastoralen Kontext der Seelsorge und schlie\u00dflich in privaten Kommunikationsbeziehungen als best\u00e4tigt erfahren.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Je mehr ich also die Relevanz des verst\u00e4ndigungsorientierten Dialogs f\u00fcr ein wertsch\u00e4tzendes Miteinander und eine Kultur der Begegnung verstehe und unterst\u00fctze, desto <em>unverantwortlicher<\/em> , <em>irritierender<\/em> und <em>unverst\u00e4ndlicher<\/em> erscheint mir der gegenw\u00e4rtig von einigen meiner geistlichen Geschwistern angek\u00fcndigte (und in einer Bischofspredigt aus Passau zu Weihnachten 2020 j\u00fcngst abermals betonte) Kampf gegen den angeblichen \u201eGender-Wahn\u201c bzw. die \u201eGender-Ideologie\u201c.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><em>Unverantwortlich<\/em> erscheint er mir zun\u00e4chst besonders deshalb, weil diese Wortwahl nur allzu deutliche \u00dcberschneidungen mit der Rhetorik der Neuen Rechten aufweist und so (willentlich oder schlicht aus Unkenntnis) intellektuelle N\u00e4he zu einer tats\u00e4chlich ideologisch eingef\u00e4rbten, politischen Agenda herstellt.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Irritieren<\/em> muss ein solcher Kampf, weil er nicht nur die Forderung nach einem wertsch\u00e4tzenden Umgang mit dem N\u00e4chsten, sondern auch die Orientierung an einem mutualen Bem\u00fchen um Verstehen und Verst\u00e4ndigung blockiert. Auch wenn ich die Sch\u00e4rfe, mit er die Diskussionen um die Gleichberechtigung von Frauen in der Kirche gef\u00fchrt werden, kenne und somit um die (emotionalen) Frontstellungen wei\u00df, helfen undifferenzierte Vereinseitigungen nicht dabei diese zu \u00fcberwinden, sondern erzeugen nur mehr Unverst\u00e4ndnis, zementieren diese Fronten in der impliziten oder expliziten Unterstellung stereotyper Klischees und machen die Wertsch\u00e4tzung von Familie und Partnerschaft jenseits heteronormativ-patriarchaler Rollenzuweisungen unm\u00f6glich. Eine Kultur der Geschwisterlichkeit zu pflegen bedeutet nicht, dass alles immer einheitlich und einstimmig abl\u00e4uft. Vielmehr braucht es einen konstruktiven, d.h. kritischen, sachlich differenzierten aber eben dennoch menschenzugewandten Umgang mit Unterschiedlichkeit. Auch im Dissens bleiben die Anerkennung des Anderen und ein wertsch\u00e4tzendes Miteinander m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Unverst\u00e4ndlich<\/em> ist der undifferenzierte Vorwurf an \u201eGender-Wahn\u201c zu leiden also schlie\u00dflich, weil er weder auf der Sach-, noch auf der Emotions- und erst recht nicht auf der Beziehungsebene f\u00fcr die Kultur der Geschwisterlichkeit einsteht. Die von Papst Franziskus ermahnte soziale Freundschaft h\u00f6rt nicht dort auf, wo der Andere eine f\u00fcr mich ungewohnte Perspektive einnimmt. Sie lebt von Augenh\u00f6he und immunisiert sich nicht gegen die Komplexit\u00e4t menschlicher Erfahrungen und Lebensentw\u00fcrfe. Wenn mich diese Komplexit\u00e4t \u00fcberfordert, wenn mich Lebensentw\u00fcrfe befremden, dann kann und darf dies immer sein. Meine Verantwortung als B\u00fcrger*in, als Christ*in und als Mitwirkende*r an einer Kultur der wertsch\u00e4tzenden Begegnung und freundschaftlichen Offenheit besteht dann aber darin, dass ich nicht dort stehen bleibe, sondern nachfrage, dass ich mich umfassend zu informieren bem\u00fche, dass ich ernsthaft hinh\u00f6re und aufrichtig zu verstehen versuche. Im Zweifelsfall w\u00e4re es sonst aber wohl ethisch angemessener einfach mal zu schweigen. Die Verbreitung von Inhalten n\u00e4mlich, deren Einseitigkeit als kleinm\u00fctige Angstrhetorik erscheint \u2013 zumindest aber daran zweifeln l\u00e4sst in der befreienden Botschaft des Evangeliums zu wurzeln \u2013 k\u00f6nnte sonst im Versuch die Wahrheit jenseits des Anderen verstehen zu wollen, selbst wahnhafte Z\u00fcge annehmen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1920\" height=\"1280\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2021\/01\/hands-20333_1920.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-536\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Dr. Anne Weber ist Kollegiatin im Graduiertenkolleg \u201eKirche-Sein in Zeiten der Ver\u00e4nderung\u201c an der Theologischen Fakult\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p>#Kulturdes<em>wertsch\u00e4tzendenMiteinander<\/em>s #<em>Geschwisterlichkeit<\/em> #&#8220;Gender-Wahn&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit den Krisenerfahrungen sp\u00e4tmoderner Gesellschaften hat die von vielen Religionsgemeinschaften geforderte, konsequente Solidarisierung mit den Notleidenden und Verfolgten eine neue Dringlichkeit erhalten und zu einer Kultur des wertsch\u00e4tzenden Miteinanders ermutigt. 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