{"id":488,"date":"2020-11-13T08:55:01","date_gmt":"2020-11-13T07:55:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=488"},"modified":"2021-11-26T08:43:53","modified_gmt":"2021-11-26T07:43:53","slug":"ausgang-und-eingang-anfang-und-ende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2020\/11\/13\/ausgang-und-eingang-anfang-und-ende\/","title":{"rendered":"Ausgang und Eingang, Anfang und Ende"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_488 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_488')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_488').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Am Mawlid\nbereiten Muslime spezielle S\u00fc\u00dfigkeiten vor und gehen zu Friedh\u00f6fen, um ihrer\nVerstorbenen zu gedenken. Und wie kann man man den Propheten und die Toten\nbesser ehren als indem man k\u00f6stliche Mahlzeiten mit jenen teilt, die sie am\nn\u00f6tigsten haben. So wollte auch der Prophet kommemoriert werden. <\/p>\n\n\n\n<p>Da Mawlid dieses Jahr mit dem Ende vom Oktober\nzusammenfiel, wenn der Schleier zwischen den Welten besonders d\u00fcnn wird,\nerinnert es uns an die Ephemerit\u00e4t des Lebens aber auch an seine Bleibendheit.\nDie Natur ruft es uns mit ihren fallenden Bl\u00e4ttern ebenfalls in Erinnerung,\ndenn nichts in der Natur zeugt so von Verg\u00e4nglichkeit wie der Herbst.<\/p>\n\n\n\n<p>Nikolai Wassiljewitsch Gogol (1809-1852), ein\nbekannter ukrainisch-russischer Schriftsteller, Autor des Romans \u201eDie toten\nSeelen\u201c, wollte ebenfalls, dass seiner auf diese Weise gedacht wird:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eMein Leib soll der Erde hingegeben werden, irgendwo, ohne Beachtung des Ortes, wo er liegen soll, nichts soll mit der verbliebenen Asche mehr verbunden werden; niemand soll Aufmerksamkeit dem Staub widmen, der nicht mehr der meine ist; [&#8230;] stattdessen bete man recht kr\u00e4ftig f\u00fcr meine Seele, und statt s\u00e4mtlicher Ehren soll man von mir ein paar von denjenigen, die kein t\u00e4glich Brot haben, mit einer einfachen Mahlzeit bewirten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Wechsel der Jahreszeiten, oder, um es poetisch\nauszudr\u00fccken, das Jahresrad, erinnert uns an den Wechsel der Jahreszeiten in\nunserem eigenen Leben. Sind wir nun Shiiten oder Sunniten, Katholiken oder\nProtestanten oder gar Vertreter der Naturreligionen, lasst uns unserer Toten\ngedenken, indem wir Mahlzeiten mit denen teilen, die sie dringend brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor einigen Wochen begegnete meine Mutter auf der Stra\u00dfe einer Frau, die, nachdem sie aus einem Supermarkt herausging, einen obdachlosen Mann mit vielerlei Leckereien bedachte. Als meine Mutter sie zu ihrem guten Herzen begl\u00fcckw\u00fcnschte, sagte die Frau einfach: \u201eM\u00f6ge Nikolai Wassiljewitsch in Frieden ruhen\u201c. Darauf erkl\u00e4rte sie meiner Mutter, dass f\u00fcr sie als russische Philologin der letzte Wunsch des geliebten Schriftstellers heilig sei. Nat\u00fcrlich war Nikolai Wassiljewitsch kein Prophet, und doch umgibt ihn \u2013 wie auch andere Klassiker der russischsprachigen Literatur \u2013 in den Herzen der russischen Menschen, denen Religi\u00f6sit\u00e4t f\u00fcr viele Jahrzehnte verwehrt blieb, eine Art Heiligenschein. Er war ein gottesf\u00fcrchtiger tieffrommer Mensch, der in seinen Romanen sowohl die Sitten und Unsitten seiner Zeit anprangerte, als auch mystische Erz\u00e4hlungen schrieb, die als Vorl\u00e4ufer des modernen Horrors gelten k\u00f6nnten, ja, ihn bisweilen an Schreckenspotenzial \u00fcbertreffen. F\u00fcr das sekularisierte Russland des zwanzigsten Jahrhunderts hat die klassische Literatur ein besonderes, ja religi\u00f6ses, Potenzial entwickelt. Dostojewski, Tolstoi, Puschkin und Gogol sind zwar weder Propheten noch Heilige und doch erf\u00fcllen ihre B\u00fccher gerade f\u00fcr das sowjetische Herz den Durst nach dem Sakralen. <\/p>\n\n\n\n<p>Von daher auch die And\u00e4chtigkeit, die die Philologin an den Tag legte&#8230; Um so mehr darf <em>uns <\/em>der Wunsch des <em>Propheten<\/em> heilig sein, uns zu seinem Gedenken um Andere zu k\u00fcmmern. Alles Gute zum Geburtstag, ya Nabi Allah! <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2020\" height=\"2703\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/11\/Foto.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-489\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Elizaveta Dorogova ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar f\u00fcr Islamische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gedanken vom 29.10 bis 01.11 In diesen gelb-orange-roten Tagen, an der Schwelle vom Oktober zum November, haben Religionen Feiertage begangen, die auf eine besondere Art und Weise die Verbindung zwischen Leben und Tod erkennen lassen. 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