{"id":402,"date":"2020-08-28T07:33:14","date_gmt":"2020-08-28T05:33:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=402"},"modified":"2021-11-26T08:46:05","modified_gmt":"2021-11-26T07:46:05","slug":"das-gefaess-und-der-schleier","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2020\/08\/28\/das-gefaess-und-der-schleier\/","title":{"rendered":"Das Gef\u00e4\u00df und der Schleier"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_402 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_402')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_402').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Denn das <em>w\u00fcrde<\/em> bedeuten,\ndie Frau hat ihrem Mann mit der gleichen Ehrfurcht zu begegnen, wie die Kirche\nJesus Christus begegnet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenngleich\neine gut gef\u00fchrte Ehe auch islamisch honoriert wird \u2013 auch im Hinblick auf das\nk\u00fcnftige Heil \u2013 so hat sie doch, ohne deswegen an Intensit\u00e4t der gegenseitigen\nVerantwortung zu verlieren, mehr eine menschlich-diesseitige \u201eFunktion\u201c. Die\nchristliche Liebeserwartung, mit dem Autor des Epheser-Briefs ausbuchstabiert,\nstellt die Liebenden vor einen Anspruch, eine Messplanke, die gerade auch ab\ndem Neuen Testament eine \u2013 bei aller Metaphorizit\u00e4t \u2013 beinahe unertr\u00e4gliche\nH\u00f6he erreicht. <\/p>\n\n\n\n<p>Hat\neine muslimische Ehe \u2013 rein sozial-ph\u00e4nomenologisch gesehen \u2013 wom\u00f6glich eine\nst\u00e4rkere hierarchische Oberfl\u00e4chenstruktur, so hat sie eine demokratischere\ntheologische Tiefengrammatik. Sie kennt weniger die mystisch-romantische\nVorstellung des Sich-Wiederfindens der Seelen im Jenseits, das f\u00fcr das\nabendl\u00e4ndische \u00dcber-die-Liebe-Sprechen so pr\u00e4gend ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\ngleiche theologische Pathos w\u00fcrde die Ehe im Islam erst erreichen, wenn der\nMann etwa mit dem Koran verglichen w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<p>In\nder Tat sind Vergleiche dieser Art auch im Islam zu finden:<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der Theologe und\nMystiker Ab\u016b \u1e24\u0101mid Mu\u1e25ammad al-\u0120az\u0101l\u012b pr\u00e4gte f\u00fcr die Art und Weise des\nVerstehens das Bild einer Braut (Qur\u02be\u0101n), die sich in Schleiern verh\u00fcllt und\nihre Schleier nicht l\u00fcftet, sondern vielmehr fester um sich zieht, wenn der Br\u00e4utigam\n(der um Verstehen bem\u00fchende Leser) sich nicht in Neugier, Respekt und Offenheit\nn\u00e4hert. (Muna Tatari, Gott und Mensch im Spannungsverh\u00e4ltnis von Gerechtigkeit\nund Barmherzigkeit, S. 41)<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\u2026\nund doch nimmt die offensichtliche Rollenumkehr dem Vergleich \u2013 in einer nahezu\nritterlichen Weise \u2013 dieser Metapher ihre theologische Schwere, indem sie \u2013 sei\nes auch nur f\u00fcr die Dauer eines Sprachspiels \u2013 die althergebrachte Hierarchie\naufhebt\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Da ich aus Frauenperspektive schreibe, klammere ich die Stellen, die sich an M\u00e4nner richten, bewusst aus. Es geht mir darum, die Stellen, die eine patriarchalische Lekt\u00fcre nahelegen k\u00f6nnten, nicht wegzulesen, sondern ihnen eine mystisch-theologische hingegen zur sozial-theologischen Seite abzugewinnen. Auch wenn der erste Petrusbrief die Frauen mit einem zerbrechlichen Gef\u00e4\u00df vergleicht, wird die Stelle in erster Linie dann beklemmend, wenn sie uns vorgehalten wird \u2013 ob von M\u00e4nnern oder anderen Frauen. Liest man sie als eine individuelle Ansprache an die Seele, kann sie auch eine <em>sch\u00f6ne<\/em> Seite haben. Ich finde also an diesen \u201epatriarchalischen\u201c Stellen in der Bibel und in der islamischen Tradition nichts, was mir als Frau zu nahe tritt \u2013 allerdings dann und nur dann, wenn ich sie nicht von M\u00e4nnern vor die Nase gehalten bekomme. Dass meine Argumentation hier auf wackeligen F\u00fcssen steht, ist mir bewusst, denn es ist von Person zur Person unterschiedlich, was als \u201esch\u00f6n\u201c oder \u201emystisch\u201c wahrgenommen wird. Auch finde ich diese Haltung der Bibel extrem fordernd, herausfordernd und auch anstrengend. Ich wei\u00df nicht, wie ich ihr begegnen soll. Ich finde sie aber nicht \u201efrauenfeindlich\u201c, solange es sich um eine Liebesheirat handelt und solange sie sich als eine Einladung an Frauen versteht \u2013 und nicht als eine Lizenz an M\u00e4nner. Vielleicht kann man in dem Schrifttext aber auch die Wertsch\u00e4tzung sehen, die die Bibel f\u00fcr menschliche Beziehungen mitbringt, f\u00fcr ihr Potenzial, und das so sehr, dass sie sogar solche Vergleiche nicht scheut (man denke auch an Eph 5:25!). So viel darf die Liebe uns also bedeuten! So viel trauen die Bibel, der Koran und die islamische Tradition uns zu! <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/heart-700141_1920-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-406\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/heart-700141_1920-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/heart-700141_1920-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/heart-700141_1920-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/heart-700141_1920-450x300.jpg 450w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/heart-700141_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Elizaveta Dorogova ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Seminar f\u00fcr Islamische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Trotz all dem theologischen Ernst, der einer muslimischen Ehe- und Liebesbeziehung innewohnt, tr\u00e4gt aus meiner Perspektive als Frau eine christliche Liebesbeziehung bzw. 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