{"id":384,"date":"2020-08-14T08:27:22","date_gmt":"2020-08-14T06:27:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=384"},"modified":"2021-11-26T08:46:28","modified_gmt":"2021-11-26T07:46:28","slug":"was-ich-vermisse-ist-eure-umarmung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2020\/08\/14\/was-ich-vermisse-ist-eure-umarmung\/","title":{"rendered":"&#8222;Was ich vermisse, ist eure Umarmung\u201c,"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_384 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_384')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_384').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Sie ist die siebent\u00e4gige Trauerwoche, die unmittelbar nach dem Begr\u00e4bnis des Verstorbenen beginnt. <\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00e4re sicherlich nicht ein Motiv f\u00fcr einen Blog, h\u00e4tten die\nZeremonien nicht wegen Corona online, stattgefunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anwesenden haben online den <em>Kaddisch<\/em> gesprochen (aram\u00e4isch \u201eheilig\u201c, \u201eHeiligung\u201c. Das Kaddisch verk\u00fcndet bzw. heiligt den g\u00f6ttlichen Namen. Es wird als Trauergebet zu Ehren der Toten gesprochen) und die Familie konnte einige Worte \u00fcber die Verstorbenen sagen. Im Anschluss gab es die Gelegenheit sich untereinander Erinnerungen \u00fcber den Verlust auszutauschen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die digitalen Zeremonien haben in meiner Heimatstadt Buenos Aires\/Argentinien stattgefunden. Dort und in der umgebenden Provinz wird seit Monaten eine strenge Ausgangssperre verh\u00e4ngt. In der dichte der Stadt scheint die Zeit still zu stehen. Jetzt nach vielen Monaten kehrt ein kleines Gef\u00fchl der Normalit\u00e4t zur\u00fcck, da wieder etwas gearbeitet wird. Die Schulen schlie\u00dfen gleich nach Ende der Sommerpause. Corona konfrontiert gerade jetzt die \u00e4rmsten L\u00e4nder der Welt, in der 30 oder 50 Prozent der Bev\u00f6lkerung unter der Armutsgrenze leben, mit ungen\u00fcgenden medizinischen Kapazit\u00e4ten und Reserven.&nbsp;&nbsp; <\/p>\n\n\n\n<p>Die Trauerriten, die den \u00dcbergang zu einem Leben ohne die\ngeliebte Person markieren, der Abschied in Begleitung der Gro\u00dffamilie und der\nGemeinschaft wandeln sich zu Coronazeiten zu einer medialen Erfahrung. <\/p>\n\n\n\n<p>Zudem wurde der kathartische Effekt bei den Teilnehmern rasch bemerkbar: die reale Trauer vermischte sich mit der Angst und der Ungewissheit \u00fcber die aktuelle Zeit. Wie lange m\u00fcssen wir noch so leben? Wann werden wir endlich unsere Lieben wiedersehen? Wann d\u00fcrfen wir endlich wieder unseren Toten die letzte Ehre erweisen. Gleichzeitig ergeben sich auch Fragen f\u00fcr die Zukunft: Wann d\u00fcrfen wir endlich wieder gemeinsam feiern, uns umarmen oder einfach das Leben zelebrieren?<\/p>\n\n\n\n<p>Trauer und Leben sollten sich ab einer bestimmten Zeit wieder erg\u00e4nzen: im Judentum ist die erste Woche nach dem Beerdigung ganz bedeutend: die Gemeinde begleitet sieben Tage lang die Familie des Verstorbenen. Die engsten Familienangeh\u00f6rigen verlassen w\u00e4hrend dieser Zeit nicht das Haus und sollten zu Hause barfu\u00df sitzen. Trauernde tragen ein zerrissenes Kleidungst\u00fcck. Um das Essen f\u00fcr die Hinterbliebenen k\u00fcmmern sich Freunde und Bekannte. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Tradition nach, m\u00fcssen die Trauernden den G\u00e4sten Gespr\u00e4chsthemen anbieten. Dieser psychologische Trick soll die Trauernden etwas animieren, die Wortlosigkeit aus dem Geschehen zu nehmen. W\u00e4hrend der Schiva werden die Spiegel zu Hause abgedeckt (es ist keine Zeit der Sorge um Sch\u00f6nheit und \u00c4sthetik). M\u00e4nner d\u00fcrfen sich einen Monat lang nicht rasieren. Musik sollte ein Jahr lang nicht geh\u00f6rt werden. Und gro\u00dfe Feiern sollten im engsten Kreis der Familie ein Jahr lang vermieden werden. Einen Monat lang d\u00fcrfte der Friedhof normalerweise nicht besucht werden. Diese erste Etappe des Trauerzyklus dient dazu eine Distanz zu dem Verstorbenen aufzubauen. Dann beginnt wohl die schwierigste Etappe f\u00fcr die Hinterbliebenen: die aktive Umgestaltung des eigenen Lebens ohne die Pr\u00e4senz des geliebten Menschen. Der <em>Kaddisch<\/em> wird danach noch ein Jahr lang von den n\u00e4chsten Verwandten gesprochen. <\/p>\n\n\n\n<p>Dieses Corona-Jahr wird wohl bei vielen Menschen als ein Jahr der Begrenzungen, der Distanzierung und der H\u00e4uslichkeit, in Erinnerung bleiben. Aber viel mehr ist ein Jahr&nbsp; der immensen Trauer um die vielen unn\u00f6tigen anonymen und kontaktlosen Tode. Es sollte ein <em>Kaddisch <\/em>f\u00fcr die 700,000* (Stand 2. August) Menschen gesprochen werden, die dem Corona-Virus schweigsam und allein zu Opfer gefallen sind.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"584\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/tea-lights-3612508_1920-1024x584.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-386\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/tea-lights-3612508_1920-1024x584.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/tea-lights-3612508_1920-300x171.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/tea-lights-3612508_1920-768x438.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/tea-lights-3612508_1920-500x285.jpg 500w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/tea-lights-3612508_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Liliana Furman ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur f\u00fcr J\u00fcdischen Studien der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>sagte einer der trauernden S\u00f6hne den Teilnehmern in einer der beiden Trauerzeremonien, an der ich in den vergangenen Wochen teilgenommen habe. 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