{"id":378,"date":"2020-08-07T07:52:53","date_gmt":"2020-08-07T05:52:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=378"},"modified":"2021-11-26T08:46:40","modified_gmt":"2021-11-26T07:46:40","slug":"gescheitert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2020\/08\/07\/gescheitert\/","title":{"rendered":"Gescheitert?"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_378 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_378')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_378').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Das\nBesondere: Kintsugi versucht nicht, die augenscheinlichen Makel der Reparatur,\ndes Zerbrochenseins zu verbergen, vielmehr werden diese erinnert, betont,\nerhalten.<\/p>\n\n\n\n<p>In einer Welt, die durch Erfolg-,\nNutzen- und Leistungsimperative getaktet ist, wirkt eine solche Betonung des\nZerbrochenen irritierend. \u201eBrechen\u201c &#8211; zerbrechen, abbrechen, umbrechen,\nzusammenbrechen \u2013 ist ein Makel. Misserfolg, Versagen und Scheitern sind\nunerw\u00fcnscht, werden gerne aus den Lebensl\u00e4ufen gestrichen oder an den Rand der\nGesellschaft verbannt. Der Zwang zur k\u00f6rperlichen und geistigen\nSelbstoptimierung, die Forderung nach Perfektion bis in die Ruhephasen und\ngibt. <\/p>\n\n\n\n<p>In Japan wird ein solcher\nperfekter Lebenslauf mit einer gewissen Bewunderung aber ebenso Skepsis\nbetrachtet \u2013 denn ist der Moment des Fallens, der Moment des Scheiterns nicht\nauch der Moment an dem sich die Tiefe des Seins allererst offenbart? Lernt der\nMensch nicht allererst dort seine Menschlichkeit anzunehmen, wo er seiner\neigenen Verg\u00e4nglichkeit und Zerbrechlichkeit begegnet?<\/p>\n\n\n\n<p>Das japanische \u201eShikata ga nai\u201c &#8211;\nwas so viel bedeutet wie \u201ekann man nichts machen\u201c &#8211; sind dann aber nicht etwa\nAusdruck der Resignation angesichts des Zerbrochenen, sondern die Anerkennung,\ndass wir nicht immer alles kontrollieren k\u00f6nnen, dass es Umst\u00e4nde und\nSituationen gibt (und geben darf!), die uns Menschen an die Grenzen unserer\nF\u00e4higkeiten, unseres Wissens und unserer Einflussnahme f\u00fchren. Erst im\nScheitern, im Brechen und Vergehen kann etwas entstehen, dass auf eine\nWirklichkeit jenseits der Vereinnahmung Selbstoptimierung, Gewinnmaximierung\nund Beschleunigung verweist. <\/p>\n\n\n\n<p>Wo sollen wir aber das Gold in den, in <em>unseren<\/em> Lebens-Bruchstellen finden? Woher sollen wir den Mut zum Scheitern nehmen in einer Gesellschaft die doch so wenig von den Br\u00fcchen wissen will? Woher kommt die Zuversicht auch im Zerbrochenen ein Zeichen der Hoffnung setzen, einen Weg in die Freiheit finden zu k\u00f6nnen? Wir Christ*innen finden das Gold im bedingungslosen Zuspruch Gottes\u2026und unterm Kreuz: denn auch Jesus hat dort wohl in aller H\u00e4rte erkennen m\u00fcssen, dass die Wahrheit seiner Botschaft nicht in ihrem Erfolg liegt, sondern in seinem treuen Zeugnis, im Einstehen f\u00fcr diese Wahrheit &#8211; gerade und selbst in dem radikalsten Moment des Scheiterns dieser Botschaft. Das Annehmen des Scheiterns ist also das Ansehen der Bruchstellen. Das anhaltende Zeugnis f\u00fcr die dahinter liegende Vision, die dahinter liegende Wahrheit, erm\u00f6glicht es dann vielleicht diese Bruchstellen wieder mit Gold zusammenzuf\u00fchren. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"575\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/sankeien-gardens-1088419_1920-1024x575.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-380\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/sankeien-gardens-1088419_1920-1024x575.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/sankeien-gardens-1088419_1920-300x168.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/sankeien-gardens-1088419_1920-768x431.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/sankeien-gardens-1088419_1920-500x281.jpg 500w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/08\/sankeien-gardens-1088419_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Dr. Anne Weber ist Kollegiatin im Graduiertenkolleg \u201eKirche-Sein in  Zeiten der Ver\u00e4nderung\u201c an der Theologischen Fakult\u00e4t Paderborn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die japanische Tradition zerbrochene Keramik durch eine Gold- oder Silberlegierung zu reparieren hei\u00dft kintsugi \u2013 mit Gold zusammen f\u00fchren. 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