{"id":314,"date":"2020-06-15T17:55:42","date_gmt":"2020-06-15T15:55:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=314"},"modified":"2021-11-26T08:47:58","modified_gmt":"2021-11-26T07:47:58","slug":"um-der-gesundheit-der-schwaechsten-willen-kollateralschaden-mit-todesfolge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2020\/06\/15\/um-der-gesundheit-der-schwaechsten-willen-kollateralschaden-mit-todesfolge\/","title":{"rendered":"Um der \u201eGesundheit der Schw\u00e4chsten willen\u201c: Kollateralschaden mit Todesfolge"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_314 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_314')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_314').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Heimleitungen und das gesamte Personal sind darauf ausgerichtet,\nihr Heim coronafrei zu halten. Sobald eine Person in einem Senior*innenzentrum\nerkrankt war, hatte das mehrfach eine hohe Zunahme von Todesf\u00e4llen zur Folge.\nEs geht also um Leben und Tod, nicht nur um ein Leben und um einen Tod. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Anwohner*innen der Pflegeheime bedeutete die\nGesetzgebung 10 Wochen Isolation von ihren Angeh\u00f6rigen. NRW bestrafte den\nVersuch von Angeh\u00f6rigen, ihre eigene Ehefrau, ihren eigenen Ehemann, ihre\nMutter, ihren Vater, ihre Gro\u00dfeltern, ihre*n Nachbar*in, ihre*n Freund*in zu\nbesuchen, mit 200 Euro Bu\u00dfgeld. Im Brustton der \u00dcberzeugung verk\u00fcndete Armin\nLaschet, dass NRW hier keine falsche Toleranz zulassen w\u00fcrde. <\/p>\n\n\n\n<p>In den Nachrichten sahen wir hochbetagte weinende M\u00e4nner,\ndie ihren dementen geliebten Frauen, die sie schon seit Jahren pflegten und sie\naus \u00dcberforderung ins Pflegeheim gegeben hatten, nicht erkl\u00e4ren konnten, warum\nsie auf unbestimmte Zeit nicht mehr zu ihnen kommen d\u00fcrften. <\/p>\n\n\n\n<p>Nach den zehn Wochen der Isolation mussten viele Angeh\u00f6rige\nerkennen, die zehn Wochen in t\u00e4glicher Sorge um ihre alten, schwachen und\ndementen M\u00fctter, V\u00e4ter, Gro\u00dfv\u00e4ter, Gro\u00dfm\u00fctter, Nachbar*innen und Freund*innen waren,\ndass die Pandemiegesetzgebung ihren geliebten Hochbetagten mehr zugesetzt hatte\nals sie es erbeten und erhofft hatten. Zu lesen und zu h\u00f6ren war von Alten mit\nund ohne Covid 19 Diagnose, die isoliert und einsam hatten sterben m\u00fcssen, auch\nvon Suiziden in Heimen. <\/p>\n\n\n\n<p>Kriterium daf\u00fcr, was als <em>Gesundheit<\/em>\ngelten durfte, war und ist noch immer auf unbestimmte Zeit ausschlie\u00dflich,\nPersonen und Heime coronafrei zu halten. <\/p>\n\n\n\n<p>Vor einigen Wochen wurde auch in diesem Zusammenhang die\nBemerkung Wolfgang Sch\u00e4ubles diskutiert, dass weder aus christlicher Sicht noch\naus der Sicht demokratischer Politik das Leben den einzigen und h\u00f6chsten Wert\ndarstellen k\u00f6nne. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Theologin stimmt ihm zu. Nicht nur Gott in Christus hat\nsein Leben um der Rettung der Welt willen gegeben, sondern zahlreiche\nM\u00e4rtyrer*innen und Held*innen der Religionen und der Humanit\u00e4t haben in Zeiten\nder Not ihr Leben riskiert, um andere zu retten. T\u00e4glich geschieht das, wo\nimmer Menschen, seien sie religi\u00f6s oder human motiviert, in Kauf nehmen, dass\nihre eigene Gesundheit beeintr\u00e4chtigt, ihr eigenes Wohlergeben und ihre\nEigeninteressen zur\u00fcckgestellt werden, um andere zu unterst\u00fctzen, ihnen beizustehen,\nihnen auch stellvertretend eigene Zeit, eigenes Geld und die Zuwendung zu\nschenken, die diesen Schwachen, Kranken und Ausgegrenzten, aber auch den\neigenen Kindern und den eigenen Eltern sonst fehlen w\u00fcrde. Neben Eltern,\nGro\u00dfeltern, Kindern und Freund*innen stehen Soldat*innen, Polizist*innen,\n\u00c4rzt*innen, Pflegende, Seelsorger*innen, Lehrer*innen, Kita-Mitarbeiter*innen,\nTherapeut*innen und viele mehr regelm\u00e4\u00dfig oder stetig in Abw\u00e4gungen dessen,\nwieweit sie in ihrer unbezahlten und unbezahlbaren Zuwendung und in ihrer Liebe\nzu N\u00e4chsten gehen k\u00f6nnen und wollen. Das Recht und das Interesse am Schutz des\neigenen Lebens wird abgewogen gegen\u00fcber dem Interesse, das Leben anderer zu\nsch\u00fctzen und zu unterst\u00fctzen. <\/p>\n\n\n\n<p>Theologische, humane und demokratische Ethik darf dem, so\nmeine ich, auch demokratisch, human und theologisch rechtfertigbaren Interesse,\nSenior*innen und das Pflegepersonal vor Covid 19 zu sch\u00fctzen, nicht das\nInteresse opfern, chronisch Kranken, Dementen, Senior*innen und Menschen mit\nEinschr\u00e4nkungen in Pflegeheimen die Menschenw\u00fcrde zu nehmen oder sie \u00fcberm\u00e4\u00dfig\nanzutasten. Auch hier gilt es abzuw\u00e4gen. Um der juristisch reduzierten\nGesundheit willen, die \u2013 h\u00f6chst problematisch \u2013 ausschlie\u00dflich auf den Schutz\nvor Ansteckung mit dem Keim von Covid 19 beschr\u00e4nkt wurde und noch immer wird,\ndarf die Solidarit\u00e4t mit diesen Schw\u00e4chsten und Personen ohne eigene Stimme und\nweitgehend ohne Lobby in unserem Staat nicht verweigert werden. Ihr \u00fcberm\u00e4\u00dfiges\nseelisches, k\u00f6rperliches und geistiges Leiden darf nicht in Kauf genommen, ihre\nMenschenrechte nicht zu sehr eingeschr\u00e4nkt werden. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"576\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/06\/cross-2713356_1920-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-318\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/06\/cross-2713356_1920-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/06\/cross-2713356_1920-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/06\/cross-2713356_1920-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/06\/cross-2713356_1920-500x281.jpg 500w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/06\/cross-2713356_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Prof. Dr. Helga Kuhlmann ist Professorin f\u00fcr Evangelische Theologie mit  dem Schwerpunkt Systematische Theologie und \u00d6kumene am Institut f\u00fcr  Evangelische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Senior*innenzentren galten in den letzten drei Monaten und gelten noch immer als Lackmustest, als Schibboleth f\u00fcr den Erfolg der Pandemie-Gesetzgebung. 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