{"id":266,"date":"2020-05-08T09:28:38","date_gmt":"2020-05-08T07:28:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=266"},"modified":"2021-11-26T08:49:32","modified_gmt":"2021-11-26T07:49:32","slug":"wenn-ramadan-auf-corona-trifft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2020\/05\/08\/wenn-ramadan-auf-corona-trifft\/","title":{"rendered":"Wenn Ramadan auf Corona trifft"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_266 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_266')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_266').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Durch diesen freiwilligen Verzicht im Grunde auf alles, was das Leben am Laufen h\u00e4lt und erneuert, gewinnen die Gl\u00e4ubigen Zeit. Zeit, um einen kritischen Blick auf sich selbst, auf ihre Beziehung zu Gott oder auf die Dinge, die ihnen im Leben unverzichtbar und wichtig erscheinen, zu richten. Intensiviert werden kann diese Begegnung mit Gott durch das Rezitieren des Korans, in Erinnerung daran, dass die Offenbarung durch die Begegnung des Propheten Muhammad mit dem Erzengel Gabriel in der H\u00f6hle Hira in einer Nacht des Monats Ramadan begann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend des Fastens begegnet man nicht nur Gott auf eine besondere, au\u00dferallt\u00e4gliche Weise, sondern auch seinen gl\u00e4ubigen Mitmenschen. Der selbst auferlegte Verzicht erweitert den Blick auf die Gesellschaft und die Gemeinschaft, l\u00e4sst sie insbesondere durch das gemeinsame Fastenbrechen in einer besonderen Weise erfahren. Welch unvergessliche Momente sind es, in denen man mit eingeladenen G\u00e4sten an einem festlich gedeckten Tisch die mit viel Liebe zubereiteten Speisen zu sich nimmt und dabei oft eine Ver\u00e4nderung wahrnimmt, dass Speisen und selbst Wasser nach einem langen Fastentag besser als sonst schmecken. Dieses Beschenkt-Sein mit einer sensibleren Wahrnehmung und einem tiefen Gemeinschaftserleben bewirkt eine Dankbarkeit, die sich vor allem durch das Spenden als Solidarit\u00e4t mit Menschen zeigt, die nicht zu den Privilegierten dieser Welt geh\u00f6ren. Durch eine Spende an Bed\u00fcrftige teilt man die Gaben dieser Welt und f\u00fchlt sich mit ihnen im Geiste verbunden, wenn man ihr Leid ein etwas ertr\u00e4glicher machen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Diesen beschriebenen Ramadan gibt es so im Jahre 2020 nicht: So wie die Bek\u00e4mpfung der Corona-Pandemie zwangsl\u00e4ufig zu Ver\u00e4nderungen bei der Begehung der christlichen Osterfeierlichkeiten und des j\u00fcdischen Pessachfestes gef\u00fchrt haben, sind auch nun die Ramadan-Rituale der Muslim*innen von den Einschr\u00e4nkungen betroffen: Keine Tarawih-Gebete, kein gemeinsames Rezitieren des Korans in der Moschee, kein gemeinsames Fastenbrechen mit Freunden und Bekannten, die man zeitlich bedingt nur im Ramadan trifft! Besonders belastend empfinden insbesondere alte, alleinstehende und mit wenig sozialen Netzwerken ausgestattete Muslim*innen diese Beeintr\u00e4chtigungen, wenn sie sich nicht einmal mit ihren Kindern und Enkelkindern zum Iftar verabreden oder die Moschee besuchen k\u00f6nnen. F\u00fcr mich und meine Kolleg*innen als Mitarbeiter*innen des Seminars f\u00fcr islamische Theologie an der Universit\u00e4t Paderborn schr\u00e4nkt Corona auch die interreligi\u00f6sen Begegnungsm\u00f6glichkeiten mit der schon traditionellen Einladung zum Iftar ein, die einen regen Austausch von Vertreter*innen der Stadt, Kirchen bzw. Religionen und Universit\u00e4t erm\u00f6glicht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Ramadan als der Monat des Verzichtes zwingt uns in Zeiten von Corona, nun auch auf all die Dinge zu verzichten, auf die wir uns ein Jahr lang sehnlichst gefreut haben. Die Corona-Ma\u00dfnahmen zeigen dabei Parallelen zum Ramadan auf: Corona entschleunigt auch das Leben, der Alltag in Quarant\u00e4ne nimmt Z\u00fcge des&nbsp;&nbsp;I\u02bftik\u0101f (des R\u00fcckzugs aus dem Alltag in den letzten 10 Tagen des Ramadans) an.&nbsp;&nbsp;Das solidarische Handeln wird sogar von Politiker*innen zur Bek\u00e4mpfung der Pandemie gefordert; das sind Erfahrungen der Gesamtgesellschaft und nicht nur der fastenden Muslim*innen. Was ist aber der essenzielle Unterschied, wenn beide Situationen Disziplin einfordern und zu Verzicht auffordern? Dieses winzig kleine Virus wirbelt derzeit unser Leben durcheinander und zeigt uns, dass unser \u00dcberleben von unserer Kooperation abh\u00e4ngt. Die Ma\u00dfnahmen zur Bek\u00e4mpfung des Virus, das sonst seine existenzzerst\u00f6rende Wirkung zeigen kann, sind eine Notwendigkeit. Der Ramadan hingegen ist eine spirituelle Einladung, \u00fcber unsere Haltung zu unserem Dasein, unsere Beziehung zu Gott und zu unserer Umwelt zu reflektieren. Der Verzicht kann uns helfen, unsere Sinne f\u00fcr das Wesentliche im Leben zu \u00f6ffnen und so zu innerer Freiheit zu gelangen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn die Bek\u00e4mpfung der Pandemie mit sich bringt, solidarisch mit allen Menschen in unserem Umfeld zu sein und zum Schutze aller Distanz zu wahren, haben wir als Gesellschaft nicht aus Altruismus auf Solidarit\u00e4t und R\u00fccksicht umgeschaltet, sondern aus vern\u00fcnftiger Einsicht in die Erfordernisse einer Zwangslage. Hierbei kann der Ramadan erg\u00e4nzend sein besonderes spirituelles Potenzial entfalten, indem er der Solidarit\u00e4t einen h\u00f6heren Sinn verleiht. Wer im Ramadan wegen Corona auf die Begegnung mit gesch\u00e4tzten Menschen verzichten muss, kann dies als Einladung verstehen, umso mehr t\u00e4tige Solidarit\u00e4t mit bed\u00fcrftigen Menschen zu \u00fcben, die er nicht kennt, die ihm aber als Gesch\u00f6pfe Gottes verbunden sind und gerade in der Corona-Krise seine Hilfe brauchen. Diese Erweiterung von Solidarit\u00e4tsr\u00e4umen kann sich ergeben, wenn Ramadan auf Corona trifft.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Von dem slowenischen Philosophen Slavoj \u017di\u017eek stammt die Einsch\u00e4tzung: \u201eWir werden durch Corona unsere gesamte Einstellung gegen\u00fcber dem Leben anpassen \u2013 im Sinne unserer Existenz als Lebewesen inmitten anderer Lebensformen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht machen die fastenden Gl\u00e4ubigen in diesem Jahr diese Erfahrung von etwas Neuem und existenziell Bereicherndem.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Einen gesegneten Ramadan!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"764\" height=\"771\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/05\/Bild-Ramadan.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-268\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/05\/Bild-Ramadan.jpg 764w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/05\/Bild-Ramadan-150x150.jpg 150w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/05\/Bild-Ramadan-297x300.jpg 297w\" sizes=\"auto, (max-width: 764px) 100vw, 764px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h4 class=\"wp-block-heading\"><\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color\">Naciye Kamcili-Yildiz ist Mitarbeiterin am Seminar f\u00fcr Islamische Theologie mit dem Schwerpunkt Islamische Religionsp\u00e4dagogik und ihre Fachdidaktik an der Universit\u00e4t Paderborn. <\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00f6chten in diesem Zusammenhang auf die Aktion der AIWG zu Corona und der Auswirkung bei der Aus\u00fcbung der Religionen hinweisen. Mehr Informationen finden Sie hier: <a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/AIWG.DE\/photos\/a.1104075639751936\/1549129895246506\/?type=3&amp;theater\">https:\/\/www.facebook.com\/AIWG.DE\/photos\/a.1104075639751936\/1549129895246506\/?type=3&amp;theater<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedes Jahr freuen sich Muslim*innen weltweit auf den Beginn des Ramadans. 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