{"id":2142,"date":"2026-09-18T10:31:22","date_gmt":"2026-09-18T08:31:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=2142"},"modified":"2026-09-18T10:31:22","modified_gmt":"2026-09-18T08:31:22","slug":"abschiede","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2026\/09\/18\/abschiede\/","title":{"rendered":"Abschiede"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_2142 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_2142')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_2142').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Dann kommt der Moment, und pl\u00f6tzlich hilft einem diese ganze Vorbereitung \u00fcberhaupt nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der islamischen Tradition gibt es eine Abschiedsformel, die auf den Propheten Mu\u1e25ammad a.s. zur\u00fcckgeht und die mich in den letzten Tagen anspricht: \u201eIch vertraue Allah deine Religion, das dir Anvertraute und den Ausgang deiner Taten an\u201c (<em>Astawdi\u02bfu ll\u0101ha d\u012bnaka wa-am\u0101nataka wa-\u1e2baw\u0101t\u012bma \u02bfamalik<\/em>). In verschiedenen muslimischen Sprachr\u00e4umen haben sich daraus oder daneben k\u00fcrzere Abschiedsformeln eingeb\u00fcrgert: \u201eIn Gottes Obhut\u201c (<em>f\u012b am\u0101nill\u0101h<\/em>) oder im T\u00fcrkischen \u201esei Gott anvertraut\u201c (<em>Allah\u2019a emanet ol<\/em>), verk\u00fcrzt auch im Bosnischen <em>Allahimanet!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eigentlich ist das eine ziemlich genaue Beschreibung dessen, was bei einem Abschied geschieht. Solange die geliebte Person in unserer N\u00e4he ist, k\u00f6nnen wir noch vieles tun: helfen, eingreifen, erinnern, nachfragen, aufpassen. Irgendwann aber steht man vor einem Abschied. Von da an werden unsere M\u00f6glichkeiten kleiner. Die Sorgen, aber \u2026 die werden gr\u00f6\u00dfer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dieser Stelle beginnt das Anvertrauen. Man gibt den geliebten Menschen nicht auf. Man gibt nur den Anspruch auf, ihn jederzeit sehen, begleiten oder bewahren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch der Koran tut nicht so, als m\u00fcsste Gottvertrauen den Abschiedsschmerz beseitigen. Jakob trauert um Y\u016bsuf so sehr, dass der Koran sogar von den k\u00f6rperlichen Spuren seiner Trauer erz\u00e4hlt. \u201eO mein Schmerz um Y\u016bsuf!\u201c, ruft er aus, und seine Augen werden vor Trauer wei\u00df (Q 12:84). Zugleich verliert er seine Hoffnung auf Gott nicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Ibr\u0101h\u012bm seine Frau und seinen Sohn in einem \u201eTal ohne Saat\u201c zur\u00fcckl\u00e4sst, l\u00e4sst ihn der Koran sagen:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>\u201eUnser Herr, ich habe einige aus meiner Nachkommenschaft in einem Tal ohne Saat bei deinem heiligen Haus wohnen lassen, unser Herr, damit sie das Gebet verrichten. So la\u00df die Herzen einiger Menschen sich ihnen zuneigen und beschere ihnen etwas von den Fr\u00fcchten, auf da\u00df sie dankbar seien\u201c <\/em>(Q 14:37)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Man liest dieses Gebet Ibr\u0101h\u012bms anders, wenn man selbst erfahren hat, wie es ist, jemanden zur\u00fcckzulassen. Man erkennt den Klo\u00df im Hals, den Druck auf seiner Brust, mit dem er, ein Prophet Gottes, so menschlich seine Geliebten Gott anvertraut: Mein Gott, lass sie ihren Weg finden. Sorge daf\u00fcr, dass es ihnen an nichts fehlt\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jakob spricht seine Trauer aus, Ibr\u0101h\u012bm macht aus seiner Sorge ein Gebet. Der Koran bewahrt beides. Wer glaubt, muss einen Abschied nicht weniger schmerzhaft finden. Gottvertrauen beginnt gerade dort, wo die eigene F\u00fcrsorge an ihre Grenze kommt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielleicht ist das der Grund, weshalb Abschiede besonders schwer werden, wenn Menschen beginnen, ihre eigenen Wege zu gehen. Man wei\u00df, dass genau das geschehen soll. Und man h\u00e4tte sie trotzdem gern noch ein wenig l\u00e4nger in Reichweite\u2026<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Es mu\u00df das Herz bei jedem Lebensrufe<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>In andre, neue Bindungen zu geben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Der uns besch\u00fctzt und der uns hilft, zu leben.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>[&#8230;]<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">(Aus: Hermann Hesse, Stufen)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>F\u00ad\u00adi am\u00ad\u0101nill\u0101h, golube!<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/09\/sebastian-herrmann-eENrSj292uE-unsplash-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2143\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/09\/sebastian-herrmann-eENrSj292uE-unsplash-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/09\/sebastian-herrmann-eENrSj292uE-unsplash-300x200.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/09\/sebastian-herrmann-eENrSj292uE-unsplash-768x512.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/09\/sebastian-herrmann-eENrSj292uE-unsplash-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/09\/sebastian-herrmann-eENrSj292uE-unsplash-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/09\/sebastian-herrmann-eENrSj292uE-unsplash-450x300.jpg 450w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-1 wp-block-paragraph\">Dr. Ahmed Husi\u0107 ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Islamische Normlehre am Paderborner Institut f\u00fcr Islamische Theologie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Abschiede geh\u00f6ren zu den Dingen, auf die man sich erstaunlich schlecht vorbereiten kann. 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