{"id":2137,"date":"2026-09-11T17:57:14","date_gmt":"2026-09-11T15:57:14","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=2137"},"modified":"2026-09-11T17:57:14","modified_gmt":"2026-09-11T15:57:14","slug":"ein-neues-altes-schisma-im-roemischen-katholizismus-die-piusbrueder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2026\/09\/11\/ein-neues-altes-schisma-im-roemischen-katholizismus-die-piusbrueder\/","title":{"rendered":"Ein neues altes Schisma im r\u00f6mischen Katholizismus: die Piusbr\u00fcder"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_2137 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_2137')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_2137').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Im Jahr 1970 gr\u00fcndete der Erzbischof von Dakar, Marcel Lefebvre, diese Priestervereinigung, die sich gegen die Reformen des 2. Vatikanischen Konzils wandte, an dem Lefebvre selbst teilgenommen hatte. Schon im Jahr 1988 hatte er im Alter von 82 Jahren selbst vier neue Bisch\u00f6fe geweiht, um das Weiterleben der Bruderschaft zu sichern. Mit diesem Akt stellte er sich und seine Mitbr\u00fcder au\u00dferhalb der r\u00f6misch-katholischen Kirche. Im Jahr 2009 kam es zu Verhandlungen mit dem Vatikan und Papst Benedikt XVI. hob die Exkommunikation der vier Bisch\u00f6fe auf. Darunter war auch Richard Williamson, der sich als Antisemit und Holocaustleugner hervorgetan hatte. In Deutschland war er wegen Volksverhetzung verurteilt worden.<br>Auch unter Papst Franziskus I. gab es weitere Gespr\u00e4che. Nach der erneuten Bischofsweihe hebt die r\u00f6misch-katholische Kirche nun hervor, dass die Piusbruderschaft sich damit selbst aus der Kirche ausgeschlossen habe und spricht von einem Schisma im Sinne des Kirchenrechts. Der Vatikan hat hier recht klar und eindeutig seine Position klargemacht, denn alle ihre Geistlichen sind exkommuniziert.<br>Allerdings ist die Piusbruderschaft mittlerweile \u00fcber die ganze Welt verteilt. Nach ihren Angaben geh\u00f6rten \u00fcber 700 Priester im Jahr 2025 zu ihnen. Die Gesamtzahl der Anh\u00e4nger:innen gab sie f\u00fcr 2009 mit 600.000 an.<br>Auf ihrer Homepage gibt die Bruderschaft Auskunft \u00fcber ihre Lehre:<br>Abgelehnt wird der sogenannte Modernismus, weil er zu einer Relativierung der Wahrheit f\u00fchre. Die Bruderschaft will gerade an den g\u00f6ttlichen Wahrheiten festhalten. Entsprechend besteht die Religionsfreiheit des Menschen darin, sich der richtigen wahren Religion \u2013 also der katholischen \u2013 anzuschlie\u00dfen. Der Staat hat auch die Aufgabe &#8222;fehlerhafte&#8220; Religionen nicht zu f\u00f6rdern. \u00d6kumene bedeutet dann, auf der Seite der Wahrheit zu stehen und diese zu verteidigen. Deshalb kann Kirche auch nie demokratisch sein, sondern wahrt die Hierarchie der \u00c4mter. Nur die traditionelle Liturgie bewahrt den Opfercharakter der Messe, die Gott im Mittelpunkt des Gottesdienstes l\u00e4sst und nicht den Menschen an seine Stelle stellt. \u2013 Schon diese Einlassungen zum Thema Kirche und Glauben zeigen deutlich, was die Piusbr\u00fcder denken und wollen. Ein dialogisches Gespr\u00e4ch \u00fcber unterschiedliche Formen von Religion oder Konfessionen ist mit ihnen nicht m\u00f6glich. Und da sind viele andere problematische Fragen noch gar nicht Thema geworden, dann auch in der Ethik hat man eine entsprechende H\u00e4rte. Besonders schmerzlich ist freilich, das Festhalten an judenfeindlichen Positionen, die f\u00fcr den christlichen Glauben nicht akzeptabel sind.<br>Der Begriff &#8222;Schisma&#8220; weist darauf hin, dass sich eine Gruppe nicht mehr als die rechtm\u00e4\u00dfige Autorit\u00e4t in einer Konfession anerkennt und damit nicht mehr in der Lage ist, Kirche zu repr\u00e4sentieren. Dabei geht es \u2013 wie im Fall der Piusbruderschaft \u2013 um nichtkanonische Weihen von Bisch\u00f6fen, mit denen sie sich selbst ausgeschlossen haben. Die Lehre steht hier aber nicht zur Disposition; in diesem Fall m\u00fcsste man von &#8222;H\u00e4resie&#8220; sprechen. Der Vatikan hat im Juli festgestellt, dass alle Mitglieder und Gottesdienstbesucher:innen sich im Schisma befinden und exkommuniziert sind. Das bedeutet f\u00fcr die Sakramentsverwaltung, dass Sakramente, die Priester der Bruderschaft spenden, unrechtm\u00e4\u00dfig und damit ung\u00fcltig sind. Das Erzbistum K\u00f6ln listet auf seiner Homepage Kirchen auf, in denen die tridentinische Messe rechtm\u00e4\u00dfig gefeiert wird.<br>Damit wird Menschen, die die alte Form der Messe bevorzugen, eine M\u00f6glichkeit gegeben, nicht zu den Piusbr\u00fcdern zu gehen.<br>Aber ist damit das eigentliche Problem wirklich benannt? Wohl kaum &#8211; aber wie bekommt man es kirchenrechtlich sonst in den Griff? Nat\u00fcrlich kann man \u00fcber die mangelnde Erlaubnis des Papstes f\u00fcr die Bischofswahl reden und damit auf die entsprechenden Paragraphen des CIC (can. 1364 \u00a7<br>1) hinweisen. Damit ist ein Problem im Umgang mit ultratraditionalistischen Kreisen angegangen. Damit sind aber die ultrakonservativen Einlassungen zur Lehre, dem Kirchenverst\u00e4ndnis oder der Lebensf\u00fchrung noch nicht zum Thema geworden. Dabei ist gerade diese theologische Ausrichtung, welche zum Thema zu machen w\u00e4re. W\u00fcrde man die Diskussion um traditionalistische theologische Einstellungen f\u00fchren, dann w\u00fcrde man nicht nur mit den Piusbr\u00fcdern \u00fcber die kirchliche Lehre reden, sondern auch mit anderen Teilen des r\u00f6mischen Katholizismus, die \u00e4hnliche und gleiche Ansichten wie in der Piusbruderschaft haben, aber ihr nicht angeh\u00f6ren wollen und k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"924\" height=\"693\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/09\/20241031_104857.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2138\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/09\/20241031_104857.jpg 924w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/09\/20241031_104857-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/09\/20241031_104857-768x576.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/09\/20241031_104857-400x300.jpg 400w\" sizes=\"auto, (max-width: 924px) 100vw, 924px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-1 wp-block-paragraph\">PD Dr. Richard Janus ist Wissenschaftlicher Mitarbeit am Institut f\u00fcr Evangelische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn und Generalsekret\u00e4r des Evangelischen Bundes<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie haben es wieder getan. 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