{"id":204,"date":"2020-03-20T11:03:24","date_gmt":"2020-03-20T10:03:24","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=204"},"modified":"2021-11-26T08:50:16","modified_gmt":"2021-11-26T07:50:16","slug":"exodus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2020\/03\/20\/exodus\/","title":{"rendered":"Exodus"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_204 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_204')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_204').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Diese sind: die Geschichte der Erschaffung der Welt (Bereshit \/ Genesis), die Geschichte von Abram, der das Land seiner Vorfahren (Lech Lecha) verl\u00e4sst, die Geschichte des Auszuges aus \u00c4gypten (EXODUS) und die Geschichte der \u00dcbergabe der Tora auf den Berg Sinai. Jede dieser Erz\u00e4hlungen entfaltet eine Reihe von Werten und Konzepten, die ein einzigartiges und originelles Gewebe bilden, das sich von anderen benachbarten Kulturen unterscheidet und sich \u00fcber mehrere Jahrtausende entwickelt und erweitert hat, ohne seine urw\u00fcchsigen Knoten zu brechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der N\u00e4he der Pesach-Feier (die mit dem Beginn des&nbsp;Fr\u00fchlings&nbsp;in der n\u00f6rdlichen Hemisph\u00e4re beginnt, in diesem Jahr vom 08.-16.04.2020), nutze ich diese Gelegenheit die Bedeutung&nbsp;der Erz\u00e4hlung des Auszuges aus \u00c4gypten, des H\u00f6hepunkts der g\u00f6ttlichen Offenbarung&nbsp;&nbsp;und der \u00dcbergabe des Gesetzes zu untersuchen, grundlegende Geschichten, sowohl in der Konstruktion des kollektives Ged\u00e4chtnis, und von der (Selbst-) Identit\u00e4t und Ethos als Volk.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Exodus, der Auszug der Kinder Israel aus der vom Pharao auferlegten Sklaverei in \u00c4gypten, war das Werk des Gottes Israels, von Moses seinem ersten Propheten vermittelt. Es ist die erste Geschichte, in der ein Kollektiv auftaucht, davor liegen die Tage der intimen Familiengeschichten von Jakob und seinen Kindern: ein versklavtes Volk, das den Launen seine Tyrannen ausgesetzt ist. Ein traumatisiertes Volk, schl\u00e4gt die Geschichte vor, deren Kinder in den Nil geworfen wurden und riesige architektonische Werke&nbsp;<em>f\u00fcr die Herren&nbsp;<\/em>bauten. In einer Handlung, in der Gottes aggressives Eingreifen&nbsp;&nbsp;die Natur und ihre Manifestationen wesentlich ver\u00e4nderte, und die in der Ermordung der erstgeborenen \u00c4gypter gipfelte, wird erreicht, was politische Verhandlungen nicht erreicht hatten: Die Kinder Israels verlassen \u00c4gypten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein \u00e4ngstliches Volk geht in Richtung eines unbekannten Epos, folgt einem Versprechen, \u00fcberquert das Rote Meer und r\u00fcckt in die herausforderndste Geographie vor: die W\u00fcste. Die Entstehungsgeschichte dieses Volk ist weder mit edlen Urspr\u00fcngen noch mit mythischen und heldenhaften Schlachten geschm\u00fcckt: Der Ursprung ist die Sklaverei, die Unterwerfung, die Hilflosigkeit. Aus dem am meisten diskreditierten sozialen, wirtschaftlichen und psychologischen Zustand wird ein Volk geboren. Der Zustand der Sklaverei naturalisiert ein Rechtssystem, von dem angenommen wird, dass es M\u00e4nner und Frauen mit verschiedenen&nbsp;&nbsp;Rechten und Privilegien gibt, eigentlich zeigt es, dass es M\u00e4nner und Frauen gibt, die die Kategorie der M\u00e4nner und Frauen nicht erreichen: Sie sind zu Dingen, zu Werkzeuge und&nbsp;Tiere degradiert. Sklaven sind Gebrauchs- und Konsumgegenst\u00e4nde, werden gekauft, verkauft und weggeworfen. Dem System liegt die Macht des Herrn zugrunde, Eigent\u00fcmer von Leben und Schicksalen. Auf der anderen Seite k\u00f6nnte nur die Tat eines allm\u00e4chtigen Gottes, der unermessliche Wunder tut, die Sklaverei brechen, die der Sklavenk\u00f6rper grunds\u00e4tzlich benutzt, aber definitiv sich in seiner Psyche einnistet.<\/p>\n\n\n\n<p>In&nbsp;<em>My Bondage and my Freedom<\/em>, schafft es&nbsp;Frederik Douglas, ein schwarzer Sklave aus den s\u00fcdlichen USA, in den Norden zu fliehen. Ein imagin\u00e4rer Dialog mit seinem Sklavenhalter (1855) verdeutlicht seine Argumentation, die ihn in die Freiheit f\u00fchrte:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e&nbsp;<em>I\u2019m&nbsp;&nbsp;myself, you are yourself; we are two distinct persons, two equal persons. You are a man and so am I. God created both and made us separate things. I\u00b4m not by nature bond to you or&nbsp;&nbsp;you to me. Nature doesn\u00b4t make your existence depend&nbsp;&nbsp;upon me, or mine to depend upon yours. I cannot walk upon your legs or you upon mine. I cannot breathe for you, and you for me; I must breathe by myself and you for yourself<\/em>&nbsp;(&#8230;)<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kinder Israels reisten nicht umsonst vierzig Jahre durch die W\u00fcste: Die Generation \u00c4gyptens konnte kaum von den Traumata der Sklaverei geheilt werden, aber vielleicht ihre Kinder oder die Kinder ihrer Kinder. Auf dem Weg passiert was die n\u00e4chste gro\u00dfe Erz\u00e4hlung aufdeckt: Die Offenbarung Gottes erfolgt in einem direkten Dialog mit dem Volk Israel durch ein System von Gesetzen, den Dekalog. Matan Tora, buchst\u00e4blich die \u00dcbergabe der Thora: Jedes Gebot organisiert die Sklavenmentalit\u00e4t der Kinder Israel.&nbsp;Gott stellt sich vor, lehnt andere G\u00f6tter und Herren im zweiten Gebot ab, verlangt den h\u00f6chsten Respekt f\u00fcr seinen Namen, f\u00fcr den Schabbat und f\u00fcr die Zeit als solche; f\u00fcr die Eltern und f\u00fcr die Grundlagen des Zusammenlebens: nicht t\u00f6ten, nicht stehlen und kein falsches Zeugnis auflegen. Und dann die ethischen Gebote: du wirst nicht begehren was der andere hat &#8230;<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/03\/road-3856796_1920-1024x576.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-206\" width=\"332\" height=\"187\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/03\/road-3856796_1920-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/03\/road-3856796_1920-300x169.jpg 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/03\/road-3856796_1920-768x432.jpg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/03\/road-3856796_1920-500x281.jpg 500w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2020\/03\/road-3856796_1920.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 332px) 100vw, 332px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der Dekalog ist ein Versuch, die Sklaverei in den K\u00f6pfen zu beseitigen: wo es vorher einen Herrn gab, wird es jetzt Gott geben, wo es keine Zeit gab, wird es Schabbat geben, wo die Familie auseinander gerissen zerst\u00fcckelt wurde,&nbsp;&nbsp;gibt es jetzt Vater und Mutter, wo es kein Gesetz gab, wird es eins geben und Laune und Gier werden jetzt kontrolliert.&nbsp;Die biblische und rabbinische Weisheit vereinte die Erz\u00e4hlung des Exodus und die der Tora-\u00dcbergabe in (Ex. 32,16)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eUnd die Tafeln waren ein Werk Gottes; und die Schrift war eine Schrift Gottes eingegraben in die Tafeln\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>In einem Kommentar im Pirkei Avot (Spr\u00fcche der Vater)<\/p>\n\n\n\n<p>(&#8230;) Lies nicht&nbsp;<em>Charut&nbsp;<\/em>(geschnitzter Text), sondern&nbsp;<em>Cheirut<\/em>&nbsp;(Freiheit), dass es keinen Menschen gibt, der freier ist als derjenige, der sich mit dem Studium der Tora befasst.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn die Bibel uns klar macht, dass der Text des Dekalogs selbst von der g\u00f6ttlichen Hand geschrieben wurde, \u201eAuf den Tafeln geschnitzt\u201c (auf Hebr\u00e4isch<em>&nbsp;Charut<\/em>), gehen die Weisen noch einen Schritt weiter. Sie schlagen vor, dass der Text behauptet, dass das Gesetz im Wesentlichen von der Freiheit des Individuums (<em>Cheirut)<\/em>&nbsp;spricht, indem er betont, dass es kein freieres Individuum geben w\u00fcrde als dasjenige, das die Tora studiert. Der Unterschied zwischen&nbsp;<em>Charut&nbsp;<\/em>(geschnitzt) und&nbsp;<em>Cheirut,<\/em>&nbsp;das \u201ei\u201c (Jod), das die Zahl zehn darstellt (die Buchstaben auf Hebr\u00e4isch besitzen einen numerischen Wert) w\u00e4ren die Zehn Gebote, die im Sinai offenbart wurden. Klarstellung f\u00fcr eine Gruppe ehemaliger Sklaven, die misstrauisch sind und sich f\u00fcrchten aus einer Sklaverei zu entfliehen, um in eine andere einzutreten. Das Gesetz befreit uns, sagt der Text. Nur wenn das Gesetz nicht regiert, ist eine Sklaverei, wie die von \u00c4gypten wieder m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right has-blue-color has-text-color\">Liliana Furman ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur f\u00fcr J\u00fcdische Studien an der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Judentum wird nicht nur als eine Religion betrachtet, sondern als eine Kultur oder eine Zivilisation die \u201euse magnificient the narrative to explore great normative questions\u201c (Robert Cover)Die gro\u00dfen j\u00fcdischen Erz\u00e4hlungen finden sich in der Bibel (Thora) und organisieren eine &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2020\/03\/20\/exodus\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":8594,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-204","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/204","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/8594"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=204"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/204\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":845,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/204\/revisions\/845"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=204"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=204"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=204"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}