{"id":2039,"date":"2026-07-09T20:33:00","date_gmt":"2026-07-09T18:33:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=2039"},"modified":"2026-07-13T13:03:45","modified_gmt":"2026-07-13T11:03:45","slug":"weltvollendung-aesthetisch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2026\/07\/09\/weltvollendung-aesthetisch\/","title":{"rendered":"Weltvollendung, \u00e4sthetisch?"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_2039 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_2039')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_2039').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Juni 1953 gewaltsam niederschlug und damit auch schon eine Keimzelle seines Legitimationsverlusts und des Scheiterns des \u201aSozialismus auf deutschem Boden\u2018 legte, da widmete er sich in seinen <em>Buckower Elegien <\/em>dem \u201eBlumengarten\u201c. Die zwei vierzeiligen Strophen des Gedichts lauten:<\/p>\n\n\n\n<p>Am See, tief zwischen Tann und Silberpappel<br>Beschirmt von Mauer und Gestr\u00e4uch ein Garten<br>So weise angelegt mit monatlichen Blumen,<br>Da\u00df er vom M\u00e4rz bis zum Oktober bl\u00fcht.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier in der Fr\u00fch, nicht allzu h\u00e4ufig, sitz ich<br>Und w\u00fcnsche mir, auch ich m\u00f6g allezeit&nbsp;<br>In den verschiedenen Wettern, guten, schlechten<br>Dies oder jenes Angenehme zeigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Brecht greift die lange \u00e4sthetische, literarische und vor allem religi\u00f6se Tradition des Gartens auf, die ihn als ein Abbild des Paradieses versteht, im Judentum, im Christentum, im Islam. Der Garten ist ein Symbol der Vollendbarkeit, der Wiedervollendung der Welt. Auch der hier bedichtete Blumengarten zeigt eine \u201aweise Anlage\u2018. Dass es nur ein Sommergarten ist, der \u201evom M\u00e4rz bis zu Oktober bl\u00fcht\u201c, ein von einer Mauer \u201abeschirmter\u2018 <em>hortus conclusus<\/em>, st\u00f6rt das lyrische Ich nicht. Der Blumengarten wird ihm zum Gegen\u00fcber seiner Imagination und diese bef\u00f6rdert die Kraft seines Wunsches, \u201eauch ich m\u00f6g allezeit \/ [\u2026] \/ Dies oder jenes Angenehme zeigen.\u201c Der Wunsch ist noch unerf\u00fcllt, zuk\u00fcnftig ausgerichtet, utopisch; aber w\u00e4hrend der Blumengarten nur acht Monate bl\u00fcht, wird das lyrische Ich seinen Wunsch auf \u201eallezeit\u201c hin aussprechen. Weltvollendung ist mithin nicht die Wiederherstellung des alten Paradieses, sondern sie zeigt sich als Praxis, die vom Menschen ausgeht, noch zu erbringen ist und \u2013 das ist die kritische Spur, die hier hineingelegt wird \u2013 auch \u201enicht allzu h\u00e4ufig\u201c schon geprobt wird. Die \u201eschlechten\u201c Wetter sind keineswegs vor\u00fcber; aber der Wunsch und die ihn zu realisieren versuchende Praxis \u201ezeigen\u201c vielleicht schon Spuren eines Angenehmen, unter dessen Auspizien sich die Welt vollenden \u201em\u00f6g\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"804\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/07\/Kirche-Weltvollendung-804x1024.jpeg\" alt=\"Johannes Schreiter, Weltvollendungsfenster im Ulmer M\u00fcnster\nBildrechte obliegen Andreas M\u00fcller (@andreasmuellerdiakoniepfarrer) \" class=\"wp-image-2045\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/07\/Kirche-Weltvollendung-804x1024.jpeg 804w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/07\/Kirche-Weltvollendung-236x300.jpeg 236w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/07\/Kirche-Weltvollendung-768x978.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/07\/Kirche-Weltvollendung.jpeg 1206w\" sizes=\"auto, (max-width: 804px) 100vw, 804px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Johannes Schreiter, Weltvollendungsfenster im Ulmer M\u00fcnster. Bildrechte obliegen Andreas M\u00fcller (<a href=\"https:\/\/www.instagram.com\/andreasmuellerdiakoniepfarrer\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/www.instagram.com\/andreasmuellerdiakoniepfarrer\/\">@andreasmuellerdiakoniepfarrer<\/a>)<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-16b5978c241ad6606f1e7b6adcbefed9\">Prof. Dr. Lothar van Laak ist Professor am Institut f\u00fcr Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaft der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Literatur kann die R\u00fcckkehr ins Paradies imaginieren, der apokalyptischen Weltzerst\u00f6rung die Weltvollendung am Ende der Zeiten entgegenstellen. Als Bertolt Brecht nicht nur die Gewalt des NS-Regimes und die Zerst\u00f6rung des 2. 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