{"id":2021,"date":"2026-05-22T15:22:58","date_gmt":"2026-05-22T13:22:58","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=2021"},"modified":"2026-05-22T15:27:14","modified_gmt":"2026-05-22T13:27:14","slug":"wahre-wunder","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2026\/05\/22\/wahre-wunder\/","title":{"rendered":"Wahre Wunder"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_2021 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_2021')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_2021').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Jahrhundert, das oft als \u201eJahrhundert der Aufkl\u00e4rung\u201c bezeichnet wird, ereigneten sich im Paderborner Land Wunder in gro\u00dfer Zahl.                         F\u00fcr Glaubensgemeinschaften sind Wunder riskant. Einerseits sollte man darauf hoffen, gelten sie doch als Manifestation Gottes in der Welt. Nicht nur Christen, auch Juden und Muslime waren lange Zeit \u00fcberzeugt, dass in Wundern die Allmacht Gottes offenbar werde und seine Anteilnahme am Geschick der Menschen, auch dass Wunder durch F\u00fcrbitten von Heiligen bewirkt werden k\u00f6nnen. Deshalb verlangten viele Gl\u00e4ubige danach, und die Kirche stimulierte diese Erwartung. Als man 1736 neunhundert Jahre Liborius in Paderborn feierte, forderten die Pfarrer die Gl\u00e4ubigen auf, von Wunderheilungen zu berichten, die durch Gebete zu dem Heiligen bewirkt worden seien.                                                                                           Allerdings k\u00f6nnen Wunder auch vorget\u00e4uscht werden. Nur zu leicht wird der Wunderglaube zum Einfallstor f\u00fcr Hysterie und Manipulation. Deshalb hat die lateinische Kirche seit dem Mittelalter Verfahren entwickelt, um Wunderberichte zu pr\u00fcfen. Wie das ablief, zeigen die Akten \u2013 das Verfahren ist der Grund, warum es sie gibt. Die Pfarrer mussten aufschreiben, was die Gl\u00e4ubigen erz\u00e4hlten, es also aus der M\u00fcndlichkeit in die Schriftlichkeit bringen, aus der Volkssprache ins Latein. Dabei sollten die Pfarrer kritisch nachfragen, die Gl\u00e4ubigen regelrecht verh\u00f6ren, um Betrugsversuche abzuwehren.&nbsp;                                                                 Zus\u00e4tzliche Sicherheit erhoffte man sich von einem Notar, der bei dem Gespr\u00e4ch dabei sein sollte. Seine Aufgaben bestanden darin feststellen, welchen Leumund der Erz\u00e4hler des Wunders oder auch die Erz\u00e4hlerin hatten, ob sie als glaubw\u00fcrdige Leute galten. Und er sollte das Gespr\u00e4chsprotokoll beglaubigen. Als dritte H\u00fcrde konnte ein skeptischer Bischof eine Untersuchungskommission einsetzen, um die Unterlagen zu pr\u00fcfen und in unsicheren F\u00e4llen weitere Zeugenaussagen einzuholen. All diese Vorg\u00e4nge sind in den Akten belegt.              Heutige Historikerinnen und Historiker lesen die Wunderakten als historische Zeugnisse. Sie geben Aufschluss nicht nur dar\u00fcber, wo das Jahrhundert der Aufkl\u00e4rung auch ein Jahrhundert des Wunderglaubens war. Sie f\u00fchren dar\u00fcber hinaus vor, wie die katholische Kirche den Wunderglauben zugleich f\u00f6rderte und einzuhegen suchte \u2013 ein Beispiel f\u00fcr die Spannung zwischen Charisma und Institutionalisierung, auf der die Geschichte aller Glaubensgemeinschaften beruht.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"768\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/05\/IMG_9123-768x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2022\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/05\/IMG_9123-768x1024.jpeg 768w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/05\/IMG_9123-225x300.jpeg 225w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/05\/IMG_9123.jpeg 960w\" sizes=\"auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-f4ccded49fd0199e2fecf9d9aa0d0bc4 is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-47343ecfe93a79d272a50de36fea1324\">Prof. Dr. Johannes S\u00fc\u00dfmann ist Professor f\u00fcr das Fach Geschichte am Historischen Institut der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Erzbistumsarchiv Paderborn hat sich ein Band mit Akten aus dem 17. und 18. 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