{"id":2010,"date":"2026-05-01T12:29:36","date_gmt":"2026-05-01T10:29:36","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=2010"},"modified":"2026-05-01T12:29:36","modified_gmt":"2026-05-01T10:29:36","slug":"leichte-sprache-als-chance-religionsunterrichtlicher-praxis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2026\/05\/01\/leichte-sprache-als-chance-religionsunterrichtlicher-praxis\/","title":{"rendered":"Leichte Sprache als Chance religionsunterrichtlicher Praxis"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_2010 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_2010')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_2010').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Die Ergebnisse zeigen, dass das Elternhaus weiterhin eine zentrale Rolle f\u00fcr die religi\u00f6se Sozialisation spielt. Zugleich wird ein R\u00fcckgang religi\u00f6ser Selbstverortung sichtbar: 32 Prozent der Befragten bezeichnen sich als uneingeschr\u00e4nkt nicht religi\u00f6s, w\u00e4hrend 13 Prozent angeben, religi\u00f6s zu sein.<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Differenziert in kirchennahe und kirchenferne Religiosit\u00e4t &#8211; wobei beide r\u00fcckl\u00e4ufig sind -, ergeben sich aus diesen Dimensionen vier religi\u00f6s-s\u00e4kulare Orientierungstypen. Mit einem Anteil von 56 Prozent stellt die Gruppe der S\u00e4kularen die Mehrheit der deutschen Bev\u00f6lkerung dar. \u201eDiese Gruppe gilt als kaum noch religi\u00f6s ansprechbar\u201c<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a>: theologische Grundbegriffe werden nicht mehr verstanden, da religi\u00f6se Sprache f\u00fcr viele Menschen keinen Bezug mehr zu ihrer Lebenswirklichkeit aufweist &#8211; oder andersherum: die religi\u00f6se Sprechweise wird der Lebenswirklichkeit vieler Menschen nicht mehr gerecht.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Denn religi\u00f6ses Sprechen ist mehr als ein Vorgang reinen Informationsaustausches. Es ist vielmehr (ein) Beziehungsgeschehen, bei dem die Belange der Sprechenden und Adressat:innen zugleich miteinbezogen werden. Hier entsteht angesichts der genannten Entwicklungen jedoch eine Leerstelle. Es fehlt an sprachlichen Formen, die geeignet sind, Menschen in ihrer jeweiligen Lebenswelt religi\u00f6s zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Leerstelle zeigt sich besonders deutlich im schulischen Kontext, wo der Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach auf eine wachsende Zahl von Sch\u00fcler:innen trifft, die kaum oder gar nicht religi\u00f6s sozialisiert sind. Soll religi\u00f6se Kommunikation (hier) gelingen, bedarf es einer Sprachform, die die Lebenswirklichkeit der Adressat:innen ber\u00fccksichtigt, die sie erreicht und die sie verstehen. Einen m\u00f6glichen Ansatz zur Schlie\u00dfung dieser Leerstelle bietet m.E. das Konzept der Leichten Sprache.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwa seit dem Jahr 2000 wird eine sprachlich und inhaltlich stark vereinfachte Form des Deutschen unter dem Begriff \u201eLeichte Sprache\u201c zusammengefasst. Urspr\u00fcnglich entwickelt, um Menschen mit Lernschwierigkeiten Teilhabe am \u00f6ffentlichen Leben zu erm\u00f6glichen, wird sie nun auch dort eingesetzt, wo Adressat:innen geringe Deutschkenntnisse oder Schwierigkeiten im Lese- und H\u00f6rverstehen haben. Eng verbunden mit den Termini \u201eInklusion\u201c und \u201eTeilhabe\u201c<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a> &#8211; Begriffen, die oft mit dem Kontext Schule zusammengebracht werden &#8211; eignet sie sich aufgrund ihrer einfachen Strukturen als Mittel schriftsprachlicher Kommunikation in (inklusiven) Lernsettings. Sie kann nicht nur Sch\u00fcler:innen mit Deutsch als weiterer Sprache den Zugang zu Texten vereinfachen, sondern mit Blick auf den Religionsunterricht allen Lernenden Zug\u00e4nge zu biblischen oder religi\u00f6s gepr\u00e4gten Texten er\u00f6ffnen, deren Bedeutung aufgrund einer wohlm\u00f6glich eher unbekannten religi\u00f6sen Schriftsprache sonst nur schwer zu erfassen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu diesen Textsorten geh\u00f6ren im religionsunterrichtlichen Zusammenhang neben Gleichnissen u.a. auch Psalmen, die sich aufgrund ihrer intensiven Auseinandersetzung mit dem biblischen Gott besonders f\u00fcr die Thematisierung von Gottesbildern sowie f\u00fcr die Rede von und mit Gott eignen. W\u00e4hrend Gleichnisse sich einer heute vielfach nicht mehr eing\u00e4ngigen Bildwelt bedienen, sind die Psalmen von einer teils schwer verst\u00e4ndlichen religi\u00f6s-poetischen Sprache gepr\u00e4gt. Beide Textsorten setzen zudem ein kulturelles Wissen voraus und k\u00f6nnen sich auch daher im Unterrichtssetting als herausfordernd bzw. schwierig erweisen. Das kann \u2013 und darf \u2013 jedoch nicht dazu f\u00fchren, sie nicht mehr zu thematisieren. Gerade die Psalmen bieten z.B. eine Vielfalt an Ausdrucksformen \u2013 von Vertrauen bis Protest, von N\u00e4he bis Zweifel \u2013, die es Heranwachsenden erm\u00f6glichen kann, mit pers\u00f6nlichen Erfahrungen und Vorstellungen anzukn\u00fcpfen sowie eigene Deutungen zu entwickeln. Damit dieses Potenzial unter den beschriebenen Bedingungen zur Geltung kommen kann, ist eine \u00dcbersetzung in Leichte Sprache sinnvoll.<a href=\"#_ftn5\" id=\"_ftnref5\">[5]<\/a> Sie er\u00f6ffnet Lernenden, die mit religi\u00f6sen Ausdrucksformen wenig vertraut sind, Zug\u00e4nge und erm\u00f6glicht dadurch eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Leichte Sprache kann hier als Br\u00fccke fungieren, indem sie Verst\u00e4ndlichkeit schafft, ohne die inhaltliche Tiefe religi\u00f6ser Texte grunds\u00e4tzlich aufzugeben. Sie adressiert Heranwachsende als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft bzw. Gemeinschaft und schlie\u00dft sie nicht durch komplexe Sprache aus. Vielmehr er\u00f6ffnet sie M\u00f6glichkeiten, religi\u00f6se Kommunikation unter ver\u00e4nderten gesellschaftlichen Bedingungen neu zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">So verstanden ist Leichte Sprache nicht nur ein didaktisches Hilfsmittel, sondern ein Beitrag zu einer inklusiven und anschlussf\u00e4higen Religionsp\u00e4dagogik, die auch in einer zunehmend s\u00e4kular gepr\u00e4gten Gesellschaft tragf\u00e4hig bleibt.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"756\" height=\"494\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/05\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2011\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/05\/image.png 756w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/05\/image-300x196.png 300w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/05\/image-459x300.png 459w\" sizes=\"auto, (max-width: 756px) 100vw, 756px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Vgl. KMU 6 zum Themenfeld \u201eReligiosit\u00e4t im Alltag\u201c; URL: <a href=\"https:\/\/kmu.ekd.de\/kmu-themen\/religiositaet\">https:\/\/kmu.ekd.de\/kmu-themen\/religiositaet<\/a> (Stand: 09.04.2026).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. KMU 6 zum Themenfeld \u201eChoosing my Religion\u201c; URL: <a href=\"https:\/\/kmu.ekd.de\/kmu-themen\/orientierungstypen\">https:\/\/kmu.ekd.de\/kmu-themen\/orientierungstypen<\/a> (Stand: 09.04.2026).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Fl\u00fcgge, Jargon\/Florin, Herrschaft 159. Proportional dazu nimmt die religi\u00f6se Sprachf\u00e4higkeit ab (vgl. Waldenfels, Sprechen Sie kirchisch, 577).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. Hillebrand, Gott, 15.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"#_ftnref5\" id=\"_ftn5\">[5]<\/a> F\u00fcr die Psalmen hat dies Sonja Hillebrand am Beispiel von Psalm 113 in ihrer Dissertationsschrift eindr\u00fccklich vorgestellt. Im Projekt \u201eBibel in Leichter Sprache\u201c wird derzeit an der \u00dcbertragung biblischer Texte in Leichte Sprache gearbeitet: vgl. <a href=\"https:\/\/www.bibel-leichte-sprache.de\/\">https:\/\/www.bibel-leichte-sprache.de\/<\/a> (Stand: 11.04.2026). Dar\u00fcber hinaus bietet das \u201eEvangelium in Leichter Sprache\u201c die Evangelientexte f\u00fcr die liturgische Praxis an (vgl. <a href=\"https:\/\/www.evangelium-in-leichter-sprache.de\/\">https:\/\/www.evangelium-in-leichter-sprache.de\/<\/a>; Stand: 11.04.2026).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-84a7ce129bd7daeef240dc25dff5fd91 wp-block-paragraph\">Dr. Saskia Breuer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f\u00fcr katholische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der bislang gr\u00f6\u00dften Studie zur Kirchenmitgliedschaft (KMU 6) \u2013 erstmals unter Einbezug Konfessionsloser und Katholik:innen \u2013 erhob die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) im Jahr 2022 nicht nur die Haltung gegen\u00fcber Kirche und einer Mitgliedschaft, sondern erfragte u.a. religi\u00f6se &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2026\/05\/01\/leichte-sprache-als-chance-religionsunterrichtlicher-praxis\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":9271,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-2010","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2010","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9271"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2010"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2010\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2012,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2010\/revisions\/2012"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2010"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2010"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2010"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}