{"id":2006,"date":"2026-04-17T12:38:02","date_gmt":"2026-04-17T10:38:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/?p=2006"},"modified":"2026-04-17T12:38:02","modified_gmt":"2026-04-17T10:38:02","slug":"wort-statt-wein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/2026\/04\/17\/wort-statt-wein\/","title":{"rendered":"Wort statt Wein"},"content":{"rendered":"<div class=\"twoclick_social_bookmarks_post_2006 social_share_privacy clearfix 1.6.4 locale-de_DE sprite-de_DE\"><\/div><div class=\"twoclick-js\"><script type=\"text\/javascript\">\/* <![CDATA[ *\/\njQuery(document).ready(function($){if($('.twoclick_social_bookmarks_post_2006')){$('.twoclick_social_bookmarks_post_2006').socialSharePrivacy({\"txt_help\":\"Wenn Sie diese Felder durch einen Klick aktivieren, werden Informationen an Facebook, Twitter, Flattr, Xing, t3n, LinkedIn, Pinterest oder Google eventuell ins Ausland \\u00fcbertragen und unter Umst\\u00e4nden auch dort gespeichert. 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Die Gabe des Weins in dieser Wundererz\u00e4hlung steht f\u00fcr die F\u00fclle des Lebens und f\u00fcr Lebensfreude, wie auch in der Hebr\u00e4ischen Bibel, wo \u2013 um nur drei Texte exemplarisch zu nennen \u2013 in Qoh\u00e4l\u00e4t 9,7 und 10,19a+b sowie Psalm 104,14f. betont wird, dass Wein das Leben erfreuen kann. So schreibt Klaus Wengst in seinem Kommentar zum Johannesevangelium \u00fcber dieses Wunder Jesu: \u201eAllen verklemmten Moralisten und unfrohen Asketen zum Trotz nimmt diese Geschichte das Verlangen nach Lebensfreude positiv auf, die im Weingenuss zum Ausdruck kommt, und verhei\u00dft ihm Erf\u00fcllung.\u201c<a href=\"#_ftn1\" id=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Aber Wein wie auch andere alkoholhaltige Getr\u00e4nke erfreuen keineswegs immer nur das Leben, sondern k\u00f6nnen es auch massiv belasten, wenn Menschen Probleme mit Alkohol haben oder aus dem Leben nahestehender Menschen kennen und als Co-Abh\u00e4ngige davon betroffen sind. Dass der Alkoholkonsum Menschen und ihre Beziehungen zu anderen Menschen gef\u00e4hrden, sogar zerst\u00f6ren kann, wird in der Hebr\u00e4ischen Bibel ebenso klar zur Sprache gebracht wie die mit dem Wein verbundene Lebensfreude, vgl. Genesis 9,20-27.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts dieser mit Wein verbundenen Gef\u00e4hrdungen fragt Siegfried Bergler: \u201eM\u00fcssen wir unbedingt glauben, dass unser Meister sich auch als Pannenhelfer f\u00fcr die Trinkprobleme einer Familienfeier, um nicht zu sagen als F\u00f6rderer des Alkoholkonsums bet\u00e4tigen konnte?\u201c<a href=\"#_ftn2\" id=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Was ist mit dem Begriff \u201aWein\u2018 in der Geschichte vom Weinwunder zu Kana gemeint?<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser neutestamentliche Text wird oft vor dem Hintergrund des Dionysos-Mythos erkl\u00e4rt. Eine solche Erkl\u00e4rung legt es nahe, den dort genannten Wein lediglich als gegorenen, alkoholhaltigen Traubensaft zu verstehen. Dieses Verst\u00e4ndnis ist jedoch keineswegs zwingend. Denn es ist zwar durchaus denkbar, dass Elemente aus dieser Tradition in den Text eingeflossen sind, aber angesichts der zahlreichen Bez\u00fcge zur Hebr\u00e4ischen Bibel sowie der Rezeption j\u00fcdischer Motive legt es sich nahe, ihn vor seinem biblisch-j\u00fcdischen Hintergrund zu verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine interessante M\u00f6glichkeit, dies zu tun, bietet Jochen Flebbe, indem er Johannes 2,1-11 als Bericht von der Gabe der Tora durch Jesus interpretiert und dies damit begr\u00fcndet, dass der Wein traditionell eine Metapher f\u00fcr die Tora ist.<a href=\"#_ftn3\" id=\"_ftnref3\">[3]<\/a> Dabei bezieht er sich u.a. auf Shir Hashirim Rabba, wo dies dargelegt wird. Dort hei\u00dft es, dass im Weinkeller, am Sinai, die als Wein verstandene Tora gegeben wurde:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<em>Er f\u00fchrte mich ins Weinhaus<\/em>\u2026 Die Gemeinde spricht: Gott brachte mich in den gro\u00dfen Weinkeller, an den Sinai, und gab mir dort mein Panier, die Tora, die Gebote, die guten Werke, und ich nahm sie mit gro\u00dfer Liebe an. R. Abba sagte im Namen des R. Isaak: Die Gemeinde Israel spricht: Gott f\u00fchrte mich in den gro\u00dfen Weinkeller d.i. zum Sinai und gab mir von dort die Tora, aus welchem das Reine auf 49 Arten und auf ebenso viele Arten das Unreine er\u00f6rtert wird und ich nahm es mit gro\u00dfer Liebe an, wie es hei\u00dft: <em>Die Liebe ist sein Panier \u00fcber mir<\/em>.\u201c<a href=\"#_ftn4\" id=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis des Textes als Bericht von der Gabe der Tora durch Jesus spricht auch die Zeitangabe \u201eam dritten Tag\u201cin Vers 1. Denn sie verweist auf die Offenbarung am Sinai mit der Gabe der Tora am dritten Tag, vgl. Exodus 19,11.16. Auch das Motiv der Hochzeit ist ein Hinweis auf die Gabe der Tora am Sinai, denn diese wird im antik-j\u00fcdischen und auch im rabbinischen Judentum als Hochzeit gedeutet.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir den Wein als Metapher f\u00fcr die Tora verstehen, sagt die Mutter Jesu also: \u201eSie haben keine Tora\u201c (Vers 3) \u2013 was zum einen erkl\u00e4rt, warum Jesus umgehend diesem Mangel abhilft, und zum anderen, warum dieses Wunder von so grundlegender Bedeutung ist, dass es das erste ist, das Jesus gem\u00e4\u00df dem Johannes-Evangelium vollbringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Jeder der in Vers 6 genannten sechs Kr\u00fcge umfasst zwei oder drei Metretes \u2013 ein attisches Ma\u00df, das ca. 39 Litern entspricht. Die Kr\u00fcge fassen insgesamt also zwischen 468 und 702 Liter. Die Angabe dieser immens gro\u00dfen Menge des sp\u00e4teren Weins kann als Hinweis auf die an keine Grenzen gebundene Gabe der Tora verstanden werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die kritische Frage des Speisemeisters an den Br\u00e4utigam in Vers 10 hat dementsprechend die Funktion, die hohe Qualit\u00e4t des Weins \u2013 und damit den hohen Wert der Tora \u2013 zu unterstreichen. Es ist eine rhetorische Frage, auf die der Br\u00e4utigam nicht antwortet.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Geschichte vom so genannten Weinwunder zu Kana kann bei Leser*innen, die selber und\/oder ihnen nahestehende Menschen Probleme mit Alkohol haben, Irritationen ausl\u00f6sen. Wenn dieser Text jedoch so verstanden wird, dass es hier letztlich nicht um eine gro\u00dfe Menge qualitativ hochwertigen Weins geht, sondern um die Zuwendung Jesu zu Menschen, kann dies den Irritationen entgegenwirken.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang ist von Relevanz, dass die Wunder im Johannes-Evangelium durchweg als Zeichen benannt werden, die als solche \u00fcber sich hinausweisen, was in diesem Fall hei\u00dft, dass der Wein als Metapher f\u00fcr die Tora verstanden werden kann \u2013 die Weisung, mit der Gott den Menschen hilft, ihr Leben zu gestalten. Durch das sprachliche Bild des Weins wird also zum Ausdruck gebracht, dass Mangel in F\u00fclle verwandelt wird, wenn Gott sich den Menschen zuwendet und sich in seinem Wort offenbart.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\" \/>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref1\" id=\"_ftn1\">[1]<\/a> Klaus Wengst, Das Johannesevangelium. Neuausgabe in einem Band (Theologischer Kommentar zum Neuen Testament, Bd. 4), Stuttgart 2019, 92.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref2\" id=\"_ftn2\">[2]<\/a> Siegfried Bergler, Von Kana in Galil\u00e4a nach Jerusalem. Literarkritik und Historie im vierten Evangelium (M\u00fcnsteraner Judaistische Studien, Bd. 24), Berlin 2009, 1.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref3\" id=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. Jochen Flebbe, Jesus Tora. Christologie und Gesetz im Johannesevangelium vor dem Hintergrund antik-j\u00fcdischer Torametaphorik (Bonner Biblische Beitr\u00e4ge, Bd. 190), G\u00f6ttingen 2020, 227f.<\/p>\n\n\n\n<p><a href=\"#_ftnref4\" id=\"_ftn4\">[4]<\/a> Shir Hashirim Rabba 2,4, zitiert nach: Flebbe, a.(Anm. 3)a.O., 125.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"427\" height=\"640\" src=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/04\/glative-ai-generated-8696213_640.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2007\" srcset=\"https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/04\/glative-ai-generated-8696213_640.jpg 427w, https:\/\/blogs.uni-paderborn.de\/zekkblog\/files\/2026\/04\/glative-ai-generated-8696213_640-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 427px) 100vw, 427px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"has-blue-color has-text-color has-link-color wp-elements-b07054100ea89dd888434bf226fabbca\">PD Dr. Hans-Christoph Go\u00dfmann ist Privatdozent am Institut f\u00fcr Evangelische Theologie der Universit\u00e4t Paderborn.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das so genannte Weinwunder zu Kana (Joh 2,1-11) geh\u00f6rt zu den bekanntesten Wundern Jesu im Neuen Testament. 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